US-Wirtschaftsblatt expandiert nach Deutschland Wall Street Journal geht online

"Nur im Netz, nie am Kiosk": Mit diesem Slogan launcht Rupert Murdochs "Wall Street Journal" seinen deutschen Ableger. Damit befeuert der Medien-Mogul den Konkurrenzkampf unter den hiesigen Wirtschaftsmedien.

Nun also auch das Wall Street Journal (WSJ). Nach der Financial Times Deutschland hat das US-Wirtschaftsblatt seinen deutschen Ableger gestartet - allerdings nur online und nicht als klassische Zeitung.

Der deutsche Online-Ableger des Wall Street Journal ist live.

(Foto: Screenshot: wsj.de)

Die Redaktion twitterte zum Start die Leitlinie "Internationale Wirtschaftsnachrichten auf Deutsch. Nur im Netz, nie am Kiosk". Die Leute wollen Nachrichten "mobil und aktuell konsumieren", sagte Chefredakteur Knut Engelmann vor dem Launch der Bild-Zeitung. Eine gedruckte Tageszeitung hinke da immer hinterher, so der ehemalige Nachrichtenchef bei Reuters. Seinen Lesern wolle er "jeden Tag aufs Neue die aktuellsten und exklusivsten Nachrichten und Hintergrundberichte aus aller Welt" liefern.

In Aufbau und Layout - klar strukturiert auf schwarzem Hintergrund - lehnt sich der deutsche Online-Ableger stark ans amerikanische Vorbild. Typisch für die US-Variante Wall Street Journal ist auch die Box "What's News" mit den neuesten Wirtschafts- und Börsennachrichten.

Die Macher des deutschen Wall Street Journals sitzen bei ihren Kollegen des Wirtschaftsdienstes Dow Jones in Frankfurt am Main. Beide gehören zur NewsCorp um Rupert Murdoch. Weltweit lieferten Engelmann zufolge mehr als 2000 Korrespondenten der Redaktion zu.

Das WSJ Deutschland beinhaltet neben kostenfreien Artikeln auch Bezahlinhalte. Damit setzt Medientycoon Murdoch seine Ankündigung um, für seine Online-Angebote zunehmend "Bezahlschranken" einzuführen und für digitalen Journalismus Geld zu verlangen. Neben Deutschland expandiert das Wall Street Journal zudem nach China, Japan, Korea, Indien und Zentral- und Osteuropa.

Mit dem Launch verschärft sich der Konkurrenzkampf unter den tagesaktuellen Wirtschaftsmedien in Deutschland. Im Jahr 2000 startete ein deutscher Ableger der Financial Times, die wiederum auf dem internationalen Parkett mit dem Wall Street Journal um die Gunst der Leser buhlt.

Die Financial Times Deutschland (FTD), die vom Bertelsmann-Ableger Gruner und Jahr herausgegeben wird, griff bis jetzt alleine das Handelsblatt an, das seit 1946 erscheint. Die FTD ist bis heute ein Verlustgeschäft.

Das Branchenmagazin Journalist hatte bereits vor dem Start des WSJ Deutschland dessen Konkurrenten befragt. Der Chefredakteur des Handelsblatts, Gabor Steingart, sagte demnach, er nehme "jeden Wettbewerber ernst". FTD-Chefredakteur Steffen Klussmann erklärte wiederum, er werde mit Interesse beobachten, "wie die deutsche WSJ-Adaption gelingt".