Blogger Stefan Aigner Wo es scheppert

Neugieriger als andere: Der Regensburger Blogger Stefan Aigner.

(Foto: imago stock&people)

Stefan Aigner ist in Regensburg ein bekannter Blogger und verachtet Kuscheljournalismus. Seine Berichte über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche brachten ihm Ruhm und viel Ärger ein. Das Porträt eines Einzelkämpfers.

Von Rudolf Neumaier

Wer übergangen wird, muss resolut sein, auch keck und mutig. Sonst hört ihn keiner. Und der journalistische Einzelkämpfer Stefan Aigner, Blogger in Regensburg, wird gerne mal übergangen, gerade weil er keck und mutig ist. Und neugieriger als andere.

Zu dieser Pressekonferenz haben sie ihn mal wieder nicht eingeladen. Aber er ist trotzdem erschienen, es kommt ja nicht jeden Tag vor, dass das Bistum seinen neuen Bischof bekannt gibt. Und der Pressesprecher des Ordinariats hat ihn mit schiefem Lächeln begrüßt. Als dann die Journalisten um Wortmeldungen gebeten werden, stellen Aigners Kollegen von den etablierten Medien viele und vor allem: nette Fragen.

Stefan Aigner verachtet Kuscheljournalismus, Zeit also, die Hand zu heben. Der Pressesprecher nickt: Gleich sind Sie dran. Aufgerufen wird Aigner nicht. Er scheint das zu kennen, jedenfalls hat er Übung darin, sich Gehör zu verschaffen. Seine erste Frage knallt ohne Aufruf in den Saal, sie spielt auf den Missbrauchsskandal an. Der Pressesprecher lächelt nicht mehr.

Sie mögen Aigner nicht. Er berichtete auf seinem Blog regensburg-digital.de kritisch über das Verhalten des Bistums im Missbrauchsskandal. Der Bischof ließ Aigner verklagen. Er heißt Gerhard Ludwig Müller und ist heute Präfekt der Glaubenskongregation in Rom. Kleriker benutzen gern das Bild von David und Goliath. Wer welche Rolle gespielt hat, ist klar: hier der einflussreiche Bischof, Vertreter einer der immer noch mächtigsten Institutionen, die es gibt, der Kirche - dort ein Blogger aus einer ziemlich heruntergekommenen Schreibstube, der sich kein Auto leisten kann. Mit 39 Jahren.

Lieber keine Werbebanner

Goliath verlor bislang - jetzt versucht es die Diözese mit einer Verfassungsbeschwerde. Und Aigner ist in der Blogger-Szene berühmt. Für seinen Rechtsstreit mit der Kirche überwiesen ihm Menschen aus ganz Deutschland Geld.

Wer will es den Bistumssprechern verdenken, dass sie ihn nicht sehen wollen? Aber peinlich ist es schon: Als Aigner nach der Pressekonferenz in dem Saal für ein Foto posiert, ruft ein Bistumssprecher den Fotografen zu sich. Der spricht nach dieser Unterredung von "Widerständen" und gibt das Bild nicht heraus. Vielleicht, weil die Kirche ein zahlungskräftiger Auftraggeber ist? Das merkt Aigner auch bei den Sponsoren von regensburg-digital: Es gebe Firmen, die zahlen, aber lieber keine Werbebanner veröffentlicht haben wollen.

Auf dem Weg in seine Redaktion überlegt Stefan Aigner, ob er überhaupt über diese Pressekonferenz berichten soll. Den Vorfall mit dem Fotografen. "Aber dann müsste ich ja schon wieder über mich selbst schreiben. Nicht schon wieder!" Er weiß, es brächte Klicks und Leserkommentare.

Doch auf diese Weise Klicks zu sammeln, ist ihm zu billig. Käme es darauf an, dann würde er Polizeimeldungen ausweiden und Busen zeigen und permanent über die Uni berichten und über den Fußball-Zweitligisten Jahn Regensburg. Aber bitte, das sollen die machen, die sich an Klickzahlen ergötzen. Er sagt, ihm reichen die vier- bis fünftausend am Tag. Geschwindigkeitsjournalismus sollen auch die anderen machen. Hauptsache, sagt er, er hat alle paar Tage einen Kracher.