Neue TV-Serie: "Jennifer" Olli Dittrich, Friseurs-Witwe

Schön geworden: Jennifer (Kathrin Ingendoh) mit Mannie (Ulrich Bähnk, vorne) und Dietmar (Olli Dittrich).

(Foto: Georges Pauly/NDR)

Die Mini-TV-Serie "Jennifer" erzählt von den Träumen durchschnittlicher Menschen - in Dialogen, die man aufschreiben und an die Wand hängen möchte.

TV-Kritik von Katharina Riehl

Oma Margret ist eine lebenskluge Frau, was kein Wunder ist, denn bei ihr als Betreiberin des Imbissstandes "Futterluke" lungert das Leben ja den ganzen Tag am Stehtisch herum.

Oma Margret jedenfalls, die ihre Lebenserfahrung in Form von Binsen an ihre Mitmenschen weiterreicht, würde die Sache mit dem Hairbeamer und dem toten Friseur in einem Karlsruher Hotel wohl ungefähr so zusammenfassen, dass die besten Geschichten das Leben schreibt. Aber ausgerechnet hier läge Oma Margret falsch. Die besten Geschichten werden geschrieben, wenn sich jemand das wahre Leben ausdenkt.

Ein toter Friseur, ein leerer Laden und ein Nachfolger mit großen Plänen

Die Sache mit dem Hairbeamer und dem toten Friseur ist nun folgendermaßen: Sandro, der Friseur, ist in einem Hotel ums Leben gekommen, nackt in einem Schrank, das Fönkabel um den Hals, das Telefonkabel anderswo herum und mit einem Nylonstrumpf über dem Kopf.

Ausgerechnet an dem Tag, an dem Sandro endlich in seiner norddeutschen Heimat beigesetzt werden soll, steht vor seinem Laden der neue Hairbeamer, ein Haarverlängerungsgerät, das seine Mutter noch für das Geschäft des Sohns bestellt hatte.

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Die aber hat jetzt nichts mehr zu melden, denn den Laden übernimmt Dietmar, Sandros "Le-bens-part-ner", der große Pläne hat mit dem Laden, und eher kleinere Pläne mit Jennifer, der Friseurin, die dann wiederum ihre große Chance in eben jenem Hairbeamer zu erkennen glaubt. Denn Jennifer möchte ja nicht den Rest ihres Lebens bei ihrer Oma Margret wohnen müssen.

Die Autoren machen Witze über ihre Figuren, aber machen sich nicht lustig über sie

Jennifer - Sehnsucht nach was Besseres heißt die herrliche kleine Serie des NDR, in der durchschnittlich kluge Menschen von höchstens durchschnittlich glamourösen Dingen träumen. Jennifer, die karrieregebremste Friseurin ohne bestandene Gesellenprüfung (Katrin Ingendoh), träumt davon, sich ganz im Loriot'schen Sinne etwas Eigenes aufzubauen ("Jetzt wird durchgestartet").

In der ersten Folge: als staatlich geprüfte Haarverlängerin; in der zweiten Folge: als Eventmanagerin der örtlichen Disco; in der dritten: als Maklerin. Den Autoren Andreas Altenburg, Harald Wehmeier und Regisseur Lars Jessen gelingt etwas, das nicht weniger ist als die Grundvoraussetzung einer solchen Serie: Sie machen Witze über ihre Figuren; aber sie machen sich niemals lustig über sie.

Katrin Ingendoh spielt ihre zweite Fernsehrolle mit sehr viel Humor, aber in Wahrheit hat Jennifer natürlich eine andere Hauptfigur. Es wäre nicht ganz richtig, wenn man sagte, dass die Friseurs-Witwe Dietmar von Olli Dittrich gespielt werde. Richtiger ist: Olli Dittrich ist Dietmar, die Friseurs-Witwe.

Mit abgetönter Brille, schütterem Haar und einem unglaublichen Dialekt walzt Dietmar ("Eine neue Frisur ist wie ein neues Leben") vollkommen besoffen von sich selbst ins Hair & Care, denn auch er hat einen Traum: einen besseren Friseursalon; Dietmars Friseursalon.

Dialoge zählen mehr als der Inhalt

Es passiert nicht viel in den dreimal 25 Minuten, die der NDR in dieser Woche zeigt, aber darum geht es hier auch nicht. Es gibt stattdessen Dialoge, die möchte man aufschreiben und an die Wand hängen, und sie werden immer besser, je öfter man sie hört.

Ein Beispiel: In Folge drei besichtigen Jennifer und Oma Margret eine Wohnung, die Maklerin erklärt den Kunden die besonderen Features des Objekts: Die Wohnung sei "ganz toll ausgestattet mit Frischluftfenstern", da könne man immer lüften. Fast wie im wahren Leben.

Jennifer - Sehnsucht nach was Besseres, Mittwoch, zwei Folgen von 22.25 Uhr an, Folge drei am Samstag, 22.35 Uhr.