Live-Ticker-Nachlese: Aufregung in München-Schwabing Polizei weitet Gefahrenzone aus

Nach einem Bombenfund in der Feilitzstraße müssen 2500 Schwabinger ihre Häuser verlassen.

(Foto: Stephan Rumpf)

17:26 Uhr

Auch die Eigentümer des Grundstücks, die Hamburgische Immobilien Handlung, verfolgen das Geschehen in Schwabing. Bevor sie das Grundstück kauften, wurde mittels historischer Luftbilder ein Kampfmittelgutachten erstellt, sagte Unternehmenssprecher Markus Meinecke. "Das Ergebnis war, dass es kein Bombenrisiko gibt, dass ein Bombenfund aber auch nicht auszuschließen ist." Schließlich ist die Baulücke, auf der die Schwabinger 7 angesiedelt war, durch einen Bombentreffer entstanden. Bei der vor Bauarbeiten routinemäßigen Suche nach Blindgängern wurden die Arbeiter dann doch fündig. "Wir haben danach die Projektleitung sofort an den Kampfmittelräumdienst übergeben", berichtet der Sprecher. Die Frage, ob das Unternehmen für die Kosten des Einsatzes oder zumindest einen Teil davon aufkommen müsse, bewertet das Unternehmen gelassen. "Da zittern wir nicht besonders", sagte der Sprecher. "Wir haben aus unserer Sicht alles richtig gemacht, indem wir sofort den entsprechenden Stellen Bescheid gegeben haben." Und wenn dem so wäre, so seine Argumentation, müsste die öffentliche Hand sämtliche Kosten für den Einsatz übernehmen. Schließlich handele es sich um Kriegsfolgen.

17:18 Uhr

Die Stabi wurde doch nicht evakuiert, heißt es nun auf Facebook. Dafür ist die Fachbibliothek für Psychologie, Pädagogik und Soziologie im sogenannten Schweinchenbau geschlossen. Mehr Informationen dazu gibt es auf deren Internetseite.

16:59 Uhr

An der U-Bahnstation Giselastraße ist das Gitter hinuntergelassen, Fahrgäste werden per Durchsage informiert. Zwischen Universität und Scheidplatz beziehungsweise Nordfriedhof fahren keine Züge wegen der Bombenentschärfung.

16:49 Uhr

Vor der Eisdiele Baci zwischen Giselastraße und Münchner Freiheit sitzen noch zahlreiche Gäste auf der Straße und essen ein Eis. Während viele Schwabinger mittlerweile verunsichert sind, herrscht in dem Viertel aber auch eine Art Katastrophen-Tourismus. Immer noch versuchen Bewohner, die Polizisten zu überreden, durchgelassen zu werden. Andere postieren sich an den Absperrseilen und warten was passiert. Zwei Männer ziehen nach einer Weile ab: "Da passiert noch nichts, da müssen wir später wohl noch einmal vorbeischauen."

16:37 Uhr

Christian Ude (links) und Wilhelm Schmidbauer auf der Pressekonferenz.

Christian Ude (links) und Wilhelm Schmidbauer auf der Pressekonferenz.

(Foto: dapd)

Nun meldet sich auch Günther Sobieralski in der Erlöserkirche zu Wort. Der Mann aus Oranienburg, der die Bombe entschärfen soll. "Wir müssen sehr vorsichtig vorgehen, man kann zum Beispiel nicht abschätzen, wie die Bombe auf Temperaturveränderungen reagiert", warnt er. Aus Erfahrung wisse er, dass jede Langzeitbombe irgendwann hochgehe. "In Oranienburg hatte wir schon sechs Selbstdetonierer", erzählt er.

16:35 Uhr

Vor dem Schwabinger Laden Stockhammer räumt eine Mitarbeiterin die ganze Ware ins Innere und sperrt den Laden zu. Auf die Frage, was sie denn jetzt vorhabe, sagt sie: "Ich verbarrikadiere mich im Geschäft".

16:31 Uhr

"Wir können nicht dafür garantieren, dass heute noch gesprengt wird, falls die Entschärfung nicht klappt", sagt nun Techniker Andreas Heil auf der Pressekonferenz. Dauert der Versuch länger als bis 21 Uhr, werde die Sprengung wohl auf den nächsten Tag verschoben.

16:29 Uhr

Plötzlich merkt man, wie sich die Straßen in Schwabing leeren. Alle scheinen aus dem Sperrgebiet zu flüchten: Fußgänger, Radler, Autofahrer. Im Garten der Wirtschaft Egger in der Hohenzollernstraße wollen alle auf einmal ganz schnell zahlen. Dann drängeln sie sich ins Innere des Lokals. Die bisherige Gelassenheit schlägt in Unruhe um.

16:26 Uhr

Feuerwehrfahrzeuge fahren die Straßen in der erweiterten Sperrzone ab. Ein Lautsprecher verbreitet Ansagen an die Bevölkerung: "Achtung, Achtung, hier spricht die Feuerwehr, suchen sie nächstgelegene geschlossene Räume auf. Bleiben Sie in Wohnung, Häusern oder Fahrzeugen. Schließen Sie Fenster und Türen. Warten Sie auf weitere Anweisungen."

16:18 Uhr

Der Zünder der Bombe sei sehr kompliziert aufgebaut, erklärt ein Mitarbeiter der Firma Tauber nun auf der Pressekonferenz. In Bayern habe es derartig komplizierte Fälle bislang nicht gegeben, deshalb habe die Firma Experten aus anderen Bundesländern nach München geholt. Der Zünder in dem Blindgänger habe eine Ausbau-Sperre. Man könne nur einen Teil des Zünders ausbauen, ein Rest bleibt aber in der Bombe stecken und könnte diese dann trotzdem aktivieren. Auf Facebook meldet derweil ein User, dass jetzt auch die Stabi geräumt wird.

16:01 Uhr

Dann meldet sich Andreas Heil von der Räumungsfirma Tauber, die mit Günther Sobieralski zusammenarbeitet, zu Wort: Ab 17 Uhr wolle man beginnen, den Zünder zu reinigen. Dann werde man versuchen, die Bombe aus der Entfernung zu entschärfen. Klappt das nicht, müsse man über eine Sprengung nachdenken. Auch OB Ude ist bei der PK anwesend. Auch seine Wohnung in Schwabing liegt zumindest im erweiterten Sperrgebiet.

15:54 Uhr

Nun hat die Pressekonferenz von Feuerwehr, Polizei und der Stadt München in der Erlöserkirche begonnen. "Wenn wir am späten Nachmittag mit Entschärfung beginnen, wird die Sicherheitszone nochmal ausgeweitet - auf 1000 Meter", erklärt Polizeichef Wilhelm Schmidbauer. Etwa 3000 Menschen sind dann betroffen. Derzeit werde das Seehaus geräumt. Auch ein Stück des Mittleren Rings sei betroffen. Ab 16.30 Uhr soll alles geräumt sein.

15:43 Uhr

Kollege Andreas Schubert hat mal recherchiert, was das überhaupt für eine Bombe ist, die da in Schwabing gefunden wurde. Ergebnis: Im Zweiten Weltkrieg setzten sowohl die Amerikaner als auch die Briten Bomben mit chemischem Langzeitzünder ein. Vereinfacht dargestellt funktionierte diese so: Um die zeitlich verzögerte Explosion zu erreichen, war der Schlagbolzen, mit Kunststoffscheiben aus Zelluloid und sogenannten Haltekugeln gesichert. Der Zünder befand sich am Heck der Bombe, damit er beim Aufprall nicht beschädigt wurde. War die Bombe vom Flugzeug ausgeklinkt, so begann sich durch die anströmende Luft des freien Falls ein Propeller zu drehen, der die sogenannte Auslösespindel in das Zündergehäuse schraubte. Dabei zerstörte sie eine Glasampulle mit dem Lösungsmittel Aceton. Wurde dieses freigesetzt, weichte es das Zelluloid auf. Je nachdem wie hoch das Aceton konzentriert war, wie viele Scheiben eingebaut oder wie dick diese waren, verzögerte sich die Explosion. War das Zelluloid ausreichend weich, drangen die Haltekugeln unter Federdruck in die Kunststoffmasse. So wurde die Schlagbolzenbefestigung frei und die Federung schnellte den Schlagbolzen auf den Detonator. Das macht die Entschärfung so schwierig und gefährlich. Denn die Zünder waren mit einer Ausbausperre versehen, die noch heutigen Sprengmeistern Probleme verursacht. Beim Versuch, den Zünder von der Bombe abzudrehen, lösen sich die Haltekugeln ebenfalls und der Schlagbolzen schnellt auf den Auslöser.

15:38 Uhr

(Foto: Studentenwerk München / oh)

Auch die Belegschaft der Uni-Mensa an der Leopoldstraße musste wegen der Bombe eine Sonderschicht einlegen. Auf Bitten der Feuerwehr stellten sich die Köche des Studentenwerks München nach ihrer Mittagsschicht noch einmal an die Töpfe und kochten spontan 400 Essen für die evakuierten Schwabinger. Zur Auswahl gibt es sogar zwei Menüs: Wiener Schnitzel mit Petersilienkartoffeln und buntem Gemüse sowie Tagliatelle mit Tomaten-Basilikum-Sauce und Parmesan. Dazu gibt es Blattsalate sowie Tomaten-/Bohnensalat. Hungrig sind indes auch die Einsatzkräfte. Eine Polizistin sagte, sie sei seit dem frühen Morgen im Einsatz und habe noch nichts gegessen. Sie und ihre Kollegen hoffen nun auf ein Brotzeitpaket.

15:13 Uhr

Autos, die im Sperrkreis geparkt sind, werden gerade aus der Gefahrenzone getragen und abgeschleppt - auf Kosten der Stadt München, versteht sich. Die Fahrzeuge werden auf dem Metro-Parkplatz abgestellt.

14:51 Uhr

Günther Sobieralski heißt der Mann, der entscheidet, was mit der Bombe passiert. Weil in Norddeutschland Bomben dieser Art im Zweiten Weltkrieg häufiger abgeworfen wurden, hatten die Einsatzkräfte noch Montagnacht entschieden, den Mann aus Oranienburg kommen zu lassen. Der Geschäftsführer eines Kampfmittelräumdienstes gilt bundesweit als führender Experte für den Umgang mit Bomben dieser Art.

14:34 Uhr

Der Verkehr im Umkreis der Station Münchner Freiheit ist derzeit komplett lahmgelegt. Autos werden im Sicherheitsradius von einem Kilometer umgeleitet, Helfer der Feuerwehr schleppen Fahrzeuge in der Nähe der Fundstelle ab. Die Experten des Räummitteldienstes legen derweil die Baustelle in der Feilitzstraße, auf der die Bombe lag, mit Sandsäcken aus, um die Auswirkung einer Explosion zu mildern. Gas, Wasser und Strom wurden in Schwabing abgestellt. Insgesamt sind 230 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rettungsdienst im Einsatz. Wegen der großen Hitze am Dienstag baute die Feuerwehr sogar Zelte für die Helfer auf.

14:20 Uhr

Das ist die Sperrzone, die für die Sprengung eingerichtet wird: ein Radius von einem Kilometer rund um die Münchner Freiheit.

Das ist die Sperrzone, die für die Sprengung eingerichtet wird: ein Radius von einem Kilometer rund um die Münchner Freiheit.

(Foto: Bing)

Die Polizei weitet nun in Schwabing die Absperrung aus - auf einen Radius von 1000 Metern. Allerdings werden die Gebäude in diesem erweiterten Sicherheitskreis nicht evakuiert. Vielmehr fordern Feuerwehr und Polizei die Bewohner auf, in ihren Wohnungen zu bleiben, um bei einer Explosion einer Druckwelle zu entgehen.

Die Unruhe in Schwabing wächst. Die Polizei weitet die Sperrzone auf einen Radius von 1000 Meter aus, der Verkehr wird umgeleitet. Dann fällt endlich die Entscheidung: Um 17 Uhr beginnen die Arbeiten, dann will der Bombenexperte zunächst versuchen, die Bombe zu entschärfen.