Kirchen-Debatte bei Günther Jauch Geschichten, die eigentlich keiner glauben kann

"Wie gnadenlos ist der Konzern Kirche?": Nach den jüngsten Debatten um die verweigerte Hilfe für eine mutmaßlich vergewaltigte Frau widmeten sich Günther Jauchs Gäste dem heiklen Thema von Anspruch und Wirklichkeit in katholischen Einrichtungen. Bischöfe waren nicht gekommen, so mussten andere ihre Sache vertreten.

Eine TV-Kritik von Matthias Drobinski

Was hat er nun gemeint, der Kardinal Joachim Meisner aus Köln, als er sagte, die "Pille danach" könne erlaubt sein, wenn sie nur verhütend wirkt, aber nicht abtreibend? Günter Jauch und seine Gäste konnten es auch nicht abschließend klären.

Er hat nur die katholische Lehre vertreten, sagte der katholische Publizist und ehrenamtliche Abtreibungsgegner Martin Lohmann: Abtreibung ist und bleibt verboten aus katholischer Sicht. Und eine Pille danach, die wissenschaftlich gesichert nicht abtreibend wirke, gebe es nicht, da müsse der Kardinal noch ein wenig präzisieren. Nein, erwiderte die Grüne Barbara Steffens, Meisner habe die Autonomie der Ärzte gestärkt. Er hat vielleicht irgendwie Türen geöffnet, sagte Peter Neher, Chef des katholischen Sozialträgers Caritas. Er hat eigentümliche Dinge erzählt, sagte der Frauenarzt Bernhard von Tongelen.

Wenn man sich nicht sehr intensiv mit der Debatte der vergangenen Wochen über die beiden katholischen Krankenhäuser befasst hatte, die eine mutmaßlich vergewaltigte Frau abgewiesen hatten, dann rauschten die Sendeminuten an einem vorbei, ohne dass man so recht wusste, was die Menschen da sagten. Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, einer der Bischöfe hätte die Sache erklärt, von denen aber war keiner gekommen.

So geht es oft, wenn im Fernsehen komplizierte und strittige Dinge einfach erklärt werden müssen. "Wie gnadenlos ist der Konzern Kirche?" hieß das Thema, es ging bis auf ein paar Seitenschwenker um die katholische Kirche, um eine Kindergartenleiterin, die entlassen werden sollte, weil sie geschieden war und in einer neuen festen Beziehung lebte, um kirchliche Schulen, um Putzfrauen, die Kirchenmitglieder sein müssen. Vieles wurde angesprochen und gestreift, wenig vertieft, es bleiben mehr Eindrücke als Informationen.

Das Unbehagen formulieren

Die Eindrücke, die bleiben: Im Grunde sind die Einrichtungen der Kirchen beliebt, die Arbeit ist vielfach anerkannt. Doch dann gibt es immer wieder diese Geschichten, die eigentlich keiner glauben kann, der sich nicht selbstverständlich im Innern der Institutionen bewegt. Das Krankenhaus, das keine Pille danach gibt, oder die Geschichte der Kindergarten-Leiterin, erzählt von der Film- und Buchautorin Eva Müller, die nun, nach einem Jahr Recherche, aus der Kirche ausgetreten ist. Sie formulierte das Unbehagen, das es zunehmend gegenüber dem Staat-Kirche-Verhältnis in Deutschland gibt: Die Kirchen bekommen das Geld vom Staat oder den Krankenkassen, wollen aber die Spielregeln bestimmen, den Angestellten den Streik verbieten oder die neue Heirat nach der Scheidung. Das soll gefälligst mal aufhören.

Es war interessanterweise die konfessionslose Grüne Barbara Steffens, die das so angegriffene Subsidiaritätsprinzip verteidigte: Es sei nur gut und richtig, dass es verschiedene Träger der Sozialarbeit und Gesundheitsversorgung gebe, mit ihrem eigenen Profil und ihren eigenen Wertesystemen. Und die am Ende der Debatte sagte, dass sie sich starke Kirchen wünsche.

Ansonsten? War da Martin Lohmann, dessen Stärke es war, die strenge katholische Lehre so staunenswert ungebrochen zu vertreten, wie das kaum ein Bischof hingekriegt hätte - und dafür Unmut im Publikum auszuhalten hatte. Ein Caritas-Präsident Neher, der sich bemühte, nichts Falsches zu sagen und sich noch einmal bei der jungen Frau entschuldigte, die da von den katholischen Kliniken abgewiesen worden war. Die Sozialministerin der Grünen, die auf einmal Fürsprecherin jener Katholikinnen und Katholiken war, die der Linie, die Lohmann da vertrat, nicht mehr folgen wollen. Und ein eher zurückhaltender Moderator Günther Jauch - was an diesem Abend nicht die schlechteste aller Lösungen war.