Erneuerbare Energie Zu hoch geflogen

Auch die Windräder in Etzenhausen und an der Ziegelei Hörl&Hartmann mussten sehr viele Hürden nehmen, bis sie endlich aufgestellt werden durften. Ohne Gerichtsverfahren lief es bei keinem ab. Am Pellheimer Windrad wurden Rotmilane gesichtet, jedoch kein Vogelhorst gefunden.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

So bald wird sich kein Windrad im Sigmertshauser Holz drehen. Wespenbussarde wurden gesichtet. Die geschützte Vogelart bremst das Projekt der Stadtwerke vorerst aus.

Von Petra Schafflik, Dachau

Jetzt kommt der Wespenbussard dem geplanten Windrad im Sigmertshauser Holz in die Quere. Der geschützte Raubvogel wurde von Experten im Mai und Juni genau dort gesichtet, wo die Stadtwerke nördlich von Pellheim eine Windkraftanlage errichten möchten. Allein diese Beobachtungen reichen, dass die zuständige Untere Naturschutzbehörde das Projekt nicht genehmigen wird, informierte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) die Stadträte im Werkausschuss.

Die laufende Vogelkartierung soll aber noch zu Ende geführt werden. Auch um herauszufinden, ob der Wespenbussard den Windkraftstandort nur durchfliegt oder tatsächlich dort seinen Horst errichtet. Danach soll das Projekt nicht in den Papierkorb wandern, sondern nur ruhen. Denn neuartige Schutzsysteme könnten bald ermöglichen, Windräder ohne Gefahr für Vögel zu betreiben, erklärte der technische Werkleiter, Gerald Nübel. Die Stadträte begrüßten dieses Vorgehen unter der Prämisse, dass die Stadtwerke nach der Sommerpause umfassende Informationen über die dann beendete Vogelkartierung vorlegen.

Schon länger war klar, dass der Naturschutz dem ersten Windkraftprojekt der Stadtwerke womöglich noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Alle relevanten Untersuchungen - vom Schall- und Schattenwurfgutachten über die Zusage vom Militär bis zur Windertragsberechnung - waren bereits im vorigen Sommer positiv abgeschlossen worden. Doch bei der im Genehmigungsverfahren vorgeschriebenen Vogelkartierung war schon 2017 der geschützte Greifvogel nördlich von Pellheim gesehen worden. Genau dort, wo das Windrad errichtet werden soll. Und bei Beobachtungsgängen in diesem Mai und Juni haben die beauftragen Experten den Wespenbussard erneut gesichtet. Speziell Balzflüge und ein Vogelpaar wurden beobachtet, was darauf hindeuten könnte, dass der Vogel im Umfeld des Windradstandorts einen Horst baut und brütet.

Ganz aufgegeben wird das Vorhaben noch nicht

Doch gleich aufgeben gilt nicht. So jedenfalls der Tenor der Diskussion im Ausschuss. Denn verboten seien Windräder nur, wenn der Wespenbussard im 1000-Meter-Umkreis des geplanten Standorts einen Nistplatz anlegt, betonte Michael Eisenmann (Bündnis für Dachau). Sollte die Dachauer Naturschutzbehörde die Genehmigung allein schon aufgrund von Flugbeobachtungen versagen, sollten die Stadtwerke "notfalls klagen." Schließlich, so Eisenmann, wurde schon viel Geld investiert. Nicht ganz so kämpferisch sieht es Peter Gampenrieder (ÜB). Mit Blick auf die Proteste der Bürger aus den angrenzenden Ortschaften Pellheim und Viehhausen will seine Fraktion das Vorhaben "nicht durchboxen". Zumal auch wirtschaftlich das Windrad "kein Hit ist".

Allein um den wirtschaftlichen Erfolg gehe es doch nicht, erwiderte Volker C. Koch (SPD). Vielmehr darum, dass die Stadtwerke auf ökologische Energieerzeugung umsteigen und das Windrad dazu einen kleinen Beitrage leisten könne. "Also weiterverfolgen, das ist ein absolutes Muss." Ganz aufgegeben wird das Windrad-Vorhaben am Sigmertshauser Holz jetzt noch nicht. Nach der beendeten Vogelkartierung wollen die Stadträte im Herbst weiter diskutieren.

Die Stadtwerke plädieren in jedem Fall dafür, das Vorhaben erst einmal in die Warteschleife zu schicken. Weil nach Vorgesprächen mit der Naturschutzbehörde absehbar ist, dass eine Genehmigung aktuell nicht erteilt wird. Andererseits wird damit gerechnet, dass sich die Rahmenbedingungen für Windkraftprojekte in Bayern wieder verbessern. Denn seit Einführung der umstrittenen 10-H-Regelung 2014 werden in Bayern immer weniger Windräder aufgestellt, was aber den Klimaschutzzielen zuwider läuft. Hoffnung macht auch der technische Fortschritt. Zurzeit werden Systeme entwickelt, die Vögel im Umkreis von Windrädern per Warnsignal oder Notabschaltung schützen. Sobald diese Einrichtungen verfügbar sind und Standard werden, "können wir wieder einsteigen", rät der Oberbürgermeister.