Anschlag auf BVB-Bus Zweifel an zweitem Dortmund-Schreiben

  • Auf der Seite Indymedia ist ein angebliches Bekennerschreiben von linken Aktivisten aufgetaucht, die die Verantwortung für den Anschlag auf den BVB-Bus übernehmen.
  • Dabei handelt es sich womöglich um eine Fälschung.
  • Der Generalbundesanwalt hat "erhebliche Zweifel an der Echtheit" des Schreibens.
Von Antonie Rietzschel

Nach dem Anschlag auf den BVB-Bus ist auch die linke Szene in Verdacht geraten, damit etwas zu tun zu haben. Auf der Seite Indymedia veröffentlichten Unbekannte einen Text, der ein fehlendes Engagement des Fußballvereins gegen Neonazis und Rechtspopulisten anprangert. Rechtsextreme Seiten wie Politically Incorrect schrieben daraufhin von "linkem Terror". Die Nachrichtenagentur DPA sowie die Bild-Zeitung griffen den Aspekt vorsichtiger auf, schrieben die Erklärung aber ganz klar der Antifa zu. Mittlerweile hat die Generalbundesanwaltschaft "erhebliche Zweifel an der Echtheit" des Schreibens, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Indymedia ist eine Plattform, die sich vor allem an linke Aktivisten richtet. Grundsätzlich kann aber jeder ohne Registrierung Beiträge auf der Seite veröffentlichen. Moderatoren greifen nur im Notfall ein. Und genau das ist geschehen: Das angebliche Bekennerschreiben ist mittlerweile von der Seite verschwunden. Stattdessen findet sich eine ausführliche Gegendarstellung. Es handle sich um eine "Falschmeldung", die zügig gelöscht worden sei. In dem Text werde kein klares Motiv genannt, die Urheber hätten versucht, vermeintlich linke Sprache "nachzuäffen".

An manchen Stellen klingt das Schreiben fast wie ein schlechter Witz

Tatsächlich unterscheidet sich das angebliche Bekennerschreiben der Antifa von anderen Erklärungen, die auf der Seite zu finden sind. Als Linke die Scheiben eines Restaurants in Kreuzberg zerstörten, lieferten sie auf Indymedia eine teilweise umständliche und fehlerhafte Begründung ab: "Unsere aktion steht im Kontext der Organisierung des stadtteils gegen diese verdrängungspolitik", heißt es da.

Die Erklärung zum jüngsten Anschlag imitiert den linken Sprachduktus. Eine wirklich ausführliche Begründung fehlt jedoch. Der Hang der Antifa zur geschlechterneutralen Sprache wird bis ins Groteske verzerrt. Da ist von "Nazi_innen" die Rede. Im letzten Absatz heißt es: "Keinesfalls waren die Spieler_innen Ziel dieser symbolischen Tat." Da es sich beim BVB um eine rein männliche Mannschaft handelt, klingt das fast wie ein schlechter Witz.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Unbekannte falsche Beiträge auf der Seite veröffentlichen. Nach dem Bombenanschlag auf eine Moschee und Teile des Kongresszentrums in Dresden prüften die Behörden einen linksextremen Hintergrund. Damals, im Herbst 2016, war auf Indymedia ein Schreiben aufgetaucht, das sich schließlich als Fälschung herausstellte.

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