TV-Kritik: "Günther Jauch" Hausfrau im Kopf

Die gestrige Runde bei Günther Jauch im Gasometer in Berlin

(Foto: imago/Müller-Stauffenberg)

Günther Jauch diskutiert mit seinen Gästen über ungleiche Löhne für Frauen und Männer - und die Zuschauer fühlen sich ins Jahr 1975 zurückversetzt. Viele wollen aber nur erfahren, ob der Moderator in Sachen Böhmermann Stellung bezieht.

Von Karin Janker

Es ist der Sonntagabend, nachdem unter anderem die Neue Zürcher Zeitung die ARD aufgefordert hatte, Moderator Günther Jauch vor die Tür zu setzen. Es ist der Abend, an dem vor allem die jüngere Hälfte der Zuschauer um 21.45 Uhr zur ARD gezappt hat, um zu erfahren, ob der Moderator, für den ihre Eltern nach dem Tatort dranbleiben, irgendwie Stellung bezieht in Sachen Varoufakis, #Varoufake, Böhmermann.

Das Thema des allsonntäglichen Wort-Geplusters vor schläfrigem Publikum dieses Mal: "Der ungerechte Lohn - Warum verdienen Frauen weniger?" Aufgehängt am Datum des Equal Pay Days am zurückliegenden Freitag, dem Stichtag, der darauf aufmerksam machen soll, dass Frauen in Deutschland noch immer weniger verdienen als Männer.

Selbst zu diesem Thema hat die Redaktion aber offenbar nur zwei Frauen aufgetrieben, die am Sonntagabend die Muße aufbringen, sich in Berlin ins Studio zu setzen. All die anderen, die sie angefragt hatten, mussten vermutlich gerade stricken, Stullen für den Montagmorgen schmieren oder die Kinder ins Bett bringen. Eben typische Frauenarbeit verrichten.

Die Fronten liegen seltsam klar

Da sitzen dann also die Männer (neben Jauch sind der Wirtschaftsjournalist Roland Tichy, der Unternehmersohn und inzwischen Hotel-Geschäftsführer Marcus Wöhrl und der ehemalige Personalvorstand Thomas Sattelberger zugegen) und die Frauen (Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig und die Journalistin Elisabeth Niejahr) und streiten über Gründe für die Lohnungleichheit und mögliche Auswege aus dem Dilemma. Und man fühlt sich, als schrieben wir das Jahr 1975.

Wobei: Der Einspieler, der am Beispiel der Heinze-Frauen zeigt, wie der Kampf gegen Lohndiskriminierung Ende der 70er Jahre aussah, beweist, dass damals Männer und Frauen gemeinsam auf die Straße gingen für gleiche Bezahlung. Heute hingegen scheinen die Fronten bei dieser wie bei anderen Fragen der Gleichberechtigung wieder seltsam eindeutig zwischen den Geschlechtern zu verlaufen.

Gebracht haben die damaligen Proteste für eine gerechte Entlohnung bis heute jedenfalls wenig und so wirbt Ministerin Schwesig in der Sendung für einen Gesetzesvorstoß, der das ändern soll. Zwar haben auch die erklärten Gegner von Schwesigs Idee eines "Entgeltgleichheitsgesetzes" schon etwas von strukturellen Problemen gehört, die zur Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern führen. Aber Tichy und Wöhrl wurden für die Runde als die ewig Gestrigen gecastet - auch wenn der Journalist Tichy diese Rolle gerne dem Ex-Telekom-Vorstand Sattelberger zuschieben möchte.