Bau der "Glockenbachsuiten" Lohndumping für den Luxus

Bauarbeiter aus Bosnien demonstrieren vor der Baustelle an der Reichenbachbrücke gegen Lohndumping.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • An der Baustelle für die "Glockenbachsuiten" protestieren Arbeiter aus Bosnien mit Unterstützung des DGB.
  • Von einer Grünwalder Baufirma fordern die Beschäftigten eines slowenischen Subunternehmens ausstehende Löhne ein.
  • Seit Mitte Februar haben die Männer angeblich kein Geld mehr erhalten.
Von Thomas Anlauf

Knapp 30 Arbeiter aus Bosnien, die auf Münchner Baustellen beschäftigt sind, wehren sich gegen Lohndumping und dagegen, dass ihre Gehälter nicht bezahlt worden seien. Mittlerweile verweigern einige von ihnen die Arbeit, manche haben die Beratungsstelle "Faire Mobilität" des Deutschen Gewerkschaftsbunds DGB um Hilfe gebeten. Am Donnerstag demonstrierten die Arbeiter vor der Baustelle an der Fraunhoferstraße, wo sie selbst gearbeitet haben. Dort entstehen gerade die umstrittenen "Glockenbachsuiten" mit 25 Eigentumswohnungen.

"Der DGB wird die Bauarbeiter im Kampf um ihre Rechte unterstützen", sagte der Landesvorsitzende Matthias Jena, der ebenfalls zur Kundgebung der Arbeiter gekommen war. "Nur wenn die Lohndumping-Firmen mit ihren illegalen Praktiken ernsthaft fürchten müssen, entdeckt zu werden, kann sich eine abschreckende Wirkung entfalten", so Jena.

Nach Angaben von DGB-Sprecher Timo Günther sind die betroffenen bosnischen Bauarbeiter bei der Firma Pejgrad & Partnjeri DOO mit Sitz im slowenischen Ljubljana angestellt. Diese Firma, die laut DGB am 1.Mai Insolvenz angemeldet hat, war wiederum Subunternehmerin des Grünwalder Unternehmens LogicBau GmbH. LogicBau übernimmt auch Aufträge anderer Firmen, darunter Leitner Bauunternehmung aus Wolfratshausen, die unter anderem für die Baywobau auf dem Rodenstockgelände an der Auenstraße eine Wohnanlage mit 240 Apartments errichtet.

Wie viel die Bauarbeiter verdienten

Nach Angaben der Arbeiter wurden mit ihnen Nettostundenlöhne zwischen acht und zehn Euro vereinbart. "Das ist rechtswidrig, weil im Bauhauptgewerbe seit dem 1. Januar 2015 für Fachwerker ein Branchenmindestlohn von 14,20 Euro pro Stunde gilt", so DGB-Sprecher Günther. Auch wenn die Arbeiter über den slowenischen Arbeitgeber bezahlt werden, gelte der Branchenmindestlohn für ausländische Beschäftigte in Deutschland.

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Wegen der sogenannten Nachunternehmerhaftung stehen nun die weiteren Auftraggeber für die ausstehenden Löhne in der Pflicht. Nadia Kluge von der Beratungsstelle "Faire Mobilität" ist mittlerweile in den Fall eingeschaltet und hat die Verantwortlichen bei LogicBau kontaktiert, um zu erreichen, dass nun das Grünwalder Unternehmen die ausstehenden Löhne zahlt. "Ich verhandle schon drei Tage lang mit ihnen", sagt die Juristin beim DGB.

Der Bauleiter der Firma sagte am Donnerstag der Süddeutschen Zeitung, dass "fehlende Beträge natürlich beglichen werden", schließlich hafte sein Unternehmen nach dem Gesetz "in gewisser Weise". Der Bauleiter, der nicht namentlich genannt werden will, habe sämtliche Kontoauszüge über die Zahlungen vorliegen. So wie es einige der Arbeiter darstellten, stimme es jedoch nicht.

Was die Arbeiter fordern

Sie sagen, seit Mitte Februar kein Geld mehr erhalten und mehr als 8000 unbezahlte Stunden auf unterschiedlichen Baustellen angesammelt zu haben. Die Arbeiter fordern nun nachträgliche Lohnzahlungen in Höhe von 60 000 Euro. "350 Arbeitsstunden haben die mir hier nicht gezahlt", sagte am Donnerstag einer der Arbeiter und deutete auf die Baustelle der Glockenbachsuiten. Vor 20 Tagen haben sie aus Protest die Arbeit an der Fraunhoferstraße eingestellt.

Der Bauleiter will nun mit DGB-Juristin Kluge diskutieren, wie sein Unternehmen in Zukunft mit so einem Fall umgehen soll. Denn die Grünwalder Firma sieht sich selbst "als Opfer". Das Problem liege in Slowenien. Durch die Bankenkrise seien große slowenische Bauunternehmen eingegangen, dafür hätten sich in jüngster Zeit mehr als 3000 Minifirmen gegründet. "Jeder Laie in Slowenien macht eine Firma auf", sagt er. Weil viele der Kleinunternehmer nur wenig Ahnung von Organisation hätten, würden sie mit der Auftragssumme nicht auskommen. Die Folge: Die Arbeiter in Deutschland werden nicht mehr bezahlt. Und in Slowenien gebe es keine Haftung, klagt der Grünwalder Bauleiter.

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Die Arbeiter werden an diesem Freitag wieder in ihre Heimat zurückkehren, um dann bei einer anderen Firma anzuheuern. In der Tasche haben sie das Versprechen von DGB-Juristin Kluge, dass sie zumindest einen Teil ihrer Gehälter wieder bekommen. Ob der künftige Arbeitgeber in Deutschland zahlen wird, ist ungewiss. An diesem Freitag erhält Kluge Besuch von 20 weiteren Arbeitern, die in München um ihren Lohn geprellt worden sind.