ZDF-Film "Blutgeld" Verschrieben und verkauft

In "Blutgeld" wird die Geschichte der Brüder Thomas (David Rott), Stefan (Fabian Busch) und Ralf (Max Riemelt) erzählt.

(Foto: Willi Weber)

Der Film "Blutgeld" erzählt von Opfern und Tätern des Blutkonservenskandals in den 80er Jahren. Regisseur René Heisig dokumentiert im ZDF die Geschichte mit drei Betroffenen. Manchmal zu dick aufgetragen - trotzdem nah dran an den Tatsachen.

Von Guido Bohsem

Man hört die 80er Jahre: Drei Brüder fahren im Mercedes auf der Autobahn und im Radio läuft Huey Lewis and the News, I want a new drug. Und weil drug sowohl Droge als auch Medikament heißen kann, beschreibt der fröhliche Hit von 1984 genau das, was die drei wollen: neue Medikamente gegen ihre Krankheit. Die drei Brüder Ralf, Thomas und Stefan (Max Riemelt, David Rott, Fabian Busch) sind Bluter und mit dem Gerinnungsmittel "Faktor VIII" können sie ein halbwegs normales Leben führen - ohne Angst, wegen einer leichten Verletzung in Lebensgefahr zu geraten, weil sie verbluten könnten. Singend fahren sie in eine verheißungsvolle Zukunft.

Doch was ihnen lange Zeit hilft, wendet sich gegen sie. Alle drei infizieren sich mit dem Aids-Virus HIV. Der erste Bruder stirbt an der damals noch als Schwulenpest bezeichneten Immunschwäche-Krankheit. Der zweite, bald ebenfalls tödlich erkrankte Bruder, weigert sich, der Realität ins Auge zu sehen. Der dritte macht sich auf die Suche nach der Ursache seiner Infektion - und kommt dem größten Medizinskandal der Achtzigerjahre auf die Schliche. "I want a new drug / One that won't make me sick", heißt es in dem Song: Ich will ein neues Medikament, eines, das mich nicht krank macht.

Mehr als 2000 Menschen infizierten sich damals, weil sie Blutplasma erhalten hatten, das den Aids-Erreger enthielt, oder eben den daraus gewonnenen Blutgerinnungsfaktor VIII. Sie erhielten verseuchte Arzneien, obwohl Jahre vorher sichere Methoden entwickelt worden waren, mit denen die Blutprodukte von den Viren befreit werden konnten.

Sogar als Behörden, Pharmaindustrie und Ärzte längst um die Gefahr für die Bluter wussten und sichere Arzneimittel vorhanden waren, wurden die alten weiter verschrieben, verkauft und genommen. Die Bluter infizierten sich dabei nicht nur mit HIV, viele erkrankten aus den gleichen Ursachen an der gefährlichen Hepatitis C. Das sind, grob gesprochen, die Erkenntnisse eines Untersuchungsausschusses des Bundestages, der den Skandal 1994 aufarbeitete.

Katastrophe wachsen lassen

Der Fernsehfilm Blutgeld versucht, diesen Skandal auf der persönlichen Ebene der Betroffenen aufzuarbeiten, indem er die Hilflosigkeit der drei Brüder zeigt, ihr Entsetzen, ihr Leiden und die Diskriminierungen, die sie ertragen mussten. Der Tragödie stellt Regisseur René Heisig die kalte und kaltblütige Welt der Pharmakonzerne und ihrer Lobbyisten gegenüber.

Nicht nur das: Heisig zeigt Ärzte, die wider besseres Wissen an schädlichen Methoden festhalten, um ihren Ruf und ihre Einnahmen nicht zu verlieren. Er zeigt schwache, mutlose Beamte, die diese Katastrophe wachsen lassen, statt ihr ein Ende zu setzen.

Das alles gerät zu einem bedrückenden, spannenden zeitgeschichtlichen Dokument. Wem die Darstellung der sinistren Pharmagestalten und der hilflosen Bürokraten ein wenig dick aufgetragen scheint, mag einen Punkt haben. Ein Blick in den ausführlichen Abschlussbericht des Bundestages zum Skandal zeigt jedoch, wie nahe der Film von den Produzenten Mark Horyna und Michael Souvignier (Contergan) den belegten Tatsachen kommt. Auch das Schicksal der Brüder ist keineswegs frei erfunden, sondern basiert auf der Geschichte dreier Brüder aus Süddeutschland.

Nach Abschluss der Untersuchung wurde eine Stiftung für die betroffenen Bluter und ihre Familien ins Leben gerufen. Derzeit erhalten noch 597 Menschen daraus Hilfen, davon 40 nicht-infizierte Angehörige, 150 HIV-Infizierte und 407 an Aids Erkrankte. Die auf gleichem Wege mit Hepatitis C infizierten Bluter haben übrigens bis heute keine Entschädigung erhalten.

Blutgeld, ZDF, 20.15 Uhr