Umweltbundesamt warnt vor Journalisten Amtlich unseriös

Das Umweltbundesamt warnt in einer Broschüre zum Klimawandel vor einzelnen, namentlich genannten Journalisten und brandmarkt sie öffentlich als inkompetent. Nun zeigt sich: Auch das Bundesumweltministerium war an dem Heft beteiligt.

Von Johannes Boie

Nach eigenen Angaben kümmert sich das Umweltbundesamt um "die wissenschaftliche Unterstützung der Bundesregierung", den "Vollzug von Umweltgesetzen" und "die Information der Öffentlichkeit zum Umweltschutz". Nicht aufgeführt ist auf der Webseite des Amtes die Warnung der Öffentlichkeit vor Journalisten, die über Umweltthemen schreiben, aber nicht der Linie der Bundesregierung folgen.

Doch auch das scheint die Behörde für ihre Aufgabe zu halten. Denn das Amt, das dem Bundesumweltministerium untergeordnet ist, warnt in einem Heft vor einzelnen, namentlich genannten Journalisten. Vielleicht hält man sogar im Bundesumweltministerium diese Art von Warnungen für die eigene Aufgabe, denn das Ministerium bestätigte, dass zwei Referate des Hauses am Abstimmungsprozess zu dem Heft beteiligt waren. Ziel der 119 Seiten dicken Broschüre mit dem Titel "Und sie erwärmt sich doch" ist es offenbar, die Debatte über den Klimawandel zu beenden.

Man habe gezeigt, dass "die Argumente der ,Klimawandelskeptiker' wissenschaftlich nicht haltbar sind", bescheinigt sich das Amt im Fazit selbst. Und damit niemand die Ruhe nach dem amtlich verordneten Schlussakkord stört, sieht die Behörde offenbar die Zeit gekommen, skeptische Wissenschaftler und Journalisten öffentlich als inkompetent zu brandmarken.

"Amtlich unseriös"

Das klingt so: "Auch hierzulande werden Zweifel verbreitet", ereifern sich die Autoren und nennen neben anderen Journalisten Michael Miersch, Ressortleiter für Forschung und Technik beim Magazin Focus, und Dirk Maxeiner, freier Autor aus Augsburg. Das Duo untersucht regelmäßig und kritisch das Phänomen der globalen Erwärmung, ihre Bücher heißen "Lexikon der Öko-Irrtümer", "Schöner denken - Wie man politisch unkorrekt ist" oder auch "Die Zukunft und ihre Feinde". Man kann von den beiden inhaltlich halten, was man will, aber darf man sie, zumal von staatlicher Seite, öffentlich brandmarken? Über Maxeiner und Miersch steht in der Broschüre, sie seien bekannt für Beiträge, "die nicht mit dem Kenntnisstand der Klimawissenschaft übereinstimmen". Ist es die Aufgabe eines Amtes, die Arbeit von Journalisten zu bewerten - zumal öffentlich? Nein, ist die Antwort, die dem Amt unisono vom Deutschen Journalistenverband, von der Chefredaktion der Welt und quer durchs Netz entgegenschallt.

Die Behörde wehrt sich: Man spreche "keine Denk-, Sprech-, Schreib- oder sonstigen Verbote aus", heißt es dort. "Wir sagen schlicht, dass mitunter Positionen vertreten werden, die nicht mit Ansichten der überwältigenden Mehrheit der Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftler übereinstimmen." Und mindestens einer hält die Aktion der Behörde für gerechtfertigt, der Minister persönlich. Peter Altmaier (CDU) sah in der Welt am Sonntag "keinen Anlass zur Kritik".

Maxeiner und Miersch dagegen sehen ihren guten Ruf geschädigt. Sie werden wohl vor Gericht ziehen, da das Amt eine Unterlassungserklärung verweigert hat und das Heft im Netz weiterhin verbreitet. Er wolle nicht als "amtlich unseriös" gelten, sagt Miersch. Darüber hinaus stört ihn als Wissenschaftsjournalist, wie das Amt in der Debatte um den Klimawandel einen Schlusspunkt setzen will: "Eine Debatte für beendet zu erklären, ist gegen jeden wissenschaftlichen Geist. Wer sagt, der Endstand einer Debatte sei erreicht, betreibt Theologie."