Vatikan-Berichterstatterin Giovanna Chirri Scoop dank Latein

Giovanna Chirri in Rom - die Vatikan-Berichterstatterin bekommt derzeit viele "complimenti".

(Foto: dpa)

Eigentlich war der Termin am Montagmorgen im Vatikan reine Chronistenpflicht für Giovanna Chirri. Doch plötzlich traute die Journalistin ihren Ohren nicht - und erkannte den Scoop ihres Lebens. Wie die Meldung vom Papst-Rücktritt ihren Lauf nahm.

Von Andrea Bachstein, Rom

"Ja", sagt Giovanna Chirri und lacht, "die Welt hat sich über Nacht schon etwas verändert - alle machen mir jetzt Komplimente." Am Morgen nach ihrem größten Scoop sitzt die Vatikan-Berichterstatterin der staatlichen italienischen Nachrichtenagentur Ansa wieder im Pressesaal des Heiligen Stuhls an der Via della Conciliazione. Sie war es, die als Erste die Sensation vom Rücktritt des Papstes in die Welt trug - ein professioneller Triumph im ständigen Wettlauf der Nachrichtenagenturen.

Auch am Montagvormittag war die zierliche Chirri, von Kollegen auch Giovannina genannt, im Pressesaal. Nichts Besonderes war zu erwarten an diesem Tag, reine Chronistenpflicht. Das Konsistorium zum Beschluss von drei Heiligen-Ernennungen im Mai hätte sich voraussichtlich nur in wenigen katholischen Medien niedergeschlagen. So waren außer ihr nur vier Kollegen da, auf dem Bildschirm folgten sie der internen Übertragung des Vatikan-Fernsehens von der Versammlung des Kardinalkollegiums mit Benedikt XVI.

Der saß auf seinem Thronstuhl und ließ sich zum Ende des Treffens noch ein Blatt reichen, von dem er vorlas, was seither die Welt verblüfft. Er tat das bekanntermaßen auf Latein, und Chirri, die es auf dem Gymnasium gelernt hat, war sich erst unsicher, ob sie wirklich richtig verstanden habe. Aber, erzählt sie am Dienstag, eigentlich sei sie doch sicher gewesen, der Papst habe so deutlich gesprochen, und dann antwortete der Dekan des Kardinalskollegiums eindeutig. Da schickte sie die Nachricht los an ihre Zentrale - der Rest ist Geschichte.

Sie spielt das ein bisschen herunter mit dem Latein, "ich spreche es ja nicht", sagt sie, und schließlich sei ein gewisses Vokabular in Latein für Papstreporter so üblich wie englische Wörter in Finanzkreisen. Und dann sei das Latein des Papstes leicht zu verstehen, twitterte sie bereits am Montag (siehe oben). Chirri, die immer stockseriös gekleidet ist, oft in Nadelstreifenkostüme oder -hosenanzüge, nicht einen Hauch von Make-up auflegt und ein ernst wirkendes Brillenmodell trägt, sagt am Dienstag, andere Texte hätten ihr weitaus mehr Arbeit gemacht als diese Meldung, von der auch sie völlig überrascht war.

Seit 1987 arbeitet die Journalistin für Ansa, und seit 1994 ist sie reine "Vaticanista", berichtet also nur über den Heiligen Stuhl und den Papst, eine Menge Erfahrung im hektischen Nachrichtenbetrieb ist das.

Am Dienstag sitzt sie wieder wie hundert andere Kollegen in der Pressekonferenz von Vatikansprecher Federico Lombardi, benimmt sich so unauffällig wie immer, macht gewissenhaft in kleiner Schrift Notizen. Kollegen loben sie auch heute, "Complimenti", sagen sie im Vorbeigehen, "brava Giovannina". Ihr gönnt man diesen Scoop. Ein bisschen Röte steigt ihr da in die Wangen, und ganz schnell beugt sie sich wieder über ihre Notizen.

Medienschau zum Rücktritt von Benedikt XVI. Wertlos, tragisch, inspirierend

Hier die Papst-Ansprache als mp3-Datei zum Nachhören - auf Latein.