Nebenbei bemerkt: Eine schwindende Abhängigkeit von Anzeigen muss kein Schaden sein für Print-Medien. Sofern ... siehe oben.
Anzeige
Und nun zu den Online-Medien. Deren Geburtsfehler war, das bedarf keiner weiteren Erörterung, die kostenlose Verbreitung teurer journalistischer Inhalte. Dieser Fehler muss, wann und wo immer es möglich ist, korrigiert werden. Nicht nur im Interesse der bedrängten traditionellen Medien, auch im eigenen. Darauf zu hoffen, dass sich Websites irgendwann durch Werbeeinnahmen selbst dauerhaft finanzieren können, ist pure Illusion.
Der Nutzer muss bezahlen
Aber das braucht mutige Verlage, die den Irrweg korrigieren - und bereit sind, sich mit anderen Verlagen auf gemeinsame Strategien zu verständigen. Was Geld gekostet hat, muss der Nutzer bezahlen - wenn Anzeigen die Finanzierung nicht tragen. Es gibt Ansätze dafür, Ideen und Modelle. Aus ihnen mögen sich die Strategen und Rechner in den Verlagen bedienen. Die Dinge weiter treiben zu lassen und den Journalisten in den Online-Medien zuzumuten, weit unter den Standards der Branche bezahlt und sozial gesichert zu sein, ist jedenfalls unverantwortlich.
Das führt zu einer zweiten Aufgabe, der inhaltlichen Neuausrichtung der Websites traditioneller Medien. Spiegel online hat Maßstäbe gesetzt für den Nachrichtenjournalismus - die Übrigen haben das Modell mehr oder weniger kopiert. Der Urheber ist aber, sofern er seine Vormacht nicht fahrlässig verspielt, mit diesen Modifikationen kaum zu schlagen. Die Konkurrenten sollten daher eigene, speziell auf ihre Stärken, ihr Profil zugeschnittene Angebote entwickeln - wenn es geht: radikal anders - und die bei Einführung nur gegen Gebühr zugänglich machen. Die deutschen Medien-Websites, die meisten jedenfalls, brauchen einen inhaltlichen Neustart.
"Wozu noch Journalismus?" - diese Frage wäre dann beantwortet.
Hans-Ulrich Jörges, 58, ist Mitglied der Chefredaktion des Stern und Chefredakteur für Sonderaufgaben des Verlags Gruner+Jahr.
Sie sind jetzt auf Seite 4 von 4
- Thema
- Wozu noch Journalismus RSS
- Serie: Wozu noch Journalismus? Es geht erstaunlich gut 17.05.2010
- Wozu noch Journalismus? Tiefgreifender Transformationsprozess 14.05.2010
- Serie: Wozu noch Journalismus? (18) Trend zur Brotbackmaschine 08.05.2010
- Serie: Wozu noch Journalismus? (17) Schreckgeweitete Augen 03.05.2010
- Serie: Wozu noch Journalismus? (16) Mut und Harakiri 24.04.2010
- Serie: Wozu noch Journalismus? (15) Selbstbeauftragte Publizisten 17.04.2010
- Serie: Wozu noch Journalismus? (14) Die Zukunft des Journalismus? Journalismus! 10.04.2010
(sueddeutsche.de/berr/cat)
Studie zur Beliebtheit der Deutschen
H-U. Jörges gehört zweifelsfrei zu jenen Journalisten, die oft unter dem ominösen Begriff "investigative Journalisten" angepriesen werden. Und wer ständig auf die Medien, seien sie nun gedruckt oder Online-Medien, zurückgreift, um sich zu informieren, um letzt-endlich diese chaotische Welt ein klein wenig besser verstehen zu könnnen, der kennt unterdessen auch jene Journalisten, die für uns alle unverzichtbar sind. Zu ihnen gehören, um mal bei der "Süddeut-schen" zu bleiben, Namen wie Heribert Prandl oder Hans Leyen-decker - und zu diesen gehört auch Hans-Ulrich Jörges oder Otto Köhler, dessen Beiträge oft in der Jungten Welt erscheinen. Sie sind natürlich nicht die einzigsten, die lesbare Beiträge in ihren Zeitun-gen oder den Internet-Portalen schreiben. Neben diesen gibt es noch zahlreiche andere, die hier nicht alle genannt werden müssen, die aber bei genauer Betrachtung dafür sorgen, daß Zeitungen - auch Online-Zeitungen - noch immer lesbar sind und bleiben, obwohl der Anzeigenmarkt teilweise weggebrochen ist und so manches Blatt Not leidet und sich zu Entlassungen entschließt .
Aber - und darauf reflektiert Jörges in seinem schönen Beitrag eben nicht - wir sollten nicht verkennen, daß Medien im Allgemeinen, aber auch im Besonderen eine wichtige Steuerungsfunktion in der Ge-sellschaft haben: nämlich die herrschenden Machtverhältnisse kritisch zu betrachten und darüber auch durchaus zu berichten - vor allem aber haben sie die Funktion, zur Machtstabilität beizutragen. Tun sie das nicht, und sind sie vor allem nicht bereit, im Mainstream der Meinungsmacher zu schwimmen, gefährden sie ihre Existenz.
Medien werden - und das nicht nur in Deutschland, sondern überall - werden dazu mißbraucht, das Denken und Handeln der Bürger nachhaltig zu manipulieren, es auszurichten auf die von den politi-schen und wirtschaftlichen Interessen vorgebenen Denk- und Hand-lungsmuster.
Finden sich in den Redaktionsstuben mutige, auch unerschrockene Journalisten, eben jene "investigativen" Frauen und Männer an ihren Computern und Schreibgeräten, die auch mal ein öffentliches Pro-blem anpacken und es bis zu seiner Lösung knallhart verfolgen - was natürlich gründliche und meist auch kostspielige Recherche voraus-setzt, wie Jörges richtig anmerkt -, dann findet das den allgemeinen Beifall nicht nur der Betroffenen, sondern auch der großen allge-meinen Mehrheit der Bürger.
Das Problem in unserem Lande ist, daß die zentralen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen