US-Serien als Pornos Das hat ein Nachspiel

Die Simpsons als Porno? Oh doch, das gibt's.

(Foto: dpa)

Von "Seinfeld" über "Friends" bis zu den Simpsons: Die Pornoindustrie hat US-Serien für sich entdeckt und stellt Parodien bekannter Formate ins Netz. In der Regel ist das ganz legal.

Von Bernd Graff

Willkommen in der schmuddeligen Ecke der Film- und Fernsehwelt, in der die Darsteller Amanda Blow, Tommy Pistol und Selma Sins heißen. Produktionen, die mit einer solchen Crew besetzt sind, können nur Pornos sein - und das sind sie auch. Genauer gesagt, handelt es sich bei diesen Pornos um ein relativ neues Subgenre, in dem TV-Serien parodiert werden und gerade dort gut ausgeleuchtet und scharfgestellt sind, wo die Originale schamhaft die Scheinwerfer verdunkeln. Doch weil die Akteure hier mehr bieten müssen als bloß fleischliche Präsenz und rhythmische Laute, wird so etwas wie Humor, pointierte Dialoge und überhaupt Ästhetik zum integralen Bestandteil einer Porno-Produktion.

Das Subgenre der Pornoparodie ist - jedenfalls auf dem US-Markt - inzwischen so erfolgreich, dass fast jede bekannte Fernsehserie als Pornoversion nachgespielt wird, sogar Klassiker. Seinfeld, Friends, The Cosby Show etwa, und sogar die eigentlich ja gezeichneten Comics Simpsons, South Park und Family Guy. Bei Youtube finden sich etliche Trailer von Pornoparodien. Um sie zu finden, gibt man den Originaltitel der Serie ein, dem ein "Not the ..." vorangestellt wird und ein "XXX" folgt. Meist wird man fündig.

Wie das Fernsehen so spielt

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Angefangen hat die schwüle Nachspielwelle zu Beginn der 2010er-Jahre mit einer Verpornoisierung von The Brady Bunch (Drei Mädchen und drei Jungen), einer im Original prüden Heileweltserie um eine Familie mit sechs Kindern, die von Nervenschwachen für Nervenschwache konzipiert wurde und die 1969 in den USA und 1971 im deutschen ZDF Premiere hatte.

Adaption auf allen Ebenen

Abgekupfert und adaptiert wurde für den Porno nun all das, was sich abkupfern und adaptieren lässt: der Trailer, die Titelmusik, die Familien-Grundkonstellation, die anfänglich getragenen Kostüme und das Studiosetting wurden übernommen. Not The Bradys XXX hieß das Machwerk, das von Hustler Video, einem der Marktführer, produziert wurde. Man rechnete dort zunächst mit Urheberrechtsklagen. Was aber passierte: Eine der Schauspielerinnen der Originalserie erklärte just zu der Zeit, als Not The Bradys XXX auftauchte, dass sie in einer Liebesbeziehung mit einer ihrer Brady-Kolleginnen lebe.

Da hüstelte das prüde Amerika kurz - und kaufte die Pornoparodie. Die New York Post rezensierte das Werk, die Darsteller wurden zu Entertainment Tonight eingeladen. Das war 2008. Seitdem sind, als Parodien legal gedeckt von der Pressefreiheit, drei weitere Porno-Sequels zu den Bradys erschienen. Die zweite Staffel der Porno-Cosby Show erschien übrigens mit dem Vorspann: "Wir wurden beim ersten Mal nicht verklagt . . hier ist also die Fortsetzung."

Sind wir nicht alle ein bisschen gelb?

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Vor Kurzem hat sich Aurora Snow auf der Nachrichten-Webseite The Daily Beast zu Wort gemeldet. Sie ist eine der Frauen, die in den Bradys-Parodien mitwirkte, 2013 aber hat sie, den "G-String an den Nagel gehängt". Typischerweise, schreibt sie, "werden Pornodarsteller danach gecastet, was sie machen, also: Junge/Mädchen, Lesbisch oder Doppel". Casting für eine Parodie erfordere mehr: Die Darsteller müssten so agieren, so aussehen, so klingen wie die Seriencharaktere, die sie darstellen. Sie müssen sogar einen zum Charakter passenden Geschlechtsakt erfinden. "Für einen Porno ist das ganz schön viel verlangt. Denn Sexszenen zu filmen, ist schon hart genug, wenn man dabei nicht auch noch reden und auf einen gespielten New England-Akzent achten muss."