Beckham versus Bauer Verlag Klar distanziert?

"Exklusiv Sex-Skandal! Mehrfach soll David mit diesem Luxus-Callgirl geschlafen haben. Was wird Victoria dazu sagen?" Das stand am 23. September auf der Titelseite der deutschen InTouch. Mit Victoria war Beckhams Ehefrau gemeint, die früher Sängerin der britischen Band Spice Girls war. Die beiden sind seit elf Jahren verheiratet, haben drei Kinder, und sie sind vor allem gut im Geschäft mit der Werbung. Anfang Oktober hat die 28. Zivilkammer des Landgerichts Köln auf Antrag der Anwälte Beckhams, der eine eidesstattliche Versicherung eingereicht hat, in erster Instanz dem Bauer-Verlag in dieser Angelegenheit eine zehn Punkte umfassende einstweilige Verfügung zukommen lassen. Die Punkte des Beschlusses betrafen den Kern der Geschichte.

Hamburger Anwälte des Bauer-Verlages hatten zuvor erklärt: "Nach unserer Kenntnis sind die in Rede stehenden Vorwürfe nachweislich zutreffend." Hierauf komme es aber "nicht einmal an", denn das Blatt habe "lediglich berichterstattenswerte und allseits diskutierte Äußerungen Dritter hinterfragt und sich dabei klar von diesen distanziert". Ein angeblich ehemaliges Callgirl hatte mit der amerikanischen InTouch über angebliche Liebesdienste für Beckham gesprochen und behauptet, dieser habe dafür angeblich rund 15.000 Dollar bezahlt.

Das Management Beckhams und sein Sprecher wurden von dem deutschen Bauer-Blatt mit dem Hinweis zitiert, das sei "alles erstunken und erlogen" oder "frei erfunden und total falsch". Die Geschichte war dennoch ("ob wahr oder unwahr - für Victoria sind allein die Anschuldigungen ein Albtraum") erschienen. Eine Sprecherin des Bauer-Konzerns erklärte Ende September, InTouch habe "ausführlich und entsprechend ausgewogen" berichtet. Das sehen Beckham und seine Anwälte anders.

Noch härter als in den USA geht es seit einigen Jahren in Großbritannien zu, wo es wohl den strengsten Schutz der Privatsphäre in der westlichen Welt gibt. Das libel law, das vor Verleumdungen schützen soll, ist zur Schlag-Tot-Waffe der Angegriffenen geworden. Klagen wegen Rufschädigung durchzustehen, kostet in England die Verlage mittlerweile etwa achtzigmal so viel wie vergleichsweise in Deutschland. Millionenforderungen sind Alltag. Große amerikanische Blätter haben deshalb sogar überlegt, den britischen Markt nicht mehr zu beliefern und dort den Zugang zu ihren Online-Seiten zu sperren.

Die Welt der Medien ist internationaler und gefährlicher geworden. So entschied im März der Bundesgerichtshof, auch die Internetausgabe einer amerikanischen Zeitung könne vor einem deutschen Gericht wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts verklagt werden.