Neo Magazin Royale Böhmermann hat ein Problem mit Hans Meiser

Hans Meiser kann bei Böhmermann wieder anfangen. Sobald er herausgefunden habe, "wer wirklich hinter dem 11. September steckt", heißt es.

(Foto: dpa)

Weil er neben seinen Auftritten im "Neo Magazin Royale" Beiträge auf einem umstrittenen Portal veröffentlicht, muss Hans Meiser die Show verlassen. Wie heikel sind seine Texte wirklich?

Von Carolin Gasteiger

Als Scoop hätte das alles nicht besser funktionieren können. Im Neo Magazin Royale muckt Hans Meiser als "kleiner Mann" auf, er sitzt dafür in einem Bleistift-Anspitzer und donnert Jan Böhmermann wenn es sein muss auch populistische Parolen entgegen. Mal will der kleine Mann den Burkini verbieten, mal wettert er gegen die GDL. In Böhmermanns Sendung ist das Satire. Als vor Kurzem bekannt wurde, dass Meiser für watergate.tv schreibt, einem Meinungsportal mit zum Teil kruden Botschaften, hätte es perfekt ins Bild gepasst. Schlagzeile: Böhmermann schleust den kleinen Mann bei Verschwörungsportal ein.

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Jetzt aber hat sich die Bildtonfabrik, die Böhmermanns Show produziert, wegen der watergate.tv-Affäre mit sofortiger Wirkung von Meiser getrennt. Der Entschluss klingt - typisch Böhmermann - selbstironisch. Auf Facebook heißt es unter anderem:

"Wir hatten die unausgesprochene aber klare Vereinbarung, dass Hans Meiser neben dem Neo Magazin Royale in keinem zweiten unseriösen Internetformat zu sehen ist." Der widerspricht: Genau diese Vereinbarung habe es beim Neo Magazin Royale nicht gegeben, geschweige denn einen Vertrag. "Ich war ein Sidekick und nicht mehr", sagt Meiser der SZ.

Aber all das ist kein nächstes Varou- oder Verafake, kein von Jan Böhmermann fein säuberlich orchestrierter Scoop. All das ist real. Und alle, die auf die große Auflösung in der nächsten Show am Donnerstagabend warten, tun das vergeblich. Hans Meiser verfasst tatsächlich Beiträge für das Portal. "Auf watergate.tv bin ich für meine Beiträge - und das waren bislang drei - verantwortlich. Und die sind bis auf den Punkt recherchiert", sagt der frühere RTL-Moderator. In zwei Videobeiträgen prangert er die "Todesfalle Genfood" an oder fordert, dass Glyphosat endlich verboten werden solle. In einem Text befasst sich Meiser mit Oberst Klein, der 2009 den verhängnisvollen Befehl zum Luftangriff bei Kundus gab.

Inhaltlich fallen Meisers Beiträge kaum unter Verschwörungstheorie, auch wenn sie durchaus reißerisch aufgemacht sind. Aber, und das ist entscheidend, sie erscheinen in genau diesem Umfeld und stehen gleichwertig etwa neben einem Video mit dem Titel "Der Untergang Deutschlands?". Meiser sieht darin kein Problem, sondern verweist stattdessen darauf, seine Beiträge zu lesen. Er sei lediglich freier Autor.

Also steht die eine Freelance-Tätigkeit gegen die andere. Gekränkt wirkt Meiser am Mittwoch nicht, nur ein wenig gestresst, weil ständig das Telefon klingelt. Dass vom ZDF niemand mit ihm gesprochen habe, sei nicht unüblich in der Branche. Nach Verbitterung klingt das nicht, sondern eher realistisch. Trotzdem wäre all das nicht so beunruhigend, wäre watergate.tv ein x-beliebiges Nachrichtenportal und Hans Meiser reiner freier Autor. Aber es sieht anders aus.

Auf der Startseite des Portals, das sich als "investigatives Netzwerk für die freie, unabhängige und neutrale Presse" versteht, steht Renate Künast vor Windmühlen. Das Video trägt den Titel: "Abzocke. Naturtod und eine gnadenlose Lobby: Die Ökodiktatur". "Als Meinungsplattform und investigatives Redaktionsnetzwerk, (sic!, Anm. d. Red.) veröffentlichen wir unzensiert die Meinungen und Geschichten, bei denen wir glauben, dass Sie (sic!) unsere Leserschaft interessiert und über die Sie (sic!) informiert werden muss", betonen die Macher in einem Statement, das seit Mittwoch auf der Seite steht.

Meiser sagt es lieber so: "Das ist ein ganz neues Unternehmen und wird jetzt neu aufgestellt. Wir haben seit acht Wochen einen neuen Chefredakteur. Natürlich sind da auch Fehler passiert und Sachen, die man nicht gut finden kann." Von den anderen Autoren, darunter die Brüder Grandt, die früher für den ebenfalls umstrittenen Kopp-Verlag tätig waren, kenne er einzig Guido Grandt. Und was die Beiträge anderer Autoren auf watergate.tv betrifft, die habe er nicht gelesen.

Nun wird Meiser aber nicht gerade als ein Autor unter vielen gehandelt. In den Videos führt ihn die Bauchbinde als "Watergate.tv Redakteur" ein, was eher unüblich ist für einen reinen Autor. Und auf der Impressumsseite firmiert der 70-Jährige zuoberst: "Dieser Mann war DAS RTL-Gesicht. Doch am Ende seiner Karriere beim Sender wurde er abgeschossen wie eine Wildsau in der Morgensonne. (...) Heute möchte der 70-Jährige seine Bekanntheit nutzen, um in Deutschland aufzuräumen. (...) Politische Berichterstattung, Investigativer Journalismus und die Medienwelt sind seine Spezialgebiete."

Die Beendigung seines Engagements beim Neo Magazine Royale sei auf Wunsch aus Mainz gekommen, so Meiser. Und dort, beim ZDF, heißt es, Meiser sei allen anderen Tätigkeiten jenseits des Neo Magazin Royale ohne Kenntnis der Redaktion oder des Produzenten nachgegangen. "Derzeit sind keine weiteren Auftritte von Hans Meiser geplant."

Offener zeigt sich das Neo Magazin Royale selbst: "Sobald Hans Meister (sic!) herausgefunden hat, wer wirklich hinter dem 11. September steckt, ob die Erde hohl ist und die Amerikaner tatsächlich auf dem Mond gelandet sind (...), darf er gerne wiederkommen." Bis dahin profitiert die Sendung immerhin von einem Hashtag: #freimeiserloge.