Tatort Berlin "Dinge, die noch zu tun sind" Kurz vor Schluss

Was darf ein Mensch tun, der nicht mehr lang zu leben hat? Diese Frage stellen sich diese Woche die "Tatort"-Kommissare aus Berlin. Denn eine krebskranke Drogenfahnderin tut alles, um ihre Töchter vor dem Bösen zu schützen, bevor sie ihrem eigenen Leiden erliegt. Dabei geht sie über Leichen.

Von Holger Gertz

Ina Weisse als Drogenfahnderin Melissa Mainhard und Johanna Ingelfinger als ihre Tochter Anny im Tatort "Dinge, die noch zu tun sind" von Claudia Garde.

(Foto: dapd)

Dieser Tatort ist der Eröffnungsfilm zur ARD-Themenwoche über den Tod, eine naheliegende Idee: Jeder Krimi umkreist das Thema Tod und den Umgang mit dem Sterben. "Dinge, die noch zu tun sind", ist der angemessen sperrige Titel dieser Episode aus Berlin. Jemand weiß, dass er sterben wird, und er nutzt die Zeit, die ihm bleibt. Er nutzt sie auf seine Weise. Eine ähnliche Geschichte wurde vor ein paar Monaten in der letzten Folge mit Cenk Batu erzählt, Corinna Harfouch war die Frau, die die letzten Wochen Leben dazu nutzte, Morde in Auftrag zu geben. Der Todgeweihte als verzweifelt Handelnder, ein wuchtiges Thema.

Die Drogenfahnderin Melissa Mainhard wird bald sterben, Krebs. Warum sie immer noch zur Arbeit geht, wollen die Kommissare wissen. "Was würden sie machen - warten, bis es vorbei ist?", fragt die Drogenfahnderin. Sie wird gespielt von Ina Weisse, die nicht wütet wie die Harfouch, sondern konzentriert eine Liste abarbeitet. Sie füllt einen Schrank mit Geschenken für ihre Töchter. Sie geht noch mal schwimmen mit ihren Töchtern. Sie fürchtet um das Leben der Töchter, vor allem die ältere der beiden ist eine wankende, großäugige Gestalt, ein potenzielles Drogenopfer. Die todkranke Mutter tut alles dafür, um ihre Tochter zu schützen. Sie rächt und tötet.

Dominic Raacke ist hier der wie immer etwas runtergewohnte Kommissar Ritter, Boris Aljinovic sein Kollege Stark, mit diesem wunderbaren Film-noir-Gesicht. Die beiden arbeiten mit der Drogenfahnderin zusammen, dann ermitteln sie gegen die Drogenfahnderin, und dann kommt sie nicht in den Knast, weil über allem die Überlegung schwebt, was ein Mensch tun darf, der nicht mehr viel tun kann. Und ob ein Mensch lebenslänglich verdient, dessen eigenes Leben nicht mehr lange währt.

Sehr fein gespielt. Kein klamaukiges Ende. Eine Stimme aus dem Off. Noch ein Toter, und viele Fragen.

Darf ein Tatort das? Aber ja.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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