Satiremagazin nach dem Anschlag "Charlie Hebdo" erscheint mit Mohammed-Titel

Das Cover nach dem Anschlag: "Alles ist vergeben" steht über einem weinenden Propheten Mohammed.

(Foto: dpa)
  • Das erste Cover der Satirezeitschrift Charlie Hebdo nach den tödlichen Terroranschlägen zeigt den weinenden Propheten Mohammed. Er hält ein Schild mit der Aufschrift "Je Suis Charlie" hoch.
  • Das Heft soll ab Mittwoch mit einer Auflage von bis zu drei Millionen erscheinen. Normalerweise werden etwa 60 000 Stück gedruckt.
  • In Paris und Jerusalem finden die Trauerfeiern für die getöteten Polizisten und die jüdischen Opfer statt.
  • Die al-Qaida-Ableger Aqmi (Maghreb) und Aqap (Arabische Halbinsel) drohen Frankreich mit weiterer Gewalt.

Weinender Mohammed auf dem Cover

Die erste Ausgabe der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo nach dem blutigen Angriff vom vergangenen Mittwoch erscheint mit einem Mohammed-Titel. Auf der Titelseite ist der islamische Prophet mit einem Plakat mit der Aufschrift "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie) zu sehen. Über der Zeichnung des weiß gekleideten Propheten, der weint, ist die Zeile "Alles ist vergeben" zu lesen.

Der Anwalt des Magazins, Richard Malka, teilte am Montag mit, der Geist von "Je suis Charlie" bedeute auch ein "Recht auf Blasphemie". Seit 22 Jahren habe es keine Ausgabe des Magazins gegeben, in der nicht der Papst, Jesus Christus, Bischöfe, Rabbiner, Imame oder der Prophet Mohammed karikiert worden seien.

Rekordauflage von "Charlie Hebdo"

Die Auflage der nächsten Ausgabe könnte drei Millionen erreichen statt wie üblich 60 000. Dies teilte der Verleger MPL mit. Am Mittwoch und Donnerstag werde zunächst eine Auflage von einer Million an die Kioske gehen, sagte ein MPL-Sprecher. Da allein aus dem Ausland 300.000 Anfragen vorlägen statt der üblichen 4000 "und die Nachfrage stündlich steigt", werde am Donnerstag über eine weitere Auflage entschieden. "Damit hätten wir eine Million, plus zwei weitere falls notwendig."

Die erste Ausgabe nach dem Attentat entstand in den Räumen der französischen Tageszeitung Libération in Paris, die wie andere französische Medien den Überlebenden des Anschlags auf die Redaktion von Charlie Hebdo Unterstützung zugesagt hatte. Der Kolumnist des Magazins, Patrick Pelloux, hatte bereits einen Tag nach dem Anschlag mit zwölf Toten ein neues Heft des religionskritischen Blattes angekündigt.

Trauerfeier für getötete Polizisten

An diesem Dienstagvormittag nimmt Frankreich Abschied von den bei den Terroranschlägen erschossenen Polizisten. Zu der Veranstaltung in der Polizeipräfektur in Paris wird auch Präsident François Hollande erwartet. Beim Anschlag auf Charlie Hebdo waren ein Polizist und ein als Personenschützer abgestellter Beamter getötet worden. Im Süden der Stadt wurde eine Polizistin erschossen.

Leichen der jüdischen Opfer in Tel Aviv eingetroffen

Die Leichen der vier jüdischen Opfer des islamistischen Terrors in Paris sind zur Bestattung nach Israel geflogen worden. Ein Flugzeug mit den Särgen an Bord sei in der Nacht zum Dienstag auf dem internationalen Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv gelandet, berichteten israelische Medien. An dem Begräbnis am Mittag in Jerusalem sollen Israels Staatspräsident Reuven Rivlin, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie mehrere Minister teilnehmen. Aus Frankreich wird Umweltministerin Ségolène Royal erwartet. Die vier Menschen waren am Freitag bei der Geiselnahme in einem koscheren Supermarkt erschossen worden.

Neue Drohungen von al-Qaida-Ablegern

Indes hat al-Quaida im Islamischen Maghreb (Aqmi), einem Ableger des Terrornetzwerks al-Quaida, mit weiterer Gewalt in Frankreich gedroht. Sollte Paris seine "islamfeindliche" Politik nicht überdenken, werde es neue Anschläge geben, teilte Aqmi in einer auf islamistischen Websites veröffentlichten Botschaft mit.

Zuvor hatte bereits al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap), ein weiterer Ableger al-Qaidas, Anschläge gegen Frankreich angekündigt. Die beiden Brüder Chérif und Said Kouachi, die am Mittwoch den blutigen Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo verübten, sollen Verbindungen zu Aqap gehabt haben.