Fehlende Pflegekräfte Betten müssen leer bleiben

Am Helios-Amper-Klinikum herrscht Personalnot. Die Kreisräte üben harsche Kritik an der Leitung. Geschäftsführer und Vorstand verteidigen das Krankenhaus und sprechen von Lügen und Gerüchten. Landrat Löwl warnt davor, die Klinik schlecht zu reden

Von Christiane Bracht und Robert Stocker, Dachau

Der seit Monaten von Mitarbeitern, Betriebsrat und Gewerkschaft angeprangerte Personalnotstand in der Pflege des Dachauer Amper-Klinikums scheint eine neue Dimension erreicht zu haben: 27 Betten in der Chirurgie können derzeit nicht belegt werden. Das bestätigt Geschäftsführer Thomas Eberl auf Nachfrage der SZ. "Das ist das Tagesgeschäft", erklärt er. Klar sei dies dem Umstand geschuldet, dass zu wenig Pfleger da seien, um die Patienten zu betreuen. Aber man brauche die Betten derzeit auch nicht. Die Klinik sei nicht voll ausgelastet. Im April seien auch mal zehn Betten "geschlossen gewesen", sagt Eberl. "In den nächsten zwei oder drei Wochen werden die 27 Betten wahrscheinlich wieder geöffnet."

Geballter Unmut der Kommunalpolitik

Acht Stellen seien momentan in der Pflege vakant und es sei extrem schwierig sie zu besetzen, klagen Eberl und Landrat Stefan Löwl (CSU), der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender im Klinikum ist, unisono. "Es ist ein Teufelskreis: Wir brauchen Mitarbeiter, aber gleichzeitig wird die Stimmung schlecht gemacht und das schreckt ab." Dabei zahle die Klinik über Tarif und es gebe auch entgegen anders lautender Behauptungen eine Zusatzversorgung hinsichtlich der Rente. Doch die Klinikleitung hat schon neue Wege gefunden, Personal zu akquirieren: Am Montag fangen fünf italienische Pfleger im Dachauer Krankenhaus an. Sie sind zwar zunächst nur Helfer, sagt Eberl, doch sobald sie sprachlich einigermaßen fit sind, werden sie als Pfleger anerkannt. In den nächsten sechs Monaten sollen zudem noch Pfleger aus den Philippinen und dem Balkan eingestellt werden, erklärt der Geschäftsführer.

Am Dienstag protestierten Pflegekräfte gegen die Arbeitsbedingungen.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Dennoch bekam die Klinikleitung zum ersten Mal in öffentlicher Sitzung den geballten Unmut der Kommunalpolitik zu spüren. Die nicht abreißenden Beschwerden von Patienten und Mitarbeitern über die Pflegesituation und die Arbeitsbedingungen nahmen Mandatsträger in der Kreistagssitzung am Freitag zum Anlass, die Führung des Helios-Amper-Klinikums zur Rede zu stellen. Zum Bericht über die Beteiligung an dem Unternehmen - der Landkreis hält noch 5,1 Prozent der Anteile - waren Vorstand Marcus Sommer und Geschäftsführer Thomas Eberl in die Sitzung gekommen. Seit Wochen, sagte CSU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Offenbeck, gebe es in den Medien wieder Schlagzeilen über Probleme in der Pflege und mit dem Personal. Es sei klar, dass die Situation im Pflegebereich schwierig sei. "Aber die Klinik bewegt sich am Rand der Unprofessionalität, wenn sie diese Probleme nicht in den Griff bekommt." Derselben Meinung ist auch SPD-Fraktionsvorsitzender Harald Dirlenbach. Mann könne von Kampagnen gegen das Klinikum reden. Aber wenn Auszubildende der Krankenpflegeschule in der Zeitung ankündigen, dass sie nicht in Dachau bleiben wollten, stecke ein Funken Wahrheit mit drin.

"Wenn nur noch die Gewinnmaximierung zählt, wandert das Pflegepersonal ab"

Es stelle sich die Frage, ob das Helios-System richtig sei, wenn Mitarbeiter über Arbeitsbedingungen und Erschöpfung klagten. "Helios muss bessere Rahmenbedingungen schaffen", forderte Dirlenbach. Franz Eichinger (Freie Wähler) fragte nach dem Maßnahmenkatalog für Verbesserungen, den Christoph Engelbrecht, der Vorgänger von Geschäftsführer Thomas Eberl, angekündigt hatte. Bis jetzt seien nur zwei Punkte, nämlich Verbesserungen bei der Hygiene und Sauberkeit, abgearbeitet worden. Aber in der Pflege sei das Personal noch immer permanent überlastet. Auch in puncto Wohnraum und Leistungsprämien für Mitarbeiter habe man noch nichts gehört. Das Ampervitalcenter müsse auch alle Kassenpatienten behandeln. Denn nicht nur die Rendite des Klinikums, auch die medizinischen Leistungen seien wichtig. Eichinger: "Das Klinikum ist eine Herzensangelegenheit für den Kreistag. Wir wollen mit Überzeugung sagen: Das ist unser Krankenhaus." Von schlechter Stimmung beim Personal des Klinikums sprach CSU-Landtagsabgeordneter und Kreisrat Bernhard Seidenath. "Wenn nur noch die Gewinnmaximierung zählt, wandert das Pflegepersonal ab." Die Klinik werde dann schlecht geredet und damit "eine Spirale nach unten" in Gang gesetzt.

OB Hartmann: "Ich weiß nicht mehr, was ich den Bürgern sagen soll"

Für Dachaus Oberbürgermeister und SPD-Kreisrat Florian Hartmann ist es bereits "fünf nach zwölf". Die Manager des Klinikums erzählten immer wieder, was sie besser machen wollten, aber es ändere sich nichts. Was der frühere Geschäftsführer angekündigt habe, werde nicht umgesetzt. "Ich weiß nicht mehr, was ich den Bürgern sagen soll", stellte Hartmann fest. Die Stadt habe die Klinikleitung dazu "prügeln" müssen, Kinderbetreuungsplätze am Amper-Klinikum einzurichten. Immer wieder erhalte er E-Mails von Mitarbeitern, die nicht mehr im Krankenhaus arbeiten wollten. Mechthild Hofner (ÖDP), die als freiberufliche Hebamme tätig ist, berichtete von schwangeren Frauen, die Bedenken hätten, im Amper-Klinikum zu entbinden, weil sie von schlechten Zuständen bei der Hygiene gehört hätten. Dabei, sagte Hofner, sei die Hygiene in der Klinik inzwischen nachweislich gut. Doch die Gerüchte führten dazu, dass die Zahl der Geburten in Dachau rückläufig sei, während die Gynäkologie-Abteilungen in den Münchner Kliniken überfüllt seien.

Marcus Sommer ist Vorstand des Helios-Amper-Klinikums. Am Dienstag protestierten Pflegekräfte gegen die Arbeitsbedingungen.

(Foto: oh)

Amper-Klinikum-Vorstand Marcus Sommer räumte Fehler in der Außendarstellung des Klinikums ein. "Wir sind bei der Abarbeitung der Kritikpunkte dabei, aber wir müssen das besser kommunizieren." Das Management gehe den Beschwerden nach. "Die Kritik lässt uns nicht kalt", betonte Sommer, "wir tun was". Das Unternehmen zahle eine zusätzliche Altersversorgung und stelle Mitarbeitern Wohnraum zur Verfügung. Geschäftsführer Thomas Eberl sagte, dass das Medizinische Versorgungszentrum am Indersdorfer Klinikum nach Dachau verlegt werden musste, weil für Markt Indersdorf keine Fachärzte zu bekommen waren. Die Notaufnahme, sagte Sommer, bleibe aber bestehen. Von einem Kommunikationsfehler sprach der Vorstand in Sachen Ampervitalcenter. Es sei nicht darum gegangen, Kassenpatienten von der Reha auszuschließen. Wegen eines personellen Engpasses bei den Physiotherapeuten könnten derzeit nicht so viele Patienten behandelt werden, weil der stationäre Bereich Vorrang habe. Was aber an Lügen und Gerüchten über das Klinikum im Umlauf sei, sei bemerkenswert.

Geschäftsführer Thomas Eberl.

(Foto: privat)

Auch Landrat Löwl ist entsetzt und erzürnt zugleich über die Negativschlagzeilen der vergangenen Monate. Er vermutet, dass die Gerüchte "von außen" gestreut würden, um das Dachauer Krankenhaus in Misskredit zu bringen. "Es ist zum Beispiel kein einziger Euro von dem, was an Überschuss in Dachau erwirtschaftet wurde, nach Berlin geflossen", versichert der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende. Alles werde in Gerät, Bauten und Personal reinvestiert. "Hier wird versucht, mit unlauteren Mitteln Druck aufzubauen, aber so wird unser Krankenhaus kaputt gemacht und das darf nicht sein."