Dachau Nicht jeder Lehrer und Schüler muss mit dem Auto kommen

Morgens und nachmittags ist Stau vor der neuen Realschule an der Theodor-Heuss-Straße. "Das hätte besser gebaut werden können", sagt eine Anwohnerin.

Von Walter Gierlich

Erika Müller ist entsetzt. Die Rentnerin wohnt genau gegenüber dem Eingang der neuen Dr.-Josef-Schwalber-Realschule und schaut von ihrem Balkon auf den Parkplatz vor dem Gebäude, auf dem Eltern ein- und ausfahren, die ihre Kinder zum Unterricht bringen. Zugleich laufen die Mädchen und Buben von der Bushaltestelle genau über diesen Parkplatz zum Eingang und schlängeln sich dabei zwischen rangierenden Autos hindurch.

An der Ausfahrt Theodor-Heuss-Straße zur Nikolaus-Deichl-Straße war Stau angesagt. Es gab Verkehrprobleme und Parkplatzmangel.

(Foto: npj)

Es sei ein Unding, dass die Kinder über den Parkplatz laufen müssen, schimpft sie. "Gestern war es noch schlimmer", sagt sie am Mittwochmorgen, dem zweiten Tag des Schuljahrs 2011/12, kurz vor acht Uhr. In ihren Augen ist das Chaos noch größer, als sie befürchtet hatte. In der Nikolaus-Deichl-Straße stauen sich die Autos, die auf die Theodor-Heuss-Straße ausfahren wollen. Es sind vor allem Eltern, die ihre Kinder zur Schule gebracht haben. Erika Müller tun die Anwohner leid: "Die Leute, die um acht Uhr weg müssen, kommen nicht raus." Das alles hätte man vor Baubeginn bedenken müssen, sagt sie: "Landratsamt und Stadt Dachau haben geschlafen."

Als "absolute Frechheit" bezeichnet Moni Brandstetter aus Röhrmoos, deren Sohn die Realschule besucht, die Verkehrssituation an der Theodor-Heuss-Straße, einer der wichtigsten und meist befahrenen Straßen Dachaus. Vor allem die Bushaltestelle auf der östlichen, der gegenüberliegenden Seite der Fahrbahn hält sie für einen Gefahrenpunkt erster Ordnung. Die Auskunft, dass dank einer Verkehrsinsel eine sichere Querung gewährleistet sei, die sie auf ihre Beschwerde bei der Stadt erhalten habe, hält sie für einen schlechten Witz: "Die Insel ist so winzig, da passen gerade drei Schüler drauf. Wenn da einer geschubst wird, liegt er schon vor einem Auto." Moni Brandstetter redet sich regelrecht in Rage: "Das ist untragbar. Da können Sie drauf warten, bis das erste Kind totgefahren wird."

Das würde Dachaus Oberbürgermeister Peter Bürgel (CSU) ganz sicher so nicht unterschreiben: "Die Querung funktioniert", sagt er, der Bus blockiere die Fahrbahn und ermögliche so den Kindern schon einmal einen sicheren Weg bis zur Insel. Tatsächlich ist am Mittwochmorgen kurz vor Unterrichtsbeginn die Gefahr für die Schüler auf der Theodor-Heuss-Straße eher gering, stehen die Autos doch entlang des Gebäude die meiste Zeit in beiden Richtungen. Grund für die Staus sind Autofahrer, die entweder in die Nikolaus-Deichl-Straße oder in die Tiefgarage unter dem Schulgebäude einbiegen wollen. Dabei müssen nicht nur Linksabbieger den Gegenverkehr abwarten, sondern alle Fahrer auf Fußgänger und Radfahrer auf dem Weg an der westlichen Seite der Theodor-Heuss-Straße achten.

Gerhard Weber, Pressesprecher des Landratsamts, ist am Mittwochvormittag sogar positiv überrascht. "Wir haben eher mit mehr Anrufen gerechnet", antwortet er auf die Frage, ob es eine Flut Beschwerden zum Schulbeginn am neuen Realschulstandort gegeben habe. Die Überraschung ist verständlich, sind doch im Vorfeld zahllose Anrufe besorgter Eltern im Landratsamt eingegangen. Weber ist ohnehin zuversichtlich, dass bald auch nicht mehr so viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen werden. Jetzt am Anfang so glaubt er, wollten sich viele erst einmal selbst ein Bild machen.

Ein Grund für Webers Optimismus ist die Tatsache, dass der Neubau der Realschule so nahe am S-Bahnhof liege. "Mann muss dort nicht unbedingt mit dem Auto hinfahren", sagt er mit Blick auf Eltern und Lehrer. Klagen, dass es zu wenige Parkplätze gebe, mag er angesichts der guten Anbindung an den öffentlich Nahverkehr schon gar nicht hören: "Wir können nicht über Klimaschutz reden und dann auf der grünen Wiese einen Parkplatz bauen." Und deshalb fragt er weiter: "Muss jeder Lehrer mit dem Auto fahren?" In München gebe es noch weniger Parkplätze. "Und schlechter als dort ist die Situation hier nicht - vorsichtig formuliert."

Im übrigen betont der Sprecher des Landratsamts, habe das Verkehrsproblem nichts mit dem neuen Standort zu tun, sondern mit der Größe der Schule: Um acht und um 13 Uhr herrsche beispielsweise auch am Josef-Effner-Gymnasium ziemliches Chaos. "Das ist die Hauptbelastung, die kann man nicht wegzaubern."