Werbeverzicht für ARD und ZDF Tschüss, Mainzelmännchen!

Schon 2017 soll es bei den Öffentlich-Rechtlichen keine Werbung mehr geben - jedenfalls wenn es nach der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft geht. Die Sender sind gar nicht abgeneigt - erwarten jedoch eine Kompensierung.

Von Hans Hoff und Claudia Tieschky

Wenn es nach Hannelore Kraft geht, dann verschwinden in sechs Jahren die Mainzelmännchen, und die Protagonisten aus dem Werberahmenprogramm müssen sich frühabends neu orientieren. Sie plädiere dafür, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk von 2017 an ganz ohne Werbung sendet, sagte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin (SPD) an diesem Montag beim Medienforum NRW in Köln. Schon 2015 könne die Werbung bei ARD und ZDF reduziert werden, kündigte sie an. Das sei möglich, weil das neue Gebührenmodell von 2013 an eine schnelle Prüfung vorsieht.

Wenn es nach Hannelore Kraft geht, verschwindet bald die Werbung aus den Öffentlich-Rechtlichen - die Mainzelmännchen müssten sich dann neu orientieren.

(Foto: ZDF)

Hinter dem Plan steht Krafts Medienstaatssekretär MarcJan Eumann. "Ich verfolge dieses Ziel", teilte Eumann mit. Kraft sagte, sie wolle damit das Profil der Anstalten schärfen: Dann sei für die Beitragszahler ganz deutlich, "was sie finanzieren und was sie dafür bekommen".

Sicher ist: Die Werbefreiheit für die Öffentlich-Rechtlichen wird seit Jahren diskutiert und ebenso verlässlich doch nicht umgesetzt. Bislang dürfen ARD/ZDF von 18 bis 20 Uhr werben. Die Wirklichkeit sieht jedoch so aus, dass gerade bei der ARD am frühen Abend derzeit wenig funktioniert. Auch deshalb wurde Thomas Gottschalk, der Ende des Jahres die Moderation von Wetten, dass..? (ZDF) abgibt, ein eher kurioses Angebot unterbreitet. Er könnte bald täglich eine halbe Stunde vor der 20-Uhr-Tagesschau auftreten. Die Rechnung ist offenbar, mit Gottschalk mehr Werbung einzunehmen. Mit dem Mehrerlös würde er honoriert werden.

Bislang scheiterte die Abschaffung von Werbung daran, dass ARD und ZDF ankündigten, Einnahmeverluste durch höhere Rundfunkabgaben ausgleichen zu müssen. Wenn Medienpolitiker nun wieder einmal die Abschaffung von Werbung im Ersten und Zweiten fordern, müssen sie das politisch konsequent begleiten. Dazu zählt, dass gefragt werden sollte, warum der Werbe-Ausfall, der ohnehin nur ein paar Prozent im Jahresbudget von beinahe acht Milliarden für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausmacht, automatisch eine Erhöhung der Rundfunkabgabe nach sich zieht.

Zuletzt kam das Sponsoring-Verbot für ARD/ZDF nach 20 Uhr in den neuen Rundfunkstaatsvertrag. Die komplette Werbefreiheit soll nach einer Protokollnotiz der Länder für die Zeit von 2015 an neuerlich geprüft werden - wenn klar ist, wie viel Geld die Umstellung auf die Haushaltsabgabe bringt. Kraft will Werbung im Hörfunk der ARD-Anstalten weiter zulassen. Die ARD-Vorsitzende Monika Piel, Intendantin des WDR, zeigte sich an diesem Montag in Köln aufgeschlossen. "Ich hänge nicht an der Werbung", sagte sie, aber auch sie erwartet eine Kompensierung.

Zumindest ambivalent findet die Werbewirtschaft die Aussicht, nicht mehr bei ARD und ZDF schalten zu können. Bei ihnen erreiche man teilweise andere Zielgruppen als bei den privaten Kanälen. Das müsse man bei der Debatte berücksichtigen. "Die Dienstleister brauchen auch die Öffentlich-Rechtlichen", sagte ein Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft. Und der OWM, Verband der werbenden Unternehmen in Deutschland, hält einen Werbe-Ausstieg schlicht für falsch: Die Unternehmen verlören den Zugang zu wichtigen Zielgruppen. Es ist außerdem strittig, ob Werbegeld, das nicht mehr bei ARD/ZDF ausgegeben wird, stattdessen die Kassen der Privaten füllt.

RTL-Chefin Anke Schäferkordt begrüßte Krafts Vorstoß, schätzt die Bedeutung der Sache aber wohl genau richtig ein, wenn sie sagt: "Ich glaube es, wenn es passiert ist."