ARD-Dokumentation über Punkband Die Toten Hosen runterlassen

Ein Dokumentarfilm lässt Die Toten Hosen ihre Geschichte selbst erzählen.

(Foto: dpa)

"Wir haben nichts, wir können nichts, aber wir sind stolz auf uns": Der Dokumentarfilmer Eric Friedler lässt "Die Toten Hosen" sich selbst zerlegen. Sie erzählen alles - von der Albernheit der frühen Tage bis hin zum Drogenwahn. Besser geht nicht.

Von Hans Hoff

Wer einen Film über die Toten Hosen dreht, hat genau zwei Chancen. Entweder, er lässt sich von der Düsseldorfer Band vereinnahmen und bekommt so die Meinung der Musiker aufgedrückt. Oder er landet ganz schnell in der Ecke der Feinde, weil die einstigen Punks es bekanntlich nicht so sehr mögen, wenn man kritisch über sie spricht.

Eric Friedler hat einen dritten Weg gefunden. Er ist am Ende seines zweistündigen Dokumentarfilms Nichts als die Wahrheit nicht als Freund oder Feind der Band zu identifizieren, sondern als einfühlsamer Psychologe und als guter Dokumentarist, der Protagonisten und Zuschauer hervorragend durch seinen Film leitet. Dass er Dokumentation besser kann als andere, hat der gebürtige Australier schon mehrfach bewiesen - mit Das Schweigen der Quandts etwa, mit Aghet - Ein Völkermord und in diesem Jahr mit seiner Begegnung mit Margot Honecker.

Nun sind Dokumentationen über Bands immer schwierig, ist doch die Frage, wie nah man an die handelnden Personen herankommt. Die einen Musiker schirmen sich gerne ab und verschanzen sich hinter Managern und Pressesprechern. Oder der Beobachter wird Teil des ganzen.

Nicht so die Toten Hosen in diesem Fall. Sie haben Fiedler ganz nah an sich heran gelassen und sind dabei für ihre Verhältnisse ein ziemlich großes Risiko eingegangen. Fiedler hätte unschöne Dinge in den Vordergrund stellen können, hätte sich mit der musikalischen Qualität des Bandrepertoires auseinandersetzen können, hätte jene Fans zeigen können, auf deren besoffenes Grölen kein Künstler stolz sein kann. Nichts davon hat er getan. Er hat die Musiker sprechen lassen, und die sprechen nicht nur für sich, sondern zerlegen sich auf sehr sympathische Art vor der Kamera.

Eines der größten deutschen Pop-Phänomene

Im Prinzip erzählen die Toten Hosen alles. Sie berichten von der Albernheit der frühen Tage, von den Abstürzen in den Drogenwahn, von den Strukturen in der Band. Man merkt dem fertigen Werk an, wie fleißig Friedler war, wie er die Musiker im Urlaub aufgesucht hat, wie er sie vor und nach Auftritten beobachtet hat. Man muss gar nicht im Presseheft nachlesen, dass er 400 Stunden Filmmaterial gesichtet hat, dass er 11 843 Reisekilometer mit seinem Team zurückgelegt hat. Man spürt das auch so.

Als Künstler von Rang hat Friedler schließlich all das Gesammelte kompiliert, ja beinahe komponiert. Es ist die Geschichte der Toten Hosen, einer Düsseldorfer Band, die vor 30 Jahren als Horde von Punks aufstieg und als Riesenact landete. Der Film wimmelt von Zitaten, die man mitschreiben möchte, von "Wir haben nichts, wir können nichts, aber wir sind stolz auf uns" bis hin zu Campinos Verlegenheit, als er gefragt wird, ob er nicht nur Sänger sondern auch Chef der Band ist. "Ich möcht's nicht aussprechen. Ich werd's auch nicht aussprechen. Wem soll das was bringen", sagt er umständlich, wo ein einfaches "Ja" gereicht hätte.

Aber das einfache "Ja" hätte es möglicherweise nicht in Friedlers Dokumentation geschafft. Der Filmemacher will offensichtlich keine naheliegenden Antworten. Er will, dass die Dinge für sich selber sprechen, dass die exzellent gefilmten Bilder für sich sprechen, dass die Musiker für sich sprechen.

Am Ende steht das, was man mit einer Dokumentation idealerweise anstreben sollte. Nicht nur die Zuschauer haben viel gelernt über eines der größten deutschen Pop-Phänomene, auch die Toten Hosen dürften jetzt ein bisschen mehr über sich wissen als vor diesem Film. Besser geht nicht.

Nichts als die Wahrheit, ARD, Samstag, 23.40 Uhr.