Von Lena Jakat

Streit um die Gesundheit war eingeplant bei ARD-Talkerin Sandra Maischberger. Doch dann führte Markus Söder die Runde mit bayerischem Buddhismus vor.

Es war, als hätte sich Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder nach all den Grabenkämpfen der letzten Zeit Rat in fernöstlicher Philosophie gesucht. Frei nach dem tibetischen Sprichwort "Umarme deinen Feind, dann kann er die Waffe nicht ziehen" zelebrierte er bei Sandra Maischberger jene Brüderlichkeit, zu der sein Parteichef Horst Seehofer schon Anfang März aufgerufen hatte.

In den USA leben schätzungsweise zwölf Millionen Einwanderer ohne Aufenthaltserlaubnis. Bemühungen, ihnen die US-Staatsbürgerschaft zu geben, stoßen im Kongress vor allem bei den Republikanern auf Widerstände. Zwei Initiativen für eine Reform sind 2006 und 2007 gescheitert. Kürzlich haben die Senatoren Chuck Schumer und Lindsey Grazham einen neuen Gesetzentwurf vorgestellt, der Einwanderern die Legalisierung ihres Aufenthalts anbietet. Im Gegenzug sollen sie anerkennen, bei der Einwanderung gegen das Gesetz verstoßen zu haben, eine Strafe und ausstehende Steuern zahlen sowie gemeinnützige Dienste leisten.

CSU-Politiker Söder (li.) ganz friedlich bei TV-Talkerin Maischberger: Umarme deinen Feind, dann kann er die Waffe nicht ziehen. Da konnte Widersacher Lauterbach (SPD) noch so viel näseln. (© Foto:)

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Dabei ging es doch um die verhasste Kopfpauschale der FDP - ein Thema, bei dem Söder schnell hohen Blutdruck bekommt.

Unter der Überschrift "Patient, zur Kasse bitte!" ließ die ARD-Moderatorin alle Facetten der Gesundheitsreformen diskutieren, von Arzthonoraren bis Zusatzbeiträgen. Aus der Politik waren neben dem einstigen CSU-Generalsekretär sein schleswig-holsteinischer Kollege Heiner Garg (FDP) und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geladen. Der Titel der Talkrunde wirkt abgegriffen, steht aber in allerbester filmischer ARD-Tradition: Die Gentlemen bitten zu Kasse hieß ein 1963 ausgestrahlter Posträuber-Dreiteiler.

Den Räuber wollte freilich am Dienstagabend keiner der drei Gesundheitspolitiker geben - schon eher den Robin Hood, den Verteidiger des Solidaritätsprinzips im Gesundheitssystem. Und hier spielte Söder, ein Mann für die große Bühne, die beiden anderen Gesundheitsreformer an die Wand.

"Ich mache es mal ruhiger"

Der bayerische Minister gab sich betont gelassen, wenn sich die anderen ereiferten und gegenseitig ins Wort fielen: "Ich mache es mal ruhiger." Wer sich von ihm nach den verbalen Feuergefechten der vergangenen Wochen einen Stellvertreterkrieg mit dem FDPler Garg erwartete - hatte doch dessen Kieler Fraktionschef Wolfgang Kubicki erst vergangene Woche das Feuer auf die meuternde CSU eröffnet - der wurde enttäuscht.

In den Tagesthemen zuvor hatte der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach noch die Alleingänge seines fränkischen Parteifreundes verteufelt: "Es geht nicht, dass jemand seine egomanischen Dinge auslebt." Eine Stunde später glänzte dann der attackierte Söder in der Rolle des Versöhners. Vielleicht hat er sich an Johannes Rau erinnert.

Seinen schleswig-holsteinischen Kollegen stellte er mit Wortgeklingel ("In der Sache sind wir uns sehr sehr einig") ruhig. Und die Brüderlichkeits-Nummer forcierte Söder dann und wann noch mit einem fast herzlichen Armtätscheln für den Kopfpauschalisten von der FDP. Dabei nahm er in Kauf, zu dick aufzutragen: "Ich bin immer für Gemeinsamkeit", schalmeite Söder und entlockte damit seinem ernst wirkenden Kollegen aus dem Norden sogar ein Schmunzeln.

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