Braunschweiger Zeitung: "Der Bundespräsident hielt Bild-Chef Diekmann wohl für einen Verbündeten. Sein empörter Anruf war ein Fehler; Wulff hat sich zu Recht entschuldigt. Den Kontrollverlust büßt er nun öffentlich, weil, wundersamer Lauf der Dinge, die Botschaft den Weg in andere Redaktionen fand. So trifft schlechter Stil des Absenders auf schlechten Stil des Adressaten."

Wulff und seine Frau Bettina beim Sommerfest des Bundespräsidenten 2010 im Schloss Bellevue Bild vergrößern

"Mit kaum etwas anderem schließlich als mit sich selbst (und seiner Frau) hat er das Amt bisher zu füllen vermocht", kommentiert der Focus. Im Bild: Wulff und seine Frau Bettina beim Sommerfest des Bundespräsidenten 2010 im Schloss Bellevue (© dpa)

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Handelsblatt (Düsseldorf): "Wird die Bewusstseinslücke zwischen Politikern und Volk zu groß wie hier, bricht die politische Loyalität in sich zusammen. Wen vertritt der Bundespräsident außer sich selbst? Ist das noch unser Präsident? Darf der, was wir nicht dürfen? Wenn sich ausgerechnet ein Staatsoberhaupt über die Gepflogenheiten, Sitten und den Anstand der vielen hinwegsetzt, korrodiert er allmählich die normative Funktion von Gesetzen."

Westfalen-Blatt (Bielefeld): "Christian Wulff ist auch nur ein Mensch. Er darf sich über Berichte in Presse, Funk und Fernsehen freuen und richtig ärgern. Er darf auch Dampf ablassen, wenn er sich falsch zitiert oder dargestellt fühlt. Über Art und Weise einer Medienschelte und dessen öffentliche Wirkung muss er sich aber stets im Klaren sein."

Mittelbayerische Zeitung (Regensburg): "Ein Staatsoberhaupt, das glaubt, ein Grundrecht- und das ist die Pressefreiheit - nach Gusto einschränken zu können, hat alle Glaubwürdigkeit verspielt. Richtig: Die Würde des Amts darf nicht beschädigt werden. Derzeit beschädigt sie aber nur einer: Wulff selbst. Der Respekt vor dem Amt gebietet, ihm Bedenkzeit zu geben - und die richtigen Konsequenzen zu ziehen."

Financial Times Deutschland (Hamburg): "Für ein solches Vorgehen gibt es nur eine Erklärung: Hybris. Der Begriff aus dem Griechischen steht für Hochmut und frevelhafte Selbstüberschätzung, für den Wahnwitz eines Menschen zu glauben, über den Göttern zu stehen. Doch Wulff ist aus Fleisch und Blut und weit davon entfernt, eine anbetungswürdige Ikone zu sein. Dafür ist er einfach zu beliebig und zu langweilig. Wulff ist ein Karrierist, groß geworden im Politikbetrieb eines Helmut Kohl und dessen 'Mädchen' Angela Merkel. Sowohl Kohl als auch Merkel gelten als ausgewiesene Machtmenschen mit untrüglichem Instinkt, ihre Posten zu sichern. Wulff mischt seit Jahren munter in diesem System mit. Zuletzt ist er dem Lockruf der Kanzlerin gefolgt, als die ihn zum Bundespräsidentenkandidaten erklärte. Die CDU-Vorsitzende beordete den Niedersachsen ins Schloss Bellevue, um einen Konkurrenten loszuwerden. Nun ist das Schloss zur Falle geworden."

Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe): "Es ist eine schmerzende Erkenntnis, dass der Präsident an das Märchen von 'Kaisers neuen Kleidern' erinnert: das Gewand, das er sich an der Spitze des Staates hat verpassen lassen, verhüllt seine Schwächen nicht. Wulffs Rücktritt wäre schlimm. Wulffs Verbleiben im Amt nicht minder."

Focus (München): "Mit kaum etwas anderem schließlich als mit sich selbst (und seiner Frau) hat er das Amt bisher zu füllen vermocht. Die Frage, ob Christian Wulff ein guter oder schlechter Bundespräsident sei, hat sich erledigt. Er ist gar keiner, war es nie."

Rheinische Post (Düsseldorf): "Darf ein Bundespräsident unter Drohungen und wüsten Beschimpfungen kritische Berichterstattung zu verhindern versuchen? Es ist nicht verboten. Aber wer Schaden vom Amt fernhalten will, der tut das nicht. 'Wer mit der Bild-Zeitung im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.' Das hat Springer-Chef Matthias Döpfner als Prinzip des Boulevard-Journalismus verraten. Den Knopf nach oben bzw. unten hat Wulff selbst verwechselt. Ob er die Fahrtrichtung korrigieren kann, bevor er ganz unten angekommen ist, hatte und hat er selbst in der Hand. Inzwischen geht es tatsächlich darum, ob das Ende seiner Amtszeit erst Ende Juni 2015 gekommen ist. Oder Ende dieser Woche."

Weser-Kurier (Bremen): "Diese Schmierenkomödie mögen nun auch jene nicht mehr sehen, welche die Bild-Zeitung hassen und Wulff zugestehen, wenigstens zu Integration und Religion ein paar kluge Sätze gesagt zu haben. Zu anderen Großthemen kam ja nicht mehr viel, doch das ist jetzt auch egal: Wer mag dem Mann noch zuhören, wer will ihn noch ernst nehmen? Irgendwann wird auch die Kanzlerin kühl kalkulieren, dass sein Verbleiben im Amt ihr und dem Land mehr schadet als ein zweiter Präsidentenrücktritt."

stern.de (Hamburg): "Dass Wulff nicht der richtige Mann für die Repräsentation Deutschlands ist, dürfte spätestens jetzt klar werden. Doch die Entrüstung einzig und allein auf ihn zu fokussieren, greift zu kurz. So, wie es zu kurz greift, die Bild-Zeitung als ein Opfer antidemokratischer Bestrebungen zu sehen, mit dem man sich deshalb solidarisieren muss. Denn eines ist das Boulevardblatt mit Sicherheit nicht: Ein Medium, das durch sein Handeln und öffentliches Auftreten die verfassungsmäßigen Grundsätze der Republik vertritt."

Schwarzwälder Bote (Oberndorf): "Der, der in der Bundesrepublik das höchste moralische Zepter schwingen sollte, ist ganz unten angekommen. Christian Wulff, der erste Mann im Staat, der Grundwerte schützen soll, schwafelt angeblich von 'Krieg'. Das ist eines Bundespräsidenten unwürdig. Dass er nun zurückrudert, wird Wulff kaum helfen. Die Pressefreiheit sei ein hohes Gut, heißt es aus dem Bundespräsidialamt, doch über Vier-Augen-Gespräche herrsche Stillschweigen. Spätestens, wenn Wulff das entscheidende Vier-Augen-Gespräch mit Angela Merkel führen wird, ist die Öffentlichkeit wieder Zaungast: dann nämlich, wenn ein neuer Bundespräsident gesucht wird."

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  1. "Das ist unterste Schublade"
  2. "Geht Merkel auf Distanz, dann kann er sich nicht mehr halten"
  3. Sie lesen jetzt "Wulffs Rücktritt wäre schlimm. Wulffs Verbleiben im Amt nicht minder"
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(sueddeutsche.de/odg/luk)