Satire "The Samaritans" als Mini-Serie Unterstützung von realer NGO

Finanziert hat Kurji die ersten zwei Folgen der Serie mit einer Kickstarter-Kampagne. Der Trailer von The Samaritans war ein paar Wochen lang das meistgeklickte Youtube-Video Kenias. Im Februar dieses Jahres feierten die fertigen Folgen Premiere in Nairobi. Inzwischen lief das Format auch auf Filmfestivals in New York und Rom. Gegen eine Spende kann man die Videos online auf der Seite der imaginären NGO "Aid for Aid" anschauen. Zusätzlich unterstützt wird das Ganze zudem von einer realen NGO.

Eine NGO-Parodie, unterstützt von einer NGO? Letztlich kein großer Widerspruch. Denn natürlich richtet sich die Sendung nicht pauschal gegen Menschen, die sich jenseits staatlicher Strukturen für mehr Transparenz, Ökologie oder Bildung einsetzen. Sie richtet sich gegen die Weiterverbreitung eines Weltbilds, das Afrika behandelt, als sei es ein Land und kein Kontinent. Und gegen ein Weltbild, das unter der Prämisse, Gutes zu tun, die immergleichen Vorurteile zementiert.

Große Kinderaugen funktionieren am besten

In der Pilot-Folge von The Samaritans dreht eine der kenianischen NGO-Mitarbeiterinnen einen Werbespot für "Aid for Aid". Für den Clip tauscht sie ihren Hosenanzug gegen wild gemusterte Walla-Walla-Kleidung und lässt Reis durch ihre Hand rieseln. Der Mann, der im Hintergrund seine Muskeln spielen lässt, ist "ein schwarzer Typ, direkt eingeflogen aus Los Angeles". Die gecasteten echten Kenianer sahen "irgendwie nicht richtig" aus. "Richtig" bedeutet: auch für kolonial geprägte europäische Finanziers leicht verständlich. Da funktionieren nackte Bäuche und große Kinderaugen einfach am besten. So wie sie auf den Postern in den Büroräumen von "Aid for Aid" zu sehen sind.

The Samaritans ist nicht die erste Satire, die sich über weißen Weltrettungs-Aktionismus lustig macht. 2012 kam kurz vor Weihnachten ein Musikvideo der Kampagne "Radi-Aid" heraus. "Die Zeiten haben sich geändert, wir als Afrikaner müssen nun Norwegen unterstützen", sagen afrikanische Popstars im Refrain. Dazu wurden Bilder gezeigt, wie Menschen ihre Heizkörper spenden, damit in Norwegen niemand mehr frieren muss. Ästhetisch war der Clip an den Bob-Geldolf-Weihnachts-Hit von 1984 angelehnt. "Do they know it's Christmas", fragten weiße Popstars damals in Richtung Äthiopien.

Große Summen für Prestigeprojekte

Dass den Äthiopiern als einer der ältesten christlichen Nationen der Erde durchaus bewusst war, dass Weihnachten war - wenig erheblich. Dass mit den Millionen Dollar Spendengeldern, die durch den Popsong eingesammelt wurden, nicht nur die äthiopische Ernährungskrise gemildert, sondern am Ende auch ein despotisches Regime gestützt wurde, schien auch wenig erheblich. Aktionen wie diese, in denen mit wenig Ortskenntnis große Summen in Prestigeprojekte gepumpt werden, haben verschiedene afrikanische Ökonomen dazu gebracht, zu fordern, Hilfsprogramme einzudämmen.

Doch während "Radi-Aid" von norwegischen Studenten erdacht wurde, kommt The Samaritans eben aus Kenia. Hussein Kurji verfolgt damit keine politische Agenda. Er freut sich einfach, dass es tatsächlich NGOs gibt, die zum Schutz der Nashörner die Teilnahme an einer Nashornjagd versteigern. So in Namibia geschehen und natürlich bestes Comedy-Material.

Gerechtigkeit bedeutet auch, dass nicht immer die gleichen Menschen die gleichen Witze machen.