Zeitungskrise Gruner + Jahr verabschiedet sich von der FTD

Der Aufsichtsrat von Gruner + Jahr hat über das Schicksal der defizitären "Financial Times Deutschland" beraten - die Wirtschaftszeitung wird nicht mehr erscheinen. Einem Medienbericht zufolge soll die letzte Ausgabe am 7. Dezember veröffentlicht werden. Nach Angaben des Konzernsprechers wird aber noch sondiert, ob sich ein Käufer finden könnte.

Von Caspar Busse, Katharina Riehl und Claudia Tieschky

Eine zerknüllte Ausgabe der Financial Times Deutschland (FTD): Die Hamburger Wirtschaftszeitung steht nach eigenen Angaben vor dem Ende. 

(Foto: dapd)

Die entscheidenden Stunden begannen an diesem Mittwoch um die Mittagszeit, als in Hamburg der Aufsichtsrat des Verlagshauses Gruner + Jahr zusammentrat. Unter der Leitung von Thomas Rabe, dem agilen Vorstandsvorsitzenden des Mehrheitseigners Bertelsmann, ging es um die Zukunft von 330 Mitarbeitern der Wirtschaftsmedien: Der Verlagsvorstand war schon mit dem Willen in die Sitzung gegangen, die defizitäre Financial Times Deutschland (FTD) einzustellen - und die Magazine Börse Online und Impulse zu verkaufen. Capital dagegen könnte von Berlin aus weitergeführt werden, hieß es. Bis zuletzt soll es Versuche gegeben haben, das scheinbar Unvermeidliche abzuwenden. Es geht um Abschied oder Bekenntnis, es geht um das publizistische Gewicht der Wirtschaftsmedien im Hansestadt-Verlag Gruner + Jahr. Es geht darum, was man sich noch leisten kann. Oder will.

Am Abend war dann klar: Der Aufsichtsrat hat beschlossen, die Wirtschaftszeitung wird nicht mehr erscheinen, ein Sprecher wollte das nicht kommentieren. Die letzte Ausgabe der FTD soll aber am 7. Dezember erscheinen, berichtete die FAZ am späten Abend. Nach Angaben von Konzernsprecher Claus-Peter Schrack wird auch noch sondiert, ob sich ein Käufer für die FTD finden könnte. Zu welchem Termin die Mitarbeiter bei Gruner + Jahr gekündigt werden, ist noch offen, möglicherweise aber nicht mehr in diesem Jahr. Die Abfindungen könnten Gruner + Jahr bis zu 40 Millionen Euro kosten.

Ein jahrelanges Gezerre geht zu Ende

Wahr ist: Mit einer Einstellung der FTD geht ein jahrelanges Gezerre zu Ende - die Geschichte eines Blattes, das als publizistisches Aushängeschild eines Verlags gegründet wurde, der sein Geld mit Titeln wie Brigitte, Stern, Neon und Schöner Wohnen und vor allem im Unterhaltungssegment verdient. Unterhaltsam war die FTD für die Verlagsspitze nie. Seit die lachsfarbene Zeitung im Februar 2000 erstmals erschien, hat das nicht nur im eigenen Haus oft gelobte Wirtschaftsblatt niemals Gewinn abgeworfen. Es war nicht lange nach seiner Gründung schon unternehmerische Verhandlungsmasse.

Der damalige Verlagschef Gerd Schulte-Hillen führte sie in seinem letzten Jahr als G + J-Lenker ein, er hatte Zweifel an dem ehrgeizigen Projekt nie zugelassen. Auch seine Nachfolger Bernd Kundrun und Bernd Buchholz hielten an dem defizitären Blatt fest. Kundrun entließ dennoch im November 2008 viele Leute, als die Gemeinschaftsredaktion Wirtschaftsmedien gegründet wurde. Nachfolger Buchholz machte der Redaktion 2009 klar, dass es ohne wirtschaftliche Perspektive nicht ewig weitergehen würde. Zum Erfolg hat sie keiner der Herren geführt.

Wenig unternehmerisches Geschick