Das Stern-Schwesterblatt Neon recherchierte in eigener Sache: Ein Journalist hatte erdichtete Texte rund um Stars untergebracht.
Zunächst einmal das Lob. "In eigener Sache" stellte die Zeitschrift Neon am Donnerstag, 17 Uhr, mutig einen brisanten Text auf die eigene Homepage. Über dem journalistischen Aufmacher "Fremde Schicksale: das Versehrten-Archiv" offenbarte die Redaktion eine Selbstverletzung größerer Art.
Kummerkasten Neon: Das Magazin hat ein Interview mit Sängerin Beyoncé Knowles (im Bild) abgedruckt, das so nie stattgefunden hatte. (© Foto: AP)
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Es geht um ein Interview des Mitarbeiters Ingo Mocek mit der Sängerin Beyoncé Knowles, das die Januar-Ausgabe 2010 des Münchner Magazins geschmückt hat. "Durch Hinweise des Managements der Künstlerin sind Zweifel an der Echtheit des Interviews entstanden", erklärte die Chefredaktion: Man habe den Autoren mit dem Vorwurf konfrontiert, dass er die Antworten der Sängerin erfunden habe - und Ingo Mocek habe diesen Vorwurf nicht ausräumen können.
O-Ton von Neon in eigener Sache: "Er bestätigte schließlich, dass er die Prüfinstanz der Neon-Dokumentation getäuscht und das Gespräch nicht wie von ihm vorgelegt stattgefunden hat."
Das ist nicht schön, vor allem, wenn zu den Herausgebern ein Chefredakteur des Stern gehört - jener Zeitschrift, die sehr lange unter dem Skandal der gefälschten Hitler-Tagebücher von 1983 gelitten hat. Neon gehört wie der Stern zum Bertelsmann-Großverlag Gruner + Jahr und war in den vergangenen Jahren am Markt außerordentlich erfolgreich. Das Blatt trifft die Gefühlslage einer Generation, die gebildet ist wie keine, es gerne lässig angehen lässt, sich auch in Frage stellt - kurzum, nicht einfach so in der spießigen Erwachsenenwelt aufgehen will.
Aber stimmen sollten die Geschichten schon. Weil die Sache Mocek schwelte und ein Flächenbrand nicht auszuschließen ist, machte sich eine interne Arbeitsgruppe ans Recherchieren. Das hatte sich schon im Jahr 2000 beim SZ-Magazin bewährt: Damals flog dort der Schweizer Journalist Tom Kummer mit fiktiven Interviews auf, auch mit großen US-Stars. Der Reporter erklärte seine Borderline-Strategie quasi zum New Journalism.
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Mein Qualitätseindruck von sueddeutsche.de wird übrigens schon nach wenigen Blicken bestätigt: Nicht einmal Timm Klotzek, der viele Jahre ein ruhmreiches Montagsmagazin der SZ geleitet hat, wird in Euren Tags richtig geschrieben.
Der unsägliche Klickteaser, der hier ja üblich ist -- "Lesen Sie weiter, warum [Quatschphrase]" -- findet sich übrigens bei Herrn Jakobs Artikel nicht. Warum?
Kann es sein, dass leitende Redakteure, die bei sueddeutsche.de mitmachen, ihre eigenen Artikel vor exakt jenen dümmeren Entstellungen und Zerstückelungen bewahren, mit denen sie Texte von Autoren aus dem Mutterblatt SZ malträtieren?
"Das Blatt trifft die Gefühlslage einer Generation, die gebildet ist wie keine".
Ach? Das sind ja mal ganz neue Töne gegenüber der alten Litanei vom geistigen Bergab und Weltuntergang der verblödeten Bildschirm-PrOno-Daddel-Generation.
Mir sind fantasievoll erfundene Interviews bedeutend lieber als per cut and paste eingefügte dpa-Texte auf suedeutsche.de, die auch an 100 anderen Stellen im Web zu finden sind.
Ich hätte der Neon noch zwei, drei Interviews mit Michael Jackson anzubieten, die ich vor einer Woche geschr...äh, als New Journalist 'gemacht' habe. ;-)
Kummer ist immer noch unter uns(lg an das SZ-Magazin).
Weiter so. Bevor schwachsinnige Interviews verbl... "Stars" gedruckt werden(wieder lg an das SZ-Magazin) würde ich mir doch auch eher die Antworten ausdenken.
"Neon hat Kummer" - das triffts perfekt
Paging