Architektur in München Es ist Zeit, eine neue Epoche einzuläuten

Das meinen SZ-Leser zum Thema

"Höher, schöner, grüner" vom 10./11. Februar, "Architekten reagieren empört auf Kritik" vom 13. Februar:

Erfreuliche Nachricht

Endlich einmal eine positive Nachricht: Die Langeweile und Konformität der aktuellen Münchner Architektur soll zukünftig ersetzt werden durch ansprechendes und bewohnerorientiertes Bauen - das ist erfreulich und man darf gespannt sein!

Ulrike Müller, Gräfelfing

Irreversibel verloren

Man weiß gar nicht, bei wem man sich mehr bedanken soll. Bei Heiner Effern für die Veröffentlichung oder bei Herrn Pretzl (Fraktionschef der CSU) für die Politisierung dieses so wichtigen Themas. Sie sprechen sehr vielen Münchnern (besonders den "echten") aus der Seele. Aus Hamburg oder Berlin zurückkommend, fällt mir jedes Mal die triste, ja lieblose Architektur auf und dies bezieht sich nicht nur auf die Gebäude im Einzelnen, sondern auch auf die städteplanerische Qualität (Beispiel Messestadt Riem). Das ganze Stadtgebiet ist inzwischen überzogen von den einheitlichen Fassaden, den einheitlichen Gebäudehöhen und den immer wiederkehrenden Gebäudeanordnungen. Nun sind die Filetstücke der Stadt irreversibel mit architektonischem Einheitsbrei zugebaut, nie wieder aufwertbar, für die nächsten 100 Jahre verloren. Wir können nur hoffen, verehrte Architekten Ochs Schmidbauer, dass Sie Ihren tollen und lebendigen Entwurf am Heimeranplatz realisieren werden, vielleicht mit noch mehr Mut zur Höhe. Wir können nur hoffen, dass die tolle Architektur der Bavaria Towers (Architekten Nieto Sobejano aus Madrid) der Stadtverwaltung Mut macht, eine neue, längst überfällige Architektur-Epoche einzuläuten, die in anderen Städten schon lange begonnen hat.

Christoph Pilzecker, München

Zu viel politischer Einfluss

Auf den ersten Blick klingt das ja bestechend, was CSU-Stadtratsfraktionschef Manuel Pretzl behauptet: Schuld an schlechter Architektur in München sind die Architekten. Ja klar, wer sonst, möchte man fragen, aber dann fällt einem auf, dass das vielleicht gar nicht sein kann. Es sind Politiker, die die Architektenwettbewerbe auf den Weg bringen. Politiker, die mit in Jurys sitzen. Politiker, die das letzte Wort haben, welcher Entwurf gebaut wird.

Pretzl beklagt einerseits die Tristesse in der Messestadt. Die ist tatsächlich an mancher Ecke nicht wegzudiskutieren. Doch was ist sein Alternativvorschlag? Freundliche, grüne Innenhöfe, in denen sich die Nachbarn auf ein Bier treffen und auch mal "die Kinder rauslassen können". Wäre Herr Pretzl jemals weiter als zwei Straßenkreuzungen in die Messestadt vorgedrungen, wäre ihm aufgefallen: Genau diese lebendigen Höfe und die guten Nachbarschaften gibt es dort bereits.

Vielleicht täte es München tatsächlich gut, wenn etablierte Architekten weniger Einfluss auf den Städtebau hätten. Dann darf aber die Lösung keinesfalls sein, dass stattdessen die etablierten Politiker mehr Einfluss bekommen. Hans Häuser, Inzell

Herrschaft einer Clique

Gott (ausgerechnet!) ist mein Zeuge, dass ich kein Fan der Funktionäre der "C"-Parteien bin. Für Manuel Pretzl möchte ich aber unbedingt eine Ausnahme machen. Es hat mir imponiert, wie mutig er in das Wespen- (respektive Architekten-)Nest sticht. Kein Wunder, dass es dort sofort heftig rumort. Bis jetzt dürfte man sich in den unzähligen Büros der hiesigen Stararchitekten keine Gedankten über die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung der Architektur machen. Man konnte ruhig schlafen und die üppigen Honorare kassieren, weil die fantasielosen Bauten genauso viel kosten, wie die ideenreichen.

Jetzt spielt die Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer im Namen der Architekten eine beleidigte Leberwurst, weil jemand die Herrschaft einer Juroren-Clique beenden will. Ist es nicht ein bisschen zu spät? Diese Energie und Leidenschaft hätten sich die Münchner von diesen Herrschaften schon früher erwünscht und erwartet.

Jerzy Jurczyk, München