Plasberg über Flüchtlinge und Kriminalität Deal with it, Deutschland!

Kritik schon vor Sendungsbeginn: Frank Plasbergs Redaktion musste sich vorwerfen lassen, ein negatives Bild von Flüchtlingen in Deutschland zu unterstützen.

(Foto: WDR/Oliver Ziebe)

Frank Plasberg diskutiert über kriminelle Flüchtlinge - und bildet dabei nur die Frontlinie ab, die seit Jahren Deutschland spaltet. Doch was ist die Lösung? 

TV-Kritik von Hannah Beitzer

Ein Frühschoppen in Brandenburg. Eine Frau, drei Bierbänke weiter sagt mit lauter Stimme: "Die Merkel hat dieses ganze Gesindel reingelassen. Und jetzt wundert sie sich." Ein Sommerabend in einem Biergarten am Chiemsee in Bayern, eine Gruppe Rentner am Tisch nebenan unterhält sich: "Ich hab' gehört, ein Syrer hat per Familiennachzug Frau und zehn Kinder nachgeholt." - "Na sauber."

Zwei zufällig aufgeschnappte Gespräche im Mai des Jahres 2018 in Deutschland. Zwei Gespräche, die zeigen, dass es nicht allzu weit hergeholt ist, wenn Frank Plasberg im Rahmen der ARD-Sendereihe "Was Deutschland bewegt" wieder einmal über Flüchtlinge diskutieren lässt. Dafür, wie er das angeht, hat die Hart-aber-fair-Redaktion allerdings schon vor der Sendung Kritik einstecken müssen. "Junge Männer, geflohen aus Krieg und archaischen Gesellschaften", hieß es in der Ankündigung. "Können solche Flüchtlinge überhaupt integriert werden? Wie unsicher wird Deutschland dadurch?"

Der Flüchtling - in deutschen Talkshows taucht er fast ausschließlich als Gefahr auf, als Belastung, als Bedrohung. Das jedenfalls werfen Kritiker den Redaktionen vor. Und diese Darstellung, dieses Framing - so der Fachbegriff aus der Kommunikationswissenschaft - spiele der AfD und anderen rechten Gruppierungen zu, schüre erst recht die Ängste der Leute, die den Rechten zuliefen. Plasbergs Leute reagierten schnippisch: "Framing? Mit diesem Begriff können wir wenig anfangen. Wir versuchen das, was Menschen beschäftigt, darzustellen, wie es ist."

Sendungs-Ziel: möglichst unterhaltsames Anpöbeln

Nun ist es eine Sache, dass die Mitarbeiter einer der größten deutschen Talkrunde sich eigenen Angaben zufolge über die Wirkung ihrer Worte bisher keine großen Gedanken gemacht haben. Oder, so die andere Interpretation, ihnen diese Wirkung einfach völlig egal ist. Schwer zu sagen, was schlimmer wäre.

Völlig absurd aber muss jedem, der das Konzept der Talkrunde kennt, der Anspruch erscheinen, irgendetwas "darzustellen, wie es ist". Denn am Ende sieht die Sendung doch so aus, dass Frank Plasbergs Redaktion jede Woche Politiker, Experten und Journalisten mit möglichst unterschiedlichen Meinungen an einen Tisch hockt und hofft, dass die sich möglichst unterhaltsam anpöbeln. Ein Konzept, das in Zeiten eines allzu milde dahinplätschernden politischen Diskurses vielleicht seinen Reiz hatte - im Moment aber nur eine Diskussionskultur verstärkt, die ohnehin schon schrill, laut und feindselig ist.

Am Montagabend saßen da nun: CSU-Generalsekretär Markus Blume, der Migrationsforscher Ruud Koopmans, die Fernsehmoderatorin Isabel Schayani und Grünen-Chefin Annalena Baerbock. Und in der Mitte, ruhig Statistiken erklärend, BKA-Chef Holger Münch.

Münch berichtet zum Beispiel, dass die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer 2017 gesunken sei. Die meisten lebten nicht mehr in großen Sammelunterkünften, in denen es zu vielen Straftaten gekommen sei. Dennoch sei die Gruppe der Migranten bei den schweren Straftaten wie Mord, Totschlag oder auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung überproportional vertreten. Das liege daran, dass unter ihnen besonders viele Männer seien. Eine Rolle spiele auch der "Zugang zur Leistungsgesellschaft" und die Bleibe-Perspektive. So sei die Kriminalität unter Syrern und Afghanen, die häufig in Deutschland bleiben dürften, geringer als unter Flüchtlingen aus den Maghreb-Staaten, die in Deutschland keine Perspektive hätten.

"Gewalt unter Jugendlichen nimmt ab - aber das glaubt mir kein Mensch"

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Mit diesen Befunden kann nun in der Talkrunde jeder anfangen, was er möchte. CSU-Generalsekretär Blume sagt zum Beispiel, das Problem sei nicht mit Statistik zu erklären. "Die Leute spüren, dass sich was verändert hat." Es gehe um das "subjektive Sicherheitsempfinden". Ein Schlüssel sind für den CSU-Politiker konsequentere Abschiebungen, konsequentere Strafen. "Wir müssen sicherstellen, dass der Rechtsstaat nicht an sich selbst scheitert", sagt er. Migrationsforscher Koopmans wünscht sich eine stärkere Steuerung der Zuwanderung: Familien mit Kindern statt allein reisende junge Männer sollen ins Land.