NDR-Serie "Tatortreiniger" Mehr als nur putzen

Wenn Bjarne Mädel als "Tatortreiniger" seelenruhig die Reste menschlichen Lebens beseitigt und dabei auf die kuriosesten Gestalten trifft, liegen Psychodrama und Komödie nah beieinander. Endlich mal eine richtig gute Serie!

Von Hans Hoff

Einer muss die ganze Sauerei ja wegmachen. Also das Blut, das an die Wände gespritzt ist, das sich in den Teppichboden gesaugt und die Möbel versaut hat. Das, was von einer bösen, von einer tödlichen Tat übrig blieb.

Heiko Schott, genannt Schotty, ist so einer, der die Sauerei wegmacht. Tatortreiniger nennt er sich, und er reagiert höchst angefasst, wenn ihn jemand einfach nur Putzmann nennt. Nein, das, was er da macht, das ist mehr als putzen, das ist quasi ein bisschen Kunst.

Wenn Schotty als erster nach den Kriminalbeamten den Tatort betritt und das Siegel in der Tür durchschneidet, dann erobert er immer auch eine fremde Welt, einen Kosmos, der eine höchst eigene Geschichte zu erzählen hat, eine, die davon handeln könnte, was sich in den Tagen zuvor abgespielt hat an diesem Tatort.

Doch zu der Geschichte kommt es höchst selten in der neuen NDR-Serie Der Tatortreiniger, denn der Beruf des Protagonisten wird meist nur als Vorwand eingeführt, um eine ganz andere Geschichte zu erzählen, ein kleines Kammerspiel zu inszenieren.

In der Regel bleibt Schotty nämlich am zu reinigenden Tatort nicht allein. Irgendwer platzt herein und konfrontiert den mental eher übersichtlich angelegten Putzmann mit kleinen und großen Dramen, die in der Regel mit dem vorangegangenen Tötungsdelikten wenig bis gar nichts zu tun haben.

In der ersten Folge ist das eine Prostituierte namens Maja, die den Mann besuchen will, der nicht mehr ist. Nun trifft sie auf Schotty, und es entspinnen sich feine Dialoge, in denen die besonderen Berufe, die eigenartigen Unarten der beiden, ihr leicht skurriles Sosein aufeinanderprallen.