Eine weibliche Brust auf der Schulter - und keiner schaut hin: In der Blumenbar ist es schwierig aufzufallen. Und das liegt nicht ausschließlich daran, dass es in dem Club recht dunkel ist.
Es ist 3 Uhr. Mirko Hecktor verliert kurzzeitig das Interesse an seinen Plattentellern und dreht sich zu einem der Plakate an der Wand. Darauf: eine nackte Frau, ästhetisch fotografiert in Schwarz-Weiß. Der DJ zerreißt das Poster in Streifen und wirft die Fetzen über sich in die Höhe. Eine Brust bleibt an der Schulter hängen. Willkommen in der Blumenbar. Einem Club, in dem die Besucher auffallen wollen - dies jedoch nicht immer gelingt. Denn während Mirko Hecktor mit der nackten Frau hantiert, sind die anderen Gäste viel zu sehr mit sich beschäftigt. Eine Gruppe lehnt an der Bar, ins Gespräch oder in den Gin Tonic vor sich vertieft. Die anderen tanzen oder knutschen.
Wenig Licht: Die Blumenbar am Sendlinger Tor. (© Lisa Sonnabend)
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Die Blumenbar ist vor einem halben Jahr in die Räume der ehemaligen Flashbox in der Thalkirchner Straße am Sendlinger Tor gezogen. Der Club hat sich verändert: Die Wände sind nicht mehr weiß-steril wie in einer Arztpraxis, sondern gräulich wie in einem Hinterhof. Die bunt-blinkende Lichterwand ist verschwunden. Nun ist es so dunkel, dass die Besucher nur schwer erkennen, wer neben ihnen zappelt. Die Musik ist meist gut - ein Mix aus Elektro und Indie.
Dazu tanzen jede Menge Vollbärte, Nerd-Brillen und um den Hals drapierte Schals. Die betonte Individualität der Besucher wird in der Blumenbar jedoch schnell zum Mainstream, die Accessoires der Alternativ-Intellektuellen gehören zur Standardausrüstung. Auffallen wird schwierig.
Schon um 1 Uhr ist die Schlange vor der Blumenbar so lang, dass bei nicht wenigen die Hoffnung aufkeimt, es könnte Freibier geben. Menschen um die 30 drängeln sich ungestüm. Drinnen muss man sowohl in dem kleinen Raum mit Bar im Erdgeschoss, als auch unten im Clubraum aufpassen, dass einem keiner auf die Füße steigt. Erst gegen 3 Uhr wird es leerer.
Der Clubs ist nach dem gleichnamigen Buchverlag benannt. Kurz nachdem der Blumenbar Verlag Ende 2009 nach Berlin gezogen war, meldete er sich wieder in München zurück - in ungewöhnlichem Rahmen: als Bar. Im ehemaligen Overath im Glockenbachviertel sollten künftig in der Kneipe Lesungen stattfinden und DJs auflegen. Doch schon kurz darauf musste der Verlag dort wieder die Segel streichen, Anwohnerbeschwerden. Im September zog die Blumenbar schließlich ans Sendlinger Tor. Hier geht das Konzept auf.
Von Dienstag bis Samstag gibt es ein abwechslungsreiches Programm. Es legen bekannte DJs auf - und ab und an ist auch der Geist des Blumenbar Verlags bei der Programmgestaltung deutlich zu erkennen. Einmal im Monat heißt es beispielsweise: "Nachts wenn der Autor kommt". Ein zeitgenössischer Literat verbringt eine Nacht in dem Club und verarbeitet seine Erlebnisse in einer Kurzgeschichte oder einem Essay.
Draußen wird es hell, Mirko Hecktor ist die Brust wieder von der Schulter gerutscht. Egal, die Besucher tanzen weiter.
Blumenbar, Thalkirchner Straße 10 (am Sendlinger Tor), 80337 München
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(sueddeutsche.de/sonn)
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Da es in der Blumenbar immer recht dunkel ist habe ich dafür das perfekte Party-Kleidungsstück gefunden. Nämlich einen Hut der im Dunkeln leuchtet. Der ist echt wahnsinn. Damit fällt man garantiert auf und man wird ständig angesprochen. Meinen Hut geb ich nicht mehr weg. Zu erwerben ist der Hut unter www.aalseria.de . Also kann ich wirklich nur empfehlen. Vielleicht ist das was für euch.
der ist in münchen mittlerweile deutchlandweit bekannt. zumindest wenn man süddeutsche liest
Frau Sonnabend, im Vergleich zu Ihrem sehr trivialen Beitrag zur Goldenen Bar ist das ja eine wahrliche Explosion an Fakten und sachgemäßen Eindrücken Ihrer "Vorgestellt"-Schreibe...
Egal ob es an den inzwischen als Vorzeige-Liebling der SZ-Lokalredaktion stilisierten Mirko Hecktor liegt, oder an der Tagesform der Redakteurin: Diesen Artikel kann man zumidest wieder lesen und den Eindruck gewinnen, dass Sie sich außer auf den Damen- & Herren-WC´s auch mal im Gastraum aufgehalten haben.