Chef für das Umweltreferat Das diffizile Öko-Casting der CSU

Hans Theiss war einer der Kandidaten.

(Foto: Florian Peljak)
  • Seit einer Woche ist der Chefposten für das Umweltreferat verwaist - die CSU muss geeignete Kandidaten vorschlagen.
  • Der eigentliche Wunschkandidat, Markus Hollemann von der ÖDP, musste wegen seiner Nähe zu Abtreibungsgegnern zurücktreten.
  • Vier Personen hat die CSU nun auf ihre Favoriten-Liste geschrieben. Sie werden sich in zehn Tagen dem Stadtrat vorstellen.
Von Andreas Glas und Kassian Stroh

Der erste Schuss wurde ein Rohrkrepierer, der zweite muss sitzen. Und so hat die Münchner CSU in den vergangenen Wochen intensiv nach einem neuen Chef, einer neuen Chefin für das Umweltreferat gefahndet. Der Posten ist seit einer Woche verwaist, seit Joachim Lorenz (Grüne) in Ruhestand gegangen ist. Keine Besetzung nach Parteibuch, sondern nach Kompetenz - das hatte die CSU im Kommunalwahlkampf vor einem Jahr als Richtschnur für die Besetzung städtischer Posten vorgegeben. Und das macht die Sache nun so kompliziert.

Aber offenbar nicht unlösbar: Vier Personen hat die CSU auf ihre Favoriten-Liste geschrieben. Sie werden sich in zehn Tagen dem Stadtrat vorstellen. Denn er wählt die Chefs der städtischen Referate. Das ist für den 1. Juli geplant. Auch die anderen Fraktionen dürfen aus den insgesamt knapp 30 Bewerbern ihre Kandidaten fürs Vorsprechen nominieren. Doch entscheidend wird sein, was die Christsozialen sagen: Sie haben sich bei den schwarz-roten Koalitionsverhandlungen das Vorschlagsrecht für das Umwelt- und Gesundheitsreferat gesichert.

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Noch ist nichts entschieden, auch die CSU-Fraktion hat die Kandidatenfrage noch nicht diskutiert. Als favorisiert gilt derzeit die Ministerialbeamtin Stephanie Jacobs, Beamtin im Umweltministerium, wie aus der Fraktion zu hören ist, das sei aber noch nicht in Stein gemeißelt. Ihr Vorteil: Sie kommt aus dem Umwelt- und Gesundheitsministerium, arbeitete auch als Fachreferentin für die CSU-Landtagsfraktion, bevor sie nach einer Elternzeit-Pause wieder zurück ins Ministerium wechselte. Fachkenntnis kann man ihr also unterstellen, freundlich sei sie und gut auftreten könne sie, berichten Menschen, die sie kennen, außerdem, sagt ein CSU-Stadtrat, sei sie "recht präsentabel", sprich: hübsch anzuschauen.

Ihr größter Vorteil: Sie ist kein Parteimitglied, gleichwohl berechenbar für die CSU. Denn für die Partei ist nichts wichtiger nach dem Debakel in der ersten Auswahlrunde im Januar. Da war die CSU, vor allem Bürgermeister Josef Schmid, so berauscht von der Idee, eine überraschende, der Parteienlogik völlig querliegende Person zu nominieren, dass man ganz vergaß, sie genauer anzuschauen.

Also präsentierte man Markus Hollemann von der ÖDP, der dann aber noch vor der Wahl zum Rückzug gezwungen wurde, als bekannt wurde, dass er einen Verein radikaler Abtreibungsgegner unterstützte. Lieber auf Nummer sicher gehen statt die ausgefallene Lösung finden - das ist nun in der zweiten Runde die Devise. Und parteiunabhängig heiße ja nicht, dass CSU-Nähe ein Ausschlusskriterium sei, sagt ein führender Rathaus-CSUler.

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Auch in den eigenen Reihen fahndete die CSU: Nicht zuletzt den Stadtrat Hans Theiss hatten die Oberen im Blick. Der ist erst 37, Internist und Kardiologe am Klinikum Großhadern, einen "Master of Health Business Administration" hat er auch; in der CSU-Fraktion ist er derzeit gesundheitspolitischer Sprecher. Damit hätte man das Themenfeld Gesundheit im Referat wieder stärker betonen können, nach dem ausgewiesenen Umweltpolitiker Lorenz, heißt es in der CSU. Man habe Theiss gefragt, er habe aber abgelehnt. Er sei als Arzt "beruflich zu erfolgreich", um ins Referentenamt zu wechseln. So einfach wurde der CSU-Spitze die Fahndung dann auch wieder nicht gemacht.