Aus der "Frankfurter Rundschau" Vorläufige Kapitulation

Seit Jahren schreibt die "Frankfurter Rundschau" Verluste. Die aktuelle Krise auf dem Anzeigenmarkt bringt den Verlag jetzt an seine Grenzen: Er hat einen Insolvenzantrag gestellt. Die Redaktion soll vorerst weiterarbeiten, doch die Aussichten sind alles andere als rosig.

Von Caspar Busse und Marc Widmann

Gehälter sind vorerst nur bis Januar gesichert: Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau an diesem Dienstag.

(Foto: dpa)

Gnädig mit Griechenland" titelte die Frankfurter Rundschau (FR) an diesem Dienstag auf der ersten Seite. Dort stand ein Artikel über die massiven wirtschaftlichen Probleme des Euro-Landes, bebildert mit der Akropolis in Athen. Gnade für das eigene Unternehmen, das ebenfalls seit Langem zu kämpfen hat, gab es nicht mehr. Am Dienstagmorgen musste das Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main, das die überregionale Tageszeitung verlegt, beim Amtsgericht Frankfurt Insolvenzantrag stellen.

Als Grund werden "massive Umsatzverluste im Anzeigen- und Druckgeschäft in der ersten Hälfte des laufenden Jahres" angegeben. Die Belegschaft wurde von dem Schritt überrascht und am Nachmittag in Frankfurt bei einer Betriebsversammlung informiert. Für das Schwesterblatt, die Berliner Zeitung, besteht keine Insolvenzgefahr, wie ein Verlagssprecher mitteilt.

Wenn kein Wunder geschieht, ist es das Aus für die FR, die nun in eine Sanierungsphase eintritt und trotz der vorläufigen Kapitulation zunächst weiter erscheint. "Hier rechnet keiner damit, dass die Zeitung in irgendeiner Form weitergeführt wird, die wird einfach komplett eingestellt, mit Stumpf und Stiel", sagt ein Redakteur.

Das soll der vorläufige Insolvenzverwalter verhindern, bestellt wurde der Rechtsanwalt Frank Schmitt von der Kanzlei Schultze & Braun. Er sagte am Dienstagnachmittag auf der Betriebsversammlung, die Löhne und Gehälter der 357 betroffenen Mitarbeiter seien bis Ende Januar 2013 über das Insolvenzgeld gesichert. Bis Ende Januar müsse versucht werden, einen Investor zu finden, im Moment stehe niemand vor der Tür. Falls das so bleibe, sei dies der worst case, dann müssten Anfang Februar 2013 die Mitarbeiter freigestellt werden.

Kein Goldschatz im Keller

Ein Vorstand der Mediengruppe M. DuMont Schauberg, die das Sagen bei der FR hat, erklärte der Belegschaft, dass auch die "Mittel der Mutter" beschränkt seien. "Ich habe leider keinen Goldschatz im Keller, wo ich einfach die Barren rausholen könnte." Die Gesellschafter hätten einen dreistelligen Millionenbetrag investiert, weil sie geglaubt hätten, die FR wirtschaftlich erfolgreich machen zu können. Das sei leider nicht gelungen. Jetzt könnten die Gesellschafter keine "überzeugende Perspektive" mehr erkennen, teilte die Mediengruppe mit. Die Finanzierung der weiterhin hohen Verluste sei "nicht mehr darstellbar". Allein in diesem Jahr sind es nach Angaben eines Verlagssprechers 16 Millionen Euro.

Die FR war lange ein Blatt von überregionaler Ausstrahlung, lange Pflichtlektüre in linken Kreisen, längst nicht nur in Hessen. Doch in den vergangenen Jahren hat dieser Ruf gelitten. Die Mehrheit hat seit sechs Jahren die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg, die 50 Prozent plus eine Aktie der Anteile kontrolliert. Etwa 40 Prozent hält die Beteiligungsgesellschaft DDVG der SPD, mit weiteren etwa zehn Prozent ist die Karl-Gerold-Stiftung beteiligt.