Pegida bei Jauch Menschen mit "Gefühlsstau"

Stattdessen springt er munter von Thema zu Thema. Interessant ist dabei auch, worüber er nicht spricht: Über die Ängste von Migranten, die in Dresden leben, zum Beispiel. Und was sagen eigentlich Muslime zu der angeblich bevorstehenden Islamisierung Deutschlands? Keine Ahnung, es waren nämlich leider keine da.

Dafür darf Oertel ihre Vorstellung davon verbreiten, wie die beschworene Islamisierung aussieht: "Wie kann es sein, dass Friedensrichter das Recht haben, Recht zu sprechen?" Haben sie natürlich nicht, dieses Recht, es ist Quatsch, was Oertel da von sich gibt. Das so deutlich zu sagen, geht aber auf keinen Fall - den Eindruck kann jedenfalls bekommen, wer der Diskussion weiter folgt.

Gauland sieht "besorgte Bürger"

Alexander Gauland von der AfD zum Beispiel findet: "Es kann doch nicht sein, dass Leute von vornherein in eine Ecke gestellt werden." Er kritisiert gemeinsam mit Frank Richter von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung Kanzlerin Angela Merkel dafür, dass sie Pegida in ihrer Neujahrsansprache verurteilt hat.

Seiner Wahrnehmung nach seien 90 Prozent der Leute, die bei Pegida mitlaufen, "besorgte Bürger", die sich von den Behörden schlecht behandelt fühlten, sagt Richter. Er bemüht sich um Dialog mit den Pegida-Leuten, plädiert dafür, ihre Sorgen zu verstehen. Es habe sich da eben ein enormer "Gefühlsstau" gebildet, der sich jetzt entlade.

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In der Analyse mag er teilweise richtig liegen. In der Schlussfolgerung sitzt er jedoch einem entscheidenden Irrtum auf. Denn politischer Dialog muss nun wirklich nicht so aussehen, dass man erwachsenen Menschen, die vor lauter Gefühlsstau fremdenfeindliche Ressentiments schüren und pauschal Politiker und Medien beschimpfen, erst einmal über den Kopf streichelt.

Genau das tut er aber, wenn er von einem "Tiefpunkt der politischen Kultur" im Umgang mit den "besorgten Bürgern" von Pegida spricht. Da hält der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) dagegen: "Man diffamiert eine Bewegung nicht, indem man ihr widerspricht."

An anderer Stelle sagt Jens Spahn an Oertel gerichtet: "Parolen sind kein Dialog." Richtig. Dialog ist allerdings um ein Vielfaches anstrengender als ein Demokratieverständnis, das Politiker für Kummerbriefkästen hält, die unwidersprochen jeden Gefühlsausbruch "des Volkes" anerkennen müssen.

"Viele denken, die Demokratie ist eigentlich eine Firma, die hat zu liefern. Wenn sie nicht liefert, dann kündigt man", sagte neulich der Konfliktforscher Andreas Zick in einem Interview über Pegida. Pegida will nicht reden, nicht diskutieren, nicht verhandeln. Pegida will recht bekommen.