ARD-Doku zu "Das Golddorf" Asyl im Idyll

Die Aussicht ist traumhaft - aber wie sind die Aussichten für einen Flüchtling wie Ghafar Faizyar?

(Foto: NDR/Pier53)

"Das Golddorf" zeigt, wie mit der Ankunft von Flüchtlingen im ländlichen Chiemgau zwei Welten aufeinanderprallen - ohne zu einer zu werden.

Von Carolin Gasteiger

Das Wichtigste zuerst: "You are Christ? Guad, passt." Mit diesen Worten werden die Flüchtlinge in ihrem Quartier im Chiemgau empfangen. Und in diesem einen Satz schwingt bereits all die Fremdheit, Unbeholfenheit, aber auch Freundlichkeit mit, um die es in der Dokumentation Das Golddorf - Asyl im Heimatidyll geht: Wie reagieren heimatliebende Oberbayern auf heimatlose Flüchtlinge? Und umgekehrt?

Carolin Genreith hat Ghafar Faizyar aus Afghanistan und Fishatsyon Hailu aus Eritrea begleitet, die im 5000-Seelen-Ort Bergen auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge warten. Zwischen Berggipfeln, Maibaum und saftigen Wiesen. Die Fronten scheinen klar, als Sepp Vachenauer von seiner Heimat schwärmt. "Hier sind wir geboren und hier sterben wir auch", sagt der Landwirt, 68 Jahre alt. Einige der 50 Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea und Syrien kennt er zwar vom Sehen, wirklich getroffen hat er sie aber noch nicht. Auch Annemarie Bachmayer, die sich im Trachtenverein engagiert, kann über die Neuankömmlinge nicht viel mehr sagen als: "Die waren auf einmal da."

Mit solchen "Mia san mia"-Protagonisten droht der Film an der klischeehaften Oberfläche zu bleiben, dann überraschen wieder persönliche Einblicke. Verloren sitzen Ghafar und Fishatsyon beim traditionellen "Preisplattln" in der Dorfwirtschaft, zwischen Einheimischen in Tracht. Auf der Bühne dreht sich die junge Annemarie im Dirndl scheinbar endlos im Kreis. Ein seltsam vertrautes Bild für Fishatsyon: "Die Frauen in diesen Kleidern ähneln den Frauen in meinem Land." Davon bekomme er ein bisschen Heimweh.

Wie diese Welten aufeinanderprallen, ohne zu einer zu werden, macht den Film sehenswert und zugleich tragikomisch. Und während Bauer Vachenauer seine Kühe fürsorglich über die Wiesen dirigiert, erzählt der Eritreer von seiner qualvollen Flucht durch Libyen. Ohne Essen, ohne Duschen, ohne Platz. Aber in der ständigen Angst, erschossen zu werden, einfach so.

Ein Filmemacher musste ohne Familie fliehen: "Wie kann das für mich ein Zuhause werden?"

Doch es gibt auch Berührungspunkte. Menschen wie Monika Berlitz oder Sepp Reitmaier, die den Flüchtlingen Deutsch beibringen, mit ihnen kochen oder einen Berglauf besuchen. Und man merkt, aus solchen Begegnungen entsteht Vertrauen, die jungen Männer lachen und scheinen ihre Sorgen kurz vergessen zu können. Angekommen sind sie aber noch lange nicht.

So sagt Ghafar, der als Filmemacher vor den Taliban fliehen und seine Familie zurücklassen musste: "Wenn man seine Familie nicht bei sich hat, die Sprache nicht spricht, nicht arbeiten darf, wenn man nicht in einer Stadt lebt, sondern in so einem kleinen Ort - wie kann das für mich ein Zuhause werden?" Die echte Heimat gibt es eben nur einmal.

Das Golddorf - Asyl im Heimatidyll, ARD, 23 Uhr.