Berg am Laim Engagement statt Isolation

Große Hoffnungen setzt Theo Kempf in seine Initiative, die im Stadtteil Berg am Laim Fuß fassen und vielfältiges Engagement ermöglichen will.

(Foto: David-Pierce Brill)

Theo Kempf und seine Mitstreiter hoffen mit ihrer Initiative "Schwul leben in Berg am Laim" im eigenen Stadtviertel Kontakte zu knüpfen und sich ins gesellschaftliche Leben einbringen zu können

Von Christian Schraml, Berg am Laim

"Kleine soziale Netzwerke" für Schwule in unmittelbarer Nachbarschaft: Das wünscht sich Theo Kempf, Initiator der neuen Gruppe "Schwul leben in Berg am Laim", die sich das erste Mal am Freitag, 7. Oktober, trifft. Er selbst bezeichnet das Angebot "als etwas Neues in der Schwulen-Szene", da er in seinem eigenen Stadtteil im Münchner Osten Kontakte knüpfen, sich dort aber auch politisch, sozial und gesellschaftlich engagieren möchte - beispielsweise im Alten- und Service-Zentrum (ASZ), bei Nachbarschaftstreffen in Berg am Laim oder im zuständigen Bezirksausschuss Berg am Laim. Kempfs langfristiges Ziel: "So sollen Schwule in Berg am Laim sichtbar werden und zeigen, dass sie dazugehören."

Die Gruppe möchte er demokratisch gestalten: Jeder kann sich je nach Interessen engagieren und in das Stadtteilleben im Münchner Osten einbringen. Die neue Initiative für Homosexuelle soll daher vor allem eine Anlaufstelle sein, in der über die gesammelten Erfahrungen im Stadtviertel berichtet, diskutiert und auch von Problemen erzählt wird.

Denn: Das Bewusstsein für die Diskriminierung der "Queer-Community" beschränkt sich laut Kempf zu oft auf das Ausland, beispielsweise Osteuropa, doch gebe es viele Probleme auch vor der eigenen Haustür: "Oft müssen sich Schwule auch hier bei uns vor ihren Familien und vor ihrem Umfeld verstecken." Mit der Initiative "Schwul leben in Berg am Laim" möchte er diesem Zustand Abhilfe schaffen - durch die Vernetzung untereinander sowie mit den anderen Bewohnern des Stadtteils. Denn Kempf sieht sich in erster Linie als Bürger von Berg am Laim, als Teil der dortigen Gemeinschaft.

Theo Kempf, 68 Jahre alt, ist 1999 nach München gezogen, vor einem Jahr dann in den Osten der Stadt nach Berg am Laim. Dort kam ihm auch die Idee zur Gründung der Gruppe: "Ich werde älter und bin neu in einem Viertel, deswegen möchte ich mir ein Netzwerk aufbauen." Von Anfang an unterstützte ihn das Selbsthilfezentrum München (SHZ) dabei, seine Vorstellungen umzusetzen.

Den Initiator des Treffs würde es besonders freuen, wenn sich das noch sehr junge dezentrale Modell aus Berg am Laim weiter verbreiten würde. Er erklärt: "Wir sind selbst neugierig, wie sich die Gruppe entwickelt, welche Ideen die Leute einbringen." Bisher sei die Gruppe noch relativ klein, allerdings werde sie wachsen, sobald die Leute nach dem ersten Treffen von ihren Erfahrungen weitererzählten. Das zumindest hofft Theo Kempf.

Bei den Abendveranstaltungen sind alle Generationen willkommen, es sollen möglichst Kontakte entstehen, die vielleicht bis ins hohe Alter halten. Damit Homosexuelle auch dann noch möglichst selbstbestimmt leben können, braucht es auch jene Netzwerke in der Umgebung, die der Treff aufbauen möchte. Die Aussage der Initiative ist klar: "Dort wo ich lebe, soll ich mich auch wohl und sicher fühlen!"

Die neue Gruppe "Schwul leben in Berg am Laim" trifft sich von Freitag, 7. Oktober, an jeden ersten Freitag im Monat zwischen 19 und 21 Uhr im Stadtteilladen "Baum 20" an der Baumkirchner Straße 20.