"The Voice of Germany" Effekt verpufft

Nena, im Bild in der Wetten, dass...?-Show in Freiburg.

(Foto: dpa)

Die Castingshow "The Voice" verlor zuletzt immer mehr Zuschauer. Wenn am Freitagabend das Finale läuft, ist der Aha-Moment der ersten Staffel längst verflogen. Doch die Macher haben vorgesorgt - mit einem abstrusen Ableger-Format.

Von Carolin Gasteiger

Mit dem Kuscheln war es vorbei. "Irgendwie geht ihr mir auf den Sack!", raunte Jurorin Nena im Halbfinale der Castingshow The Voice of Germany zwei Kandidaten zu. Ausgerechnet Nena, die Gute-Laune-Queen der Sendung, die sich in der ersten Staffel noch durch jede Episode jauchzte und schon mal mit Kandidatin Kim Sanders in der ersten Staffel über den Boden kugelte. Auch unter den Juroren herrschte ein rauherer Ton als in der ersten Staffel im vergangenen Jahr. Das "Wir-haben-uns-alle-lieb"-Prinzip scheint schon wieder ausgedient zu haben.

Das mag nachvollziehbar sein bei einer Sendung, die in der ersten Staffel fulminante Quoten einfuhr und besonders mit dem Prinzip der sogenannten Blind Auditions zeigen sollte, dass es hier wirklich nur um die Stimme der Kandidaten geht. Nicht um Aussehen oder Ausstrahlung. Das Prinzip ging auf, also musste in der zweiten Staffel, die heute Abend endet, noch eins draufgesetzt werden: Schluss mit Kuscheln lautete die Devise, der Ton wurde rauher.

Aber auch wenn die Dauer-Streithähne Rea Garvey und Boss Hoss nun ein wenig schärfer aufeinander losgingen (das gegenseitige Gedisse wurde zum bald langweiligen festen Element jeder Folge), Xavier Naidoo schon mal sprachlos blieb und Nena ihrem Unmut auch mal ungewöhnlich deutlich Luft machte: Die von The Voice wollen immer noch die Guten sein im Casting-Geschäft.

Da können Kandidaten, auch wenn sie vorzeitig die Show verlassen müssen, immer noch eine Platte mit Xavier Naidoo aufnehmen. "Uns beiden (Naidoo und seinem Berater Michael Herberger, Anm. d. Red.) wurde relativ bald klar, dass wir wahnsinnig wären, wenn wir aus dem Talent, das wir hier vorfinden, nichts machen würden", kommentierte der Sänger das Projekt "Sing um dein Leben", das er mit seinen Schützlingen von 2011 aufnahm. Und Jury-Kollegin Nena betonte in der Frankfurter Rundschau: "Coachen funktioniert nur, wenn man sich gegenseitig respektiert."

Das mag immer noch richtig sein. Allerdings geht es mittlerweile auch in anderen Castingshows bedeutend harmonischer zu als noch zu Dieter Bohlens schlimmsten DSDS-Zeiten. Immer öfter hört man aus der dortigen Jury Sätze wie "Ich freue mich darauf, mit euch zu arbeiten". Und die vor kurzem zu Ende gegangene Staffel von X Factor gewann das schrullige Pärchen Mrs. Greenbird mit einem selbst komponierten Song. Dass die Kandidaten talentiert sind und die Jury nur ihr Bestes wolle, diese Annahme ist also nicht mehr exklusiv The Voice vorbehalten. Der Bonus, der der Sendung geblieben ist: die Blind Auditions.

Aber die gibt es eben nur zu Beginn jeder Staffel. Und so sanken die Quoten von mehr als fünf Millionen Zuschauern am Anfang auf weniger als drei Millionen Zuschauer im Halbfinale - so wenige wie nie zuvor. Schon in der ersten Staffel waren die Zuschauer in Richtung Finale weniger geworden.

Das ist augenscheinlich auch den Machern klar. Schade ist nur, wie sie sich für die Zukunft wappnen. Schon im Halbfinale der zweiten Staffel lief während der Ausstrahlung ein Werbetrailer zu einer neuen Sendung: The Voice Kids. Nun sollen also die Kleinen zwischen 8 und 14 Jahren retten, was noch zu retten ist.

Wohlgemerkt Minderjährige. Ob deren Wunsch nach Rampenlicht und Öffentlichkeit nun auch in dieser Sendung, die einst als pädagogisch wertvoller als die anderen eingestuft worden ist, unbedingt unterstützt werden muss, darf stark bezweifelt werden. Aber um der Aufmerksamkeit willen ("Oh, wie süß") dürften sie wohl die nächste Zielgruppe im Casting-Business sein (nach DSDS plant auch Das perfekte Dinner auf Vox schon einen Kinder-Ableger.) In Holland soll das Kinder-Format, ebenfalls aus dem Erfolgshaus John de Mol, bereits "ebenso nachhaltig und erfolgreich wie The Voice" sein, betont ProSiebenSat1. 43 Prozent Marktanteil, heißt es. Ob die Jury-Besetzung dieselbe bleibt, dazu wollte sich eine Sprecherin noch nicht äußern.

Am Ende bestimmt eben leider doch die Quote, wo es lang geht.

"The Voice of Germany", Sat.1, 20.15 Uhr