Die Affäre um das britische Skandalblatt "News of the World" weitet sich aus: Neben den Telefonen von Prominenten und Mordopfern sollen auch Hinterbliebene britischer Soldaten abgehört worden sein. Während die Politik über Untersuchungskommissionen streitet, soll in den Ermittlungen ein prominenter Zeuge aussagen.
Der Abhörskandal um die britische Boulevardzeitung New of the World weitet sich aus. Neben zahlreichen Prominenten seien wohl auch die Hinterbliebenen gefallener britischer Soldaten abgehört worden, berichteten britische Medien wie The Telegraph und der Guardian übereinstimmend. Dem Bericht zufolge verfügte der Privatdetektiv, der im Mittelpunkt des Skandals steht, über persönliche Daten der Hinterbliebenen von Soldaten, die im Irak oder in Afghanistan getötet wurden.
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Der Guardian berichtete von der Witwe eines Soldaten, die am Mittwoch von Journalisten darauf hingewiesen worden sei, dass ihr Mobiltelefon und das ihrer Anwältin möglicherweise abgehört worden seien. Scotland Yard ermittelt im Fall dieser jüngsten Vorwürfe.
News of the World erscheint im Verlag News International, der zum Imperium des Medienunternehmers Rupert Murdoch gehört. Bei News International zeigte man sich "absolut entsetzt", sollten sich die Berichte bewahrheiten. Demnach hätte News of the World Nachrichten angezapft, die für die Angehörigen toter Soldaten bestimmt waren.
Der Abhörskandal beschäftigt Großbritannien schon seit Jahren. Das Blatt soll unter anderem die Telefone von Prominenten wie beispielsweise Sienna Miller und Mitgliedern des Königshauses angezapft haben, um so an Storys über ihr Privatleben zu kommen. Wegen der illegalen Aktionen wurden 2007 bereits ein Journalist und ein Privatermittler verurteilt. In den vergangenen Tagen kamen immer mehr neue Details ans Licht.
Cameron kündigt Untersuchung an
Premierminister David Cameron hatte am Mittwoch nach längerem Zögern eine Untersuchung der Affäre gefordert. Allerdings ist sich Cameron mit seinem liberaldemokratischen Koalitionspartner Nick Clegg uneins über die personelle Zusammensetzung einer etwaigen Untersuchungskommission. Oppositionsführer Ed Milliband hatte bereits am Mittwoch den Rücktritt von Rebekah Brooks gefordert, der Geschäftsführerin von News International. Am Donnerstag legte er in der britischen Ausgabe der Huffington Post nach und forderte den Premier auf, politische Konsequenzen zu ziehen.
In den polizeilichen Ermittlungen soll indes auch Hugh Grant in den Zeugenstand gerufen werden. Das teilte der Schauspieler am Mittwoch mit. Grant hat ein Gespräch mit einem Journalisten der umstrittenen Zeitung selbst aufgezeichnet, in dem dieser Details zu den Abhöraktionen seiner Zeitung ausplaudert.
Inzwischen kehren viele große Anzeigenkunden dem skandalumwitterten Blatt den Rücken.
Wie zuletzt bekanntgeworden war, könnten Journalisten von News of the World auch Telefongespräche von Angehörigen der Opfer der Terroranschläge auf die Londoner U-Bahn 2005 abgehört haben. Graham Foulkes, dessen Sohn David bei den Anschlägen ums Leben kam, sagte der BBC, die Vorstellung, dass seine Anrufe mitgehört worden seien, sei "einfach entsetzlich".
Nach Polizeiangaben könnten auch die Handys der Eltern von zwei im Jahr 2002 in Ostengland ermordeten zehnjährigen Mädchen geknackt worden sein. Zuvor war bereits bekanntgeworden, dass im Auftrag der Zeitung 2002 auch das Handy eines verschwundenen und später ermordeten Mädchens gehackt wurde. Journalisten des Blattes hörten die Mailbox der 13-jährigen Milly ab, auf der Eltern und Verwandte immer verzweifeltere Nachrichten hinterließen. Als die Mailbox voll war, sollen die Journalisten sogar einige Nachrichten gelöscht haben, um Platz für neue zu schaffen. Die Eltern und die Polizei hatten dies damals als Zeichen gewertet, dass das verschwundene Mädchen noch am Leben sei.
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(sueddeutsche.de/AFP/leja/jab)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Da werden über Jahre Telefone abgehört, die Erkenntnisse in dem Blatt veröffentlicht – aber die Vorgesetzten inkl. Inhaber Murdoch wussten von nichts?! Absolut unglaubwürdig. Die Chefetage gehört dafür bestraft, spätestens wenn Herr Murdoch dafür ins Gefängnis ginge, wäre es mit dieser illegalen Praxis bei der »Zeitung« vorbei. Gibt es keine Inhaberhaftung?
Dass Anzeigenkunden nun abspringen ist ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung – schade um jeden Baum, der für diese menschenverachtende »Zeitung« in der Papierfabrik landen.
...werden über die nächsten Wochen von SUN & Consorten bestimmt umfassend informiert - aber das muss wohl so. Prostitution entsteht durch Kundschaft.
Aber auch in Großbritannien gibt es ein paar Zeitungen und nicht nur Gazetten. Und zum Glück machen weder die, noch Sie sich deren reißerischen Stil zu eigen, sondern berichten sachlich. Immer wieder schön, in der SZ auch solche Artikel zu lesen.