TV-Serie "Better Call Saul" Saul Goodman ist zurück

Bob Odenkirk als Jimmy McGill/Saul Goodman in "Better Call Saul"

(Foto: AP)
  • Das Breaking-Bad-Spin-off "Better Call Saul" ist in den USA gestartet und läuft von Mittwoch an im deutschen Netflix.
  • Hauptfigur ist Anwalt Saul Goodman, die Handlung spielt im Jahr 2002.
  • Dieser Text enthält Hinweise zu Machart der Serie und Ausgangspunkt der Handlung, aber keine Spoiler zum Plot.
Von Johannes Kuhn, San Francisco

In Albuquerque, der Heimatstadt von Breaking Bad, versammelten sie sich in den Kneipen zum gemeinsamen Gucken; TV-Kritiker schrieben bereits vorher vom meist erwarteten Serienstart des Jahres; Twitter lief über mit Sofort-Kritiken, nostalgischen Erinnerungen und Momenten des glücklichen Wiedersehens.

Und das alles wegen eines verschlagenen Anwalts.

Saul Goodman ist zurück, Walter Whites auf liebenswerte Weise korrupter Rechtsbeistand. Better Call Saul heißt das Spin-off aus dem Breaking-Bad-Kosmos, das am Sonntag im US-Fernsehen (AMC) Premiere feierte und am Mittwoch in Deutschland auf Netflix erscheint.

Seit die Macher von Breaking Bad (Erfinder Vince Gilligan und ein Team rund um Produzent Peter Gould) ankündigten, einer der wenigen sympathischen Figuren ihres Meisterwerks eine eigene Bühne zu geben, war viel spekuliert worden: Wird der fast kultisch verehrten Serie nun ein Abklatsch folgen, um noch einmal Kasse zu machen? Was darf ein Spin-off? Wo zerstört es das Original? Und vor allem: Kann es überhaupt ein Leben nach Breaking Bad geben?

Gauner-Anwalt mit tragischer Note

Die Antwort nach der ersten Folge lautet: Ja, es gibt ein Leben nach Breaking Bad, auch wenn es in der Vergangenheit liegt und zunächst einmal nicht viel mit dem Original zu tun hat. Better Call Saul spielt 2002, sechs Jahre vor dem Entschluss des Chemielehrers Mr. White, Crystal Meth zu kochen (White und Jesse Pinkman werden in der ersten Staffel keinen Gastauftritt haben).

Saul Goodman heißt zu diesem Zeitpunkt noch Jimmy McGill, statt des verlängerten Armes der Klein- und Großkriminellen-Szene von Albuquerque ist er ein erfolgloser Pflichtverteidiger, der einen beachtlichen Teil seiner Zeit damit verbringt, seine Auftritte vor dem Spiegel einzustudieren.

Wir erinnern uns: Auch Walter White war vor seiner Zeit als Drogenboss einmal ein Loser, aber immerhin ein ehrlicher. McGill/Goodman, das wird in der Pilotfolge klar, stammt aus dem Milieu der Trickbetrüger: ein kleiner Gauner, der es irgendwie zum Anwalt geschafft hat, nicht aber zu irgendeiner Form von Anerkennung.

Die erste Folge, das lässt sich ohne Spoiler sagen, gibt Goodman-Darsteller Bob Odenkirk die Gelegenheit, seiner komischen Figur eine gewisse Tiefe zu verleihen. Das gelingt ihm spielend: Die Lebensgeschichte seines Charakters bekommt eine tragische Note - und es eröffnet sich eine Welt, in der sich im Idealfall nicht nur Variationen der Konflikte aus Breaking Bad abspielen werden.

Was an den erfolgreichen Vorgänger erinnert, ist neben der Jagd nach Geld vor allem die Machart: Das Setting in den gleichförmigen Vororten von Albuquerque, die aufreizend langen Einstellungen und Schweigepassagen in Dialogszenen, die extremen Nahaufnahmen der Gesichter - Vince Gilligan hat seinen ästhetischen Kosmos nur minimal verändert.

Am Ende kitzelt es wieder

Das dürfte alten Fans ebenso Halt bieten wie die Auftritte einzelner Figuren aus Breaking Bad. Dass Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks) eine größere Rolle spielen wird, war spätestens seit dem Trailer bekannt - in der ersten Folge tritt er nur kurz in Erscheinung. Zum Schluss, als die Handlung Fahrt aufnimmt und erstmals die charakteristische kitzlige Spannung einsetzt, taucht noch ein zweiter alter Bekannter auf (Spoiler-Link).

Am Ende wird die Serie sich daran messen lassen müssen, ob sie trotz der bekannten Schicksale der Alt-Figuren ein Eigenleben entwickeln kann. Was wäre schlimmer als eine Breaking-Bad-Revue, die bekannte Muster des Vorgängers kopiert?

Nach dem ersten Eindruck stehen die Zeichen gut, dass Better Call Saul etwas Besonderes werden könnte. Auch wenn man sich als Zuschauer in manchen Momenten wünscht, dass Saul Goodman seine Zukunft noch vor sich hätte.

Linktipps: Das New York Magazine porträtiert Hauptdarsteller Bob Odenkirk. Jonathan Banks erzählt in einem Interview von seiner Rolle als Mike Ehrmantraut.