Dachau/Karlsfeld Vergnügen mit Regeln

Wer mit dem Auto zum Karlsfelder See fährt und baden will, muss mehr Geld fürs Parken zahlen. Griller sollen dort mehr Platz bekommen, Modellflugzeuge und Drohnen sind künftig verboten

Von Robert Stocker, Dachau/Karlsfeld

Wer bleibt schon gern daheim bei sommerlich warmen Temperaturen? Grillen am Karlsfelder See ist eine gute Alternative, die viele schätzen - gesellig noch dazu. Der Landkreis will den Leuten nun mehr Raum dafür geben.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Wenn im Naherholungsgelände am Karlsfelder See Hochsaison herrscht, geht es manchmal drunter und drüber. Anliegerstraßen sind zugeparkt, überall steigen Rauchschwaden wilder Griller hoch, die Müllkörbe quellen von den Hinterlassenschaften der Besucher über. Der Landkreis hat darauf jetzt reagiert und die Satzung für die Benutzung des Naherholungsgebiets geändert. Wichtigste Neuerung: Die Gebühren für die Parkplätze am Karlsfelder See steigen. Außerdem soll es künftig mehr Grillplätze geben, weil die ausgewiesenen Flächen nicht mehr ausreichen. Tiere füttern ist künftig verboten, Modellflugzeuge und Drohnen dürfen nicht mehr über das Gelände kreisen. Die Badesaison wird vom 1. Mai auf 30. September verlängert.

Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe.

(Foto: Toni Heigl)

Autofahrer müssen für einen Parkplatz künftig drei Euro (bisher zwei Euro) und Motorradfahrer zwei Euro (bisher 1,50 Euro) zahlen. Zuletzt wurden die Gebühren im Jahr 2002 erhöht. Der Landkreis begründet die höheren Gebühren mit den steigenden Ausgaben für die Verkehrssicherheit. Diese seien dramatisch gestiegen. Der Grund: Auf dem Erholungsgelände wachsen Tausende Bäume und Sträucher, die regelmäßig gestutzt und gepflegt werden müssen. Die laufenden Unterhaltskosten betragen mittlerweile 230 000 Euro pro Jahr, erklärte Sachgebietsleiter Jörg Bögeholz im Kreisausschuss. Durch Parkgebühren würden aber nur 50 000 Euro jährlich eingenommen. "Wir haben höhere Kosten, die wir wenigstens teilweise kompensieren müssen", begründete Landrat Stefan Löwl (CSU) die Erhöhung. Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) lehnte sie entschieden ab. Während der Badesaison beschwerten sich regelmäßig Anlieger bei ihm, dass ihre Straßen zugeparkt würden. Der Grund: Viele Besucher des Naherholungsgeländes wollen nichts fürs Parken zahlen und nehmen lieber einen längeren Fußweg zum See in Kauf. "Ich sehe höhere Parkgebühren sehr kritisch", so Kolbe. "Dann werden noch mehr Leute in den Wohngebieten parken." Weitere Grillzonen auszuweisen sieht Karlsfelds Bürgermeister ebenfalls skeptisch. Schon auf den bestehenden Grillflächen gehe es drunter und drüber. Sie seien von Müll übersät, Vorschriften würden nicht eingehalten. Die Leute grillten inzwischen überall. "Wenn die Grillzonen nicht kontrolliert werden, macht die Ausweisung weiterer Flächen keinen Sinn", so Kolbe.

Nur stichprobenartige Kontrollen

Landrat Löwl wies darauf hin, dass das Landratsamt aus personellen Gründen keine regelmäßigen Kontrollen machen könne. Sie könnten nur stichprobenartig durchgeführt werden. Bei der Durchsetzung der Vorschriften gebe es manchmal massive Probleme. In solchen Fällen alarmiert das Landratsamt die Polizei oder einen Sicherheitsdienst. "Die Personen werden schwieriger", betonte Löwl. Gerhard Weber, Hauptabteilungsleiter am Landratsamt, plädierte für die Ausweisung zusätzlicher Grillzonen. Mehr Flächen würden den Andrang entzerren. Bei den Parkplätzen sei die mangelnde Kapazität das Hauptproblem. "Ein Appell an die Besucher, aufeinander Rücksicht zu nehmen, ist besser, als Verwarnungsgelder zu verhängen." Am Vorschlag von Sebastian Leiß (Freie Wähler Dachau), mobile Mülltonnen aufzustellen, fand im Kreisausschuss keiner Gefallen. Dadurch werde nur zusätzlicher Müll produziert, waren sich die anderen Fraktionen einig.

Von mehr Kontrollen hält auch CSU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Offenbeck nicht viel. Zwar zeigte er Verständnis für Kolbe, der "die Probleme hautnah miterlebt". Doch man wolle keinen Polizeistaat exekutieren. Besser sei ein pädagogisches Konzept, das die Menschen zum Umdenken bringe. Die Probleme zeigen für Offenbeck, dass der Wachstumslandkreis Dachau mehr Naherholungsflächen braucht. "Viele Leute wollen am Wochenende aus ihren Wohnungen raus."