In der hitzigen Debatte um Street View verteidigt sich Google mit einer großen Anzeigenkampagne und viel PR. Experten halten die Strategie für unzureichend.
Ein Schnellschuss? Keineswegs. Die doppelseitige Anzeige, die "5 Fragen zu Google und Street View" beantwortet, gab der Suchmaschinenkonzern bereits Mitte Juli in Auftrag - Wochen bevor er die Einführung der Straßenaufnahmen in Deutschland zum Ende des Jahres ankündigte.
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Google Street View hat dem Internet-Unternehmen in Deutschland bislang viel Ärger eingebracht. PR-Profis verweisen auch auf die Schwächen in der Kommunikationsstrategie. (© ddp)
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Hört man zumindest aus der Hamburger Werbeagentur Kolle Rebbe. Und die muss es wissen. Seit fünf Jahren betreut sie Google, und auch das aktuelle Motiv gestaltete sie.
Mit erheblichem (Media-)Druck betätigt sich ihr prominenter Kunde zurzeit als Aufklärungsdienst in eigener Sache. "Was genau ist Street View?", fragt Googles Doppelseiter etwa, der seit Mitte August in allen meinungsbildenden Printtiteln erscheint, von der Süddeutschen Zeitung über Zeit, FAZ, Welt bis zu Bild und Spiegel. Und: "Inwieweit berührt Street View meine Privatsphäre?"
Der thematische Fokus ist der hierzulande seit Jahren schwelenden und in den vergangenen Wochen immer hitziger werdenden Diskussion über den Zusatz-Service von Google Maps geschuldet. Immer wieder greifen Politiker, Verbände und Datenschützer das Projekt scharf an.
Einladung für Einbrecher?
Populärste Kritikpunkte: Street View könnte Persönlichkeitsrechte verletzen (weil Menschen abgebildet werden) oder Einbrecher einladen (weil es zum Auskundschaften lohnender Objekte einlädt). "Die Debatte zeigt, dass die deutsche Politik noch keine hohe Internet-Kompetenz hat und viele Journalisten offensichtlich eine Rechnung offen haben", meint Kommunikationsexperte Bernhard Fischer-Appelt, Vorstand der FischerAppelt AG, Hamburg. "Außerdem ist sie ein Profilierungsfeld für Datenschützer - obwohl es hier gar nicht um persönliche Datenerhebung geht."
Das deckt sich mit Googles Einschätzung. "Wir beobachten, dass es einige Missverständnisse in der Bevölkerung gibt", lässt der Internet-Riese wissen. Daher die Aufklärungs-Offensive. Man wolle, heißt es, "den Deutschen helfen, die Funktionsweise von Street View zu verstehen, wie es genutzt werden kann und wie wir die Privatsphäre der Menschen schützen".
Neben der Anzeigenkampagne soll dazu ein Bündel an PR-Maßnahmen beitragen: Pre-Briefings in Telefonkonferenzen und Background-Informationen für die Presse, Footage-Material für TV-Sender, etwa zu Sondereinsätzen mit Street-View-Fahrrädern, die beispielsweise im Heidepark Soltau unterwegs sind. Oder auch ein Online-Video, in dem Spielfiguren aus dem Kinderzimmer veranschaulichen, wie sich Aufnahmen aus dem Dienst tilgen lassen.
"Wirklich ernst genommen werden sich Kritiker damit nicht fühlen", moniert Frank Roselieb, Direktor des Instituts für Krisenforschung, Kiel. "Google Street View ist als lustiges Spielzeug dargestellt, und Kritiker werden kurzerhand zu Spielverderbern im Sandkasten erklärt."
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