BR beendet Medienpartnerschaft Sendepause für Olympia

Der neue Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, beendet die Medienpartnerschaft mit der Olympia-Bewerbungsgesellschaft - und reagiert damit auf Kritik an gebührenfinanzierter Werbung für Olympia 2018.

Von Katja Riedel

Auf ihrer Internetseite dankt die Olympia-Bewerbungsgesellschaft ihren Sponsoren für die Unterstützung, darunter leuchten bunte Logos auf, auch von Medienunternehmen, bei denen die Bewerber kostenlose Werbekontingente abrufen können. Jetzt ist es ein Logo weniger: Der neue Intendant des BR, Ulrich Wilhelm, hat vor einigen Tagen die Medienpartnerschaft mit der Bewerbungsgesellschaft München 2018 beendet. Dies wurde auf Nachfrage eines Teilnehmers in Wilhelms erster Rundfunkratsitzung am Donnerstag bekannt. Ein Sprecher des Bayerischen Rundfunks bestätigte dies der Süddeutschen Zeitung.

Die Bayerische Staatskanzlei hatte Anfang März in einer Antwort auf eine Anfrage des Grünen Landtagsabgeordneten Ludwig Hartmann geschrieben, dass auch öffentlich-rechtliche und damit gebührenfinanzierte Sender der Bewerbungsgesellschaft kostenlose Werbezeiten zur Verfügung stellen, darunter die Hörfunkprogramme Bayern 1 und Bayern 3. Auch das ZDF gehört dazu. NOlympia-Sprecher Hartmann hatte daraufhin in einem Brief an Intendant Wilhelm vom 14. März Bedenken gegen gebührenfinanzierte Olympiawerbung deutlich gemacht. Auf der Tagesordnung der Rundfunkratssitzung war dennoch kein Punkt zur München 2018-Werbung eingeplant.

Der BR-Sprecher sagte am Freitag auf Anfrage, dass Wilhelm die Spots, die von Mitte Januar an, zuletzt am 21. März, im BR-Hörfunk gelaufen seien und zunächst bis Ende März geplant waren, sofort gestoppt habe. Den Vertrag hatte Wilhelms Vorgänger Thomas Gruber im Herbst geschlossen. Insgesamt geht es um 17 Sendeminuten. Im Februar hatten die Intendanten der ARD beschlossen, dass innerhalb der ARD keinerlei Medienpartnerschaften geschlossen werden sollten. Mit Bezug auf diesen Entschluss habe Wilhelm "vor einigen Tagen" entschieden, sofort aus der Medienpartnerschaft auszusteigen, so der Sprecher. Dies sei jedoch keine Kritik Wilhelms an der Entscheidung seines Vorgängers Gruber, betonte der Sprecher.

Von Teilnehmern der Rundfunkratssitzung war dennoch zu erfahren, dass dies nicht alle Mitglieder des Rundfunkrates so sahen - was zu einer der lebhaftesten Diskussionen der vergangenen Jahre geführt habe. Offenbar ging es darum, ob gebührenfinanzierte Sender die Olympiabewerbung als "nationale Aufgabe" offensiv unterstützen dürfen. So hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Projekt München 2018 offiziell bezeichnet. Auf das finanzielle Budget der Bewerbungsgesellschaft hat der Abschied des BR jedoch keine Auswirkungen.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Bewerbungsgesellschaft noch Sponsorengelder in Höhe von 6,8 Millionen Euro fehlen, um die Bewerbung - wie angekündigt - komplett aus Sponsorenmitteln bestreiten zu können. Abzüglich eines Darlehens der Gesellschafter in Höhe von 2,7 Millionen Euro fehlen der Bewerbungsgesellschaft derzeit 4,1 Millionen Euro für den Endspurt bis zur Entscheidung am 6. Juli.

Dies geht auch aus einer Sitzungsvorlage für den Wirtschaftsausschuss des Münchner Stadtrates hervor. Dort heißt es, dass das Ziel weiterhin bleibe, die Bewerbung komplett aus Sponsorengeldern zu stemmen. Aufsichtsratsvorsitzender Vesper hatte der SZ kürzlich gesagt, das Zeitfenster, um noch neue Unterstützer zu finden, schließe sich. Aus der Vorlage geht hervor, dass die Stadtwerke und die BayWa ihre Sponsorenbudgets erhöht haben - um wie viel, ist nicht bekannt. Zu den Sponsoren gehören zahlreiche halbstaatliche Unternehmen.