Seinfeld-Show Barack Obama, Comedian vom Dienst

Guck' mal, wer da klopft. Jerry Seinfeld zu Gast bei Obama.

(Foto: Pete Souza)
  • Präsident Obama ist zu Besuch bei Jerry Seinfeld, der sich seit sieben Staffeln ausschließlich mit Comedians trifft.
  • Seinfeld findet, dass auch Obama eine sehr witzige Person ist - und holt ihn mit einer schicken Karre ab.
Von Hakan Tanriverdi, New York

Barack Obama ist eine Witzfigur. Eine Figur, die Witze reißt. Ein Comedian also. Das zumindest findet Jerry Seinfeld, seinerseits einer der bekanntesten Komiker weltweit.

Seit Juli 2012 läuft seine Serie "Comedians in Cars Getting Coffee". Mehr als sechs Staffeln wurden bereits abgedreht. Fast jede Person, die ein US-Publikum zum Lachen gebracht hat (und noch am Leben ist), durfte in der Show auftreten. Zu Beginn stellt Seinfeld, Auto-Fanatiker, einen Edel-Schlitten vor: Mercedes Benz 280 SL, Rolls Royce Silver Cloud II, Lamborghini Countach. Hauptsache das Baujahr liegt drei Jahrzehnte oder mehr zurück.

Mit dem Luxusteil holt Seinfeld anschließend einen Comedian ab, um Kaffee trinken zu gehen. Als er einmal gefragt wurde, worum es in der Sendung denn gehe, sagte er: "Ich dachte, wenn ich der Show einen sehr klaren Namen gebe, werden Leute von mir nicht wissen wollen, was das eigentlich soll." Ein paar Sprüche reißen, hauptsächlich lachen, mehr will die Serie nicht.

Bis heute aufgetreten sind unter anderem: Louis C.K, Larry David, Tina Fey, Jimmy Fallon, Alec Baldwin, Amy Schumer und Bill Burr. Als Seinfeld also im Oktober gefragt wurde, wer denn noch übrig geblieben sei für eine neue Staffel, antwortete er: "Wir schauen gerade nach neuen Möglichkeiten. Es müssen schon Menschen sein, die ich lustig finde."

Barack Obama zum Beispiel. Gleich zu Beginn wird ein kurzes Segment eingespielt. Zu sehen ist der US-Präsident während des "White House Correspondents Dinners", einer jährlichen Journalisten-Veranstaltung. Im Videoschnipsel sagt Obama: "Vor ein paar Wochen sagte Dick Cheney, dass er denkt, ich sei der schlimmste Präsident zu seinen Lebzeiten. Das ist interessant, denn ich glaube, dass Dick Cheney der schlimmste Präsident zu meinen Lebzeiten ist." (Cheney war US-Vizepräsident unter George W. Bush)

Seinfeld klopft ans Fenster

Obama ist der erste US-Präsident, zu dessen Amtszeit Social Media sich als Plattform etabliert hat. Botschaften werden über Facebook, Youtube und Twitter weiter verbreitet. Obama setzt diese Kanäle immer wieder ein, um außerhalb von klassischen Medien wie der New York Times und Washington Post ein Publikum zu finden, das er sonst vermutlich nicht erreichen würde. Hier schafft er es mit Humor und ungewöhnlichen Statements. Er lässt sich vom Podcaster Marc Maron interviewen, mischt sich in Washington unters Volk und stellt das Video anschließend auf Youtube oder posiert mit einem Selfie-Stick. Wenn Republikaner ihm Beifall klatschen, nachdem er sagt, dass er nun keine Kampagnen mehr führen muss, kontert er mit: "Ich habe schließlich beide Male gewonnen" - und dominiert damit das Gespräch. Witz zahlt sich aus.

Auch die Seinfeld-Episode, die am 30. Dezember veröffentlicht wurde, beginnt mit so einem Moment, der viral werden könnte. Zu sehen ist Barack Obama am Präsidenten-Schreibtisch. Im Hintergrund, draußen im Freien stehend, klopft Jerry Seinfeld ans Fenster. Ein wenig Ablenkung für einen vielbeschäftigten Mann. Das Foto wird umgehend auf Reddit gepostet, auf jener Seite also, von der aus das Bild fast schon garantiert ein Millionenpublikum erreichen wird. Nach dem Anklopfen wird Seinfeld ins Gebäude gelassen, wo er sich umgehend auf die Couch fläzt und in einen Apfel beißt.

Vor der Tür wartet eine Corvette Sting Ray, "das coolste Auto aller Zeiten für den coolsten Typen, der jemals im Amt war", sagt Seinfeld. Gleichzeitig ein Kindheitstraum von Obama, der sich selbst hinter das Steuer setzt. Das Gelände des Weißen Hauses dürfen die zwei jedoch nicht verlassen - aus Sicherheitsgründen. Also trinken sie dort Kaffee.

Obama als Rhetorik-Genie

Es ist eine kurzweilige Episode, die 19 Minuten dauert und in der bewusst auf Tiefgang verzichtet wird. Ging es Obama beim Podcaster Maron noch darum, in einem ausführlichen Interview über Themen zu reden, die Obama bewegen, ist sein Auftritt bei Seinfeld ein lockerer Plausch. Obama tritt auf als Rhetorik-Genie, das die Fragen des Gegenübers kennt, noch bevor sie gestellt sind und munter erzählt, dass Menschen zwischen 0 und 8 Jahren seine loyalste Fangruppe sind ("Wahrscheinlich weil meine Ohren so groß sind und ich aussehe wie eine Cartoon-Figur"). Seinfeld grinst.

Auf die Frage, wie viele Staatsoberhäupter verrückt sind, antwortet Obama: "eine beachtlichte Prozentzahl" und führt aus: "Je länger eine Person im Amt ist, desto wahrscheinlicher ist das der Fall."

"Jon Stewart darf nicht gehen"

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Der Zuschauer erfährt unter anderem, dass Obama Unterwäsche in genau einer Farbe und von einer Marke besitzt. Obama ist überzeugt, dass der bloße Akt eine Entscheidung zu treffen, Menschen bereits ermüdet. Da er als Präsident viele wichtige Entscheidungen treffen müsse, versuche er die Anzahl der Entscheidungen insgesamt zu reduzieren. Daher eine Marke, eine Farbe. Auch seine Anzüge sind deshalb entweder grau oder blau. Er besitzt genau einen schwarzen Anzug.

Wenn Obama also keine wirkliche Botschaft dabei hat (am Ende wird sehr beiläufig Obamacare erwähnt), warum tritt er überhaupt auf? Seine Antwort: "Ich wollte immer mal Teil einer Show sein, in der es um absolut nichts geht. Hier bin ich."

Die Folge können Sie hier anschauen.