Ausstellung über digitale Welten Wohnzimmer der Zukunft

Es geht um moderne Medien, Pornos und die unerfindliche Angst, in der virtuellen Welt etwas zu verpassen: Das Deutsche Museum zeigt in einer Ausstellung, wie neue Technik den Alltag verändert und wie Wohnen in der Zukunft aussehen wird.

Von Martina Scherf

Eine Ausstellung über digitale Welten, die Oma und Enkel gleichermaßen verstehen? In der beide noch etwas lernen können - kann so etwas funktionieren? Die Kuratoren vom Stapferhaus in Lenzburg bei Zürich haben den Spagat geschafft. "@Home" heißt ihr sehenswertes Museumsprojekt, das in der Schweiz großes Echo hervorgerufen hat und nun als digitales Wohnzimmer im Deutschen Museum aufgebaut wurde. Es geht darin nicht - wie sonst im Museum - um die Frage, wie die neue Technik funktioniert, sondern wie wir damit umgehen.

Sechs Personen berichten in Filmbeiträgen, wie moderne Medien ihren Alltag prägen. Da ist Steve, 42 Jahre alt, von Beruf Medienpädagoge. Aber nicht als solcher tritt er hier auf, sondern als Nerd. Von Kind an war er fasziniert von Fantasy-Welten und Computerspielen, erzählt er. Obwohl er von seinem Beruf die Suchtgefahr kennt, ist er immer mehr der Faszination der "World of Warcraft" erlegen.

"Wenn du einige Zeit offline bist, hast du das Gefühl, etwas zu verpassen, dann sind die anderen schon weiter, haben neue Szenen erschaffen, mehr Ansehen und mehr Geld gewonnen, also willst du immer öfter dabei sein. Es gab Tage, da habe ich 14 Stunden gespielt", sagt der Schweizer, während der Besucher in der Dunkelkabine sitzt und auf Großbildschirm selbst in die magischen Bilder der Drachen und Krieger eintaucht.

Ein Mädchen erzählt, warum es nicht mehr ohne Handy leben kann, ein Junge, wie an seiner Schule Laptops im Unterricht eingesetzt werden. Mit einem Teenager kann man bei "Ego-Shooter" in einen Krieg nach US-amerikanischer Manier eintauchen, echt bis zu den Blutspritzern auf der Kameralinse - und sich nebenbei von dem Spieler erklären lassen, warum so etwas Fingerspitzengefühl und Taktikvermögen fördert.

Eine Sofa-Landschaft lädt nach diesen Begegnungen zum Ausruhen ein, man kann dort Familienangehörige, Freunde und Lehrer der Sechs "anrufen". Sie berichten aus unterschiedlichen Perspektiven von ihren Erfahrungen mit dem Medienkonsum ihres Ehemannes, ihrer Tochter, Schülerin.