"News of the World"-Affäre: Rupert Murdoch Das Modell Mogul

Der wahre Medienmogul hält sich Politiker, er wird aber keiner: Der Skandal um "News of the World" zeigt, wie gefährlich das Geschäftsmodell eines Mannes ist, der keine Grenzen kennt. Nun muss Rupert Murdoch aufpassen, dass seine Geschäfte nicht Schaden nehmen wegen der hässlichen Abhöraffäre seines Londoner Schlammblatts.

Ein Kommentar von Hans-Jürgen Jakobs

In der Wirtschaftswelt wimmelt es von Königen, Kaisern, Baronen, Fürsten, ja auch von Löwen, beispielsweise von "Baulöwen". Die Institution des "Moguls" aber gibt es nur in den Märkten der Medien. Die Kombination aus Geld, Geist, Glamour und Macht treibt Beobachter zum inflationären Gebrauch des Wortes, einer Erinnerung an die Großmoguln des indischen Subkontinents, die im 16. Jahrhundert begannen, ein riesiges Reich zu errichten, ehe sie den britischen Kolonialisten unterlagen.

Seine unternehmerische Karriere war die erste gelebte Globalisierung: Medien-"Mogul" Rupert Murdoch.

(Foto: Reuters)

Der Verleger Robert Maxwell wurde "Mogul" genannt, bis er von Bord seines Boots Lady Ghislaine ging, und der Münchner Filmrollen-Sammler Leo Kirch hieß so, bis sein Konzern pleiteging. Aber der ökonomische Ehrentitel "Mogul" passte in Wahrheit natürlich nur zu jenem Australier, der mit seinen Zeitungen erst England aufgerührt hatte, dann mit seinem Fernsehen die USA eroberte und schließlich mit seinen Weisheiten die ganze Medienwelt: zu Rupert Murdoch.

Seine unternehmerische Karriere war die erste gelebte Globalisierung. Von Adelaide in Down Under schaffte er es in mehr als fünf Jahrzehnten nach ganz oben in den Zentren der Marktwirtschaft. Doch nun auf einmal muss der mittlerweile 80-Jährige aufpassen, dass seine Geschäfte nicht over the top sind, dass all die Presseverkäufe, Kino-Veröffentlichungen und Pay-TV-Abonnements nicht Schaden nehmen wegen der hässlichen Abhöraffäre seines Londoner Schlammblatts News of the World, das am Sonntag einfach eingestellt wird, mit 200 Mitarbeitern, 2,6 Millionen Auflage und nach 168 Jahren.

So ist das mit dem Geschäftsmodell Mogul: Die Chancen sind groß, die Risiken auch, und natürlich erst recht die Ausschläge der gewöhnlichen Tätigkeit. Bekanntlich hat sich ja das finanzgetriebene Modell des Großaktionär-Kapitalismus weitgehend durchgesetzt, in dem irgendwelche Investorengruppen und Pensionsfonds die Hauptversammlung bestimmen und genehme Aufsichtsräte beaufsichtigen lassen, doch Rupert Murdoch ist es gelungen, auch in seiner börsennotierten News Corp. Mogul zu bleiben, und das mit einem Aktienanteil seiner Familie von knapp 40 Prozent.

Wo andere Chefs ihren Entscheider-Willen in Gremiensitzungen abgeben, regiert der große alte Mann des Gewerbes wie ehedem. "Dirty digger" nannten sie ihn einst in Großbritannien, ein nicht gerade piekfeiner Gräber nach Geschichten sei er.

Murdoch, der Außenseiter, genießt die Enthüllung, die Enttarnung des Establishments und niederer menschlicher Natur. Er hat ein Faible für kräftige Schlagzeilen. Wenn es wichtig ist, redet er selbst mit Redakteuren. Wo politische Unbill droht, lässt er Moderatoren, wie in seinem rechtslastigen US-Fernsehsender Fox News, auftreten. Und wer eine gute Idee zu haben glaubt im Internet, seinem neuen gelobten Kontinent, dem gibt er Geld, und sei es für eine kostspielige Online-Tageszeitung namens The Daily.

Ein Mogul betreibt eben alles intensiver als ein "normaler" Unternehmer, also auch die übliche Strategie des "trial and error", des Versuchs und Irrtums. Ganz London vollpflastern mit einer Gratiszeitung und sie dann wieder einstellen? Das Wall Street Journal in New York mit mehr als fünf Milliarden Dollar kaufen und es zum News-Blatt machen? Im vermaledeiten deutschen Pay-TV-Markt, der in 20 Jahren nur Verluste gebracht hat, einen eigenen Sky-Ableger hochziehen? Alles möglich. Ein Mogul kann alles. Er hat keine Grenzen.

Der Skandal um News of the World zeigt, wie gefährlich dieses Geschäftsmodell ist. Wie Silvio Berlusconi - fast auch ein Mogul - direkt eine Regierung zu übernehmen, das war Murdoch stets zu billig. Der wahre Medienmogul hält sich Politiker, er wird aber keiner.