Medien-Reaktionen auf Wulff-Buch Fortsetzung eines verkorksten Krisenmanagements

Die Maßlosigkeit mancher Medien machten den Getriebenen zum Gejagten, den Gejagten zum Gehetzten: Christian Wulff mit seinem neuen Buch "Ganz oben Ganz Unten".

(Foto: AFP)

Hätte er doch bloß geschwiegen. Das Buch "Ganz oben, ganz unten" von Christan Wulff war noch nicht gelesen, da wussten viele schon, dass es schrecklich sein würde. Was ist das für eine Medienlandschaft, die so unbarmherzig reagiert? Spurensuche in einem Land der Richter und Henker.

Von Ralf Wiegand

Es konnte nicht gelingen, und Christian Wulff ahnte das wahrscheinlich. "Sie könnten es als eine Zumutung empfinden", sagte er am Dienstag, während er sein Buch vorstellte, und er sagte es den Journalisten im Saal ins Gesicht. Ihnen könnte seine Theorie, die Macht der Medien an der Schnittstelle zur Justiz sei gefährlich für die Demokratie, vielleicht nicht gefallen. Sie könnten den Vorwurf, vom Jagdfieber befallen zu sein, womöglich nicht akzeptieren.

Wulff äußerte den Wunsch, das Buch möge "ergebnisoffen" gelesen werden, und nicht nur, "um Dinge zu finden, nach denen man sucht". Und er lud ein, eine Debatte zu führen über die vierte Macht im Staat.

Am Tag danach sah er das Resultat:

"Meine Güte, möchte man denken, wie viele Bücher und sonstige Erzählungen werden der Causa Wulff in diesem Leben noch gewidmet?" (Spiegel online)

"Der Deutsche Journalisten-Verband hat im Zusammenhang mit der Präsentation des Buches ,Ganz oben, ganz unten' von Ex-Präsident Christian Wulff laut gewordene Vorwürfe gegen die Medien zurückgewiesen." (Pressemitteilung des Deutschen Journalisten-Verbandes)

"Sein Buch und sein Auftreten bei der Buch-Präsentation haben einmal mehr belegt, dass seine Präsidentschaft ein Irrtum war. Ein Irrtum, den er selbst vermutlich nie einsehen wird. Niemals einsehen kann." (Meedia.de)

Und so weiter. Dazu noch ein paar Auszüge aus den Kommentarspalten und den "sozialen" Netzwerken, alle anonym abgesetzt vor Verkaufsstart des Buchs:

"Osnabrücker Würstchen." "Idiot." "Keine Einsicht, kein Rückgrat." "Nimm deine Rente und verkrümel dich." "So ein Schund." "So langsam sollte er sich mal in Behandlung begeben." "Wenigstens hat er jetzt mit seiner hohlen Ex-Frau gleichgezogen, was Peinlichkeit angeht."

Christian Wulff, 54, hat sich erlaubt, seine Sicht der Dinge zu schildern, die Sicht des "Hauptbetroffenen der Affäre". Er hatte am 17. Februar 2012, nach 598 Tagen im Amt des Bundespräsidenten, zurücktreten müssen.

Heute sagt er: Er wurde zur Strecke gebracht von einer Allianz aus Medien und Justiz. Und bei denen, die damals schon das Bild prägten, Wulff sei ein nimmersatter Raffke, der sein Haus billiger finanzieren wollte als andere, kostenlos Urlaub bei Freunden machte und sich auf Sylt gerne einladen ließ, geht wieder ein Aufschrei durchs Land: Hätte er doch bloß geschwiegen.