Kirchenvorstand Protestanten haben die Wahl

Die Mitglieder der vier evangelischen Gemeinden im Landkreis bestimmen ihre Kirchenvorstände. Trotz des umfangreichen Aufgabenprofils ist die Bereitschaft zum Ehrenamt groß.

Von Petra Schafflik

- Beim Stichwort Wahlen richtet sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf die im kommenden Jahr anstehenden Entscheide zum Bayerischen Landtag und zum Bundestag. Viel früher, nämlich bereits am 21. Oktober, sind in Bayern die Protestanten aufgerufen, ihre Kirchenvorstände neu zu besetzen. Im Landkreis bestimmen etwa 17 000 Wahlberechtigte in den vier evangelischen Kirchengemeinden die ehrenamtlichen Mitglieder dieser wichtigen kirchlichen Leitungsgremien. Anders als bei politischen Wahlen dürfen auch Jugendliche von 16 Jahren oder ihrer Konfirmation an mit abstimmen.

Die Kirche könne hier "Vorbild sein für die Politik", erklärt Pfarrerin Birgit Schorsten-Last von der evangelischen Friedenskirche in Dachau bei einem Pressegespräch zur bevorstehenden Kirchenvorstandswahl. Denn eine Herabsetzung des allgemeinen Wahlalters auf 16 Jahre wird bislang nur vereinzelt diskutiert. Anders bei den christlichen Kirchen, wo junge Leute längst mitentscheiden. Sowohl bei der Besetzung der katholischen Pfarrgemeinderäte wie auch der evangelischen Kirchenvorstände sind Jugendliche wahlberechtigt. "Die Jugend ist in unserer Gemeinde eine gleichberechtigte Generation, die deshalb auch wählen und entscheiden soll," sagt Pfarrer Thomas Körner von der Friedenskirche. Allerdings tun sich die Gemeinden nicht immer leicht, junge Leute auch für eine Kandidatur als Gremiumsmitglied zu gewinnen. Einzig in Kemmoden-Petershausen freut sich Pfarrer Peter Dölfel über eine "junge Vorschlagsliste" mit vier Bewerbern unter 30 Jahren. Die Zurückhaltung der Jugend findet Pfarrer Körner verständlich. Die Amtsperiode von sechs Jahren lasse sich schwer vereinbaren mit der Biografie junger Leute.

Insgesamt konnten alle evangelischen Gemeinden im Landkreis ihre Kandidatenlisten für die ehrenamtlichen Kirchenvorstände aber ausreichend besetzen. Was bedeutet, dass doppelt so viele Bewerber aufgestellt wurden, als das jeweilige Gremium später Mitglieder haben wird. So sieht es das Kirchenrecht vor. Einzig die Gnadenkirche hat mit 14 Kandidaten bei neun zu wählenden Kirchenvorständen die Liste "nicht ganz voll", erklärt Pfarrerin Elisabeth Schulz. Die große Bereitschaft zum kirchlichen Ehrenamt beeindruckt gerade mit Blick auf den umfangreichen Aufgabenkatalog. Kirchenvorstände sind keineswegs nur beratend tätig, sondern leiten im Wortsinn die Gemeinde. "Der Kirchenvorstand wählt die hauptamtlichen Mitarbeiter, verantwortet den Haushalt, gibt Richtlinien für die Gemeindearbeit vor und kümmert sich um den Erhalt der Immobilen" zählt Pfarrer Thomas Körner auf. Anders als in den meisten der 1500 evangelischen Kirchengemeinden Bayerns übernimmt in Kemmoden-Petershausen sogar ein ehrenamtliches Mitglied den Vorsitz, den in den meisten Gemeinden der Pfarrer als geborenes Mitglied des Leitungsgremiums inne hat. Dieser "Sonderfall", den es noch in vier weiteren bayerischen Kirchengemeinden gibt, "ist entlastend, sofern die Chemie stimmt", sagt Pfarrer Peter Dölfel. "Dann fokussiert sich nicht alles auf den Pfarrer." Die Wahl der Kirchenvorstände sorgt für Demokratie innerhalb der evangelischen Kirche, eine gute Wahlbeteiligung wird daher angestrebt.

Alle Gemeinden im Landkreis haben sich Aktionen überlegt, um die Gemeindemitglieder am 21. Oktober in die Kirchen und damit an die Wahlurnen zu bringen. Die Dachauer Gnadenkirche feiert am 21. Oktober den 50. Geburtstag der Grundsteinlegung mit Kirchenführungen und einem abendlichen Gospelkonzert. Ein umfangreiches Programm mit Gospelchor, Kirchenkaffee, Ausstellung, Kinderprogramm, Jazz-Frühschoppen und Kirchenführungen soll in der Friedenskirche den Kirchenbesuch am Wahltag attraktiv machen. In Kemmoden-Petershausen wird es anders als an regulären Sonntagen in allen fünf Kirchen der weitläufigen Gemeindebereichs Gottesdienste geben, sagt Dölfel. Die Karlsfelder Korneliuskirche hat als einzige im Landkreis ein neues Angebot der Landeskirche angenommen, die Wahlunterlagen allen Gemeindemitgliedern direkt ins Haus zu schicken. Jetzt ist Pfarrer Lorenz Künneth neugierig, "ob das die Wahlbeteiligung steigert".