Tatort "Die schöne Mona ist tot" Eingesperrt im Lebenskäfig

Eva Mattes als Klara Blum und Sebastian Bezzel als Kai Perlmann - in ihrem neuen Fall müssen sie in einem Dorf ermitteln.

(Foto: dpa)

Sehen wir Kampfschweiß? Angsttränen? "Die schöne Mona ist tot" ist ein sehenswerter Tatort vom Bodensee - schon nach wenigen Sequenzen kein Krimi mehr, sondern eine schwebende Philosophie über das Älterwerden.

Von Holger Gertz

Fritz Schönborn steht also da draußen im Regen und spricht von dem großen Moment, als die Sonne aufging, ein paar Jährchen her inzwischen. Schönborn hat damals in einem Pokalspiel für seinen Provinzklub FC Wolfsheim ein Tor gegen den VfB Stuttgart geschossen, "wir haben acht Minuten 1:0 geführt, und das waren die besten acht Minuten meines Lebens".

Danach hat Stuttgart zwar noch 13 Tore nachgelegt, aber der alte Fußballgott Schönborn feiert sich und seinen Treffer seitdem einmal die Woche abends im Vereinsheim, bei Cola-Rum und den bitter gewordenen Liedern, Preisklasse I was made for lovin' you von Kiss. Manchmal ist jemand da, der mit ihm tanzt. Manchmal fordert er sich nur noch selbst auf, zu einer Partie Billard. Wer gegen sich selbst antritt, hat immerhin die Garantie, dass er irgendwie auch als Gewinner vom Tisch geht.

Fritz Schönborn wird gespielt vom wunderbaren Ronald Zehrfeld, gerade richtet ja die ARD die inoffiziellen Ronald-Zehrfeld-Festwochen aus. Vor ein paar Tagen erst war er der Hauptmann Gödicke in dem Drama Mord in Eberswalde. Figur wie ein Schrank, dazu ein Blick wie ein kleiner Junge. Ein Pubertierender in einem welkenden Körper.

Zehrfelds Schönborn hatte gerade wieder was laufen mit der schönen Mona (Silke Bodenbender). Vor zwanzig Jahren waren sie sowas wie die van der Vaarts von Wolfsheim, längst sind sie mit anderen Partnern verheiratet, aber manchmal glimmt und knackt das alte Glutnest. "Da kommt die Jugend nochmal hoch", sagt Schönborn, das klingt nicht betroffen-sentimental, sondern nach Kotzattacke. Vielleicht auch deshalb, weil die schöne Mona inzwischen tot ist.

Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann? Stimmt ja nicht. Dieser sehenswerte Tatort vom Bodensee ist schon nach wenigen Sequenzen kein Krimi mehr, sondern eine schwebende Philosophie über die Härte des Älterwerdens, über die klebrigen Finger der Provinz - und den verzweifelten Versuch, sich ihrem Griff zu entwinden. Autor Wolfgang Stauch und Regisseur Ed Herzog erzählen von Menschen, die in ihren Lebenskäfigen eingesperrt sind, und bei denen man nicht gleich erkennen kann, was da glänzt in ihrem Gesicht. Kampfschweiß? Oder Angsttränen? Es lohnt sich diesmal sehr, genauer hinzusehen.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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