Einfach, aber nicht genial: Auch Ampel-Farben auf Lebensmitteln verraten dem Verbraucher nicht, ob er sich gesund ernährt.
Ampeln sind eine praktische Erfindung. Selbst Kleinkinder wissen, was sie bedeuten: bei Rot stehen, bei Grün gehen. Und gerade weil das so einfach ist, wollen Verbraucherschützer die Farbsignale häufiger einsetzen. Warum nur im Verkehr? Sie könnten doch auch den Weg durch das verwirrend große Angebot an Lebensmitteln im Supermarkt weisen.
Kritik an der Ernährungsampel: Sie ist nicht differenziert genug, da sie keine genauen Zahlenwerte anzeigt und Lebensmittel grob in Farben einteilt. (© Foto: dpa)
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Wenn es nach den Verbraucherschützern geht, dann sagen uns Ampelfarben auf der Verpackung künftig, ob ein Lebensmittel zu viel Fett hat, zu viel Zucker oder zu viel Salz. Grün heißt: Wir dürfen unbesorgt zugreifen. Gelb heißt: nicht zu viel davon. Und Rot heißt: Finger weg. Ein klare Ansage, die auf einen Blick zu erfassen sei - im Gegensatz zu den komplizierten Nährwert- und Kalorienangaben, die sich auf vielen Verpackungen finden.
Auch die Krankenkassen halten die Ampel für sinnvoll, um Fehlernährung und Übergewicht vorzubeugen. Trotzdem lehnt die schwarz-gelbe Koalition sie ab.
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat das aus Anlass der Grünen Woche, die an diesem Freitag beginnt, bekräftigt - und sich den Vorwurf eingehandelt, der Industrie näher zu stehen als den Verbrauchern. Dabei spricht tatsächlich einiges gegen die Lebensmittel-Ampel.
Eine Diät-Cola würde drei grüne Punkte bekommen, da sie weder Fett noch Zucker noch Salz enthält. Bio-Apfelsaft dagegen würde wegen des Zuckers schlechter abschneiden. Die Ampel signalisiert also: Verbraucher sollten lieber zu Diät-Cola greifen als zu Bio-Apfelsaft. Dass der Saft ein vitaminreiches Naturprodukt ist und mit Wasser verdünnt wird, spielt bei ihr keine Rolle.
Zudem sind drei Farben sehr wenig und die Spannen daher groß. So sollen Lebensmittel mit einem Fettgehalt von drei bis 20 Prozent alle gelb markiert werden. Dabei haben drei Gramm Fett 27 Kalorien und 20 Gramm Fett 180 Kalorien. Diesen Unterschied würde die Ampel nicht widerspiegeln.
Und was ist mit Produkten, die sowohl grüne als auch rote Punkte haben. Sind sie gut oder schlecht? Die Beispiele zeigen: Durch die Ampel wird es nicht einfacher, es sieht allenfalls einfacher aus. Ob etwas gesund ist, erfährt man auch bei dieser Kennzeichnung nicht.
Natürlich müssen Fehlernährung und Übergewicht bekämpft werden. Deshalb sollten Nährwert- und Kalorienangaben, jeweils in Prozent zum Tagesbedarf gesetzt, verbindlich vorgeschrieben werden. Der Verbraucher muss wissen, wie viel Fett, Zucker, Salz und Kalorien ein Produkt enthält - aber in Zahlen, nicht in Farben. Denn er braucht Fakten, keine Wertungen. Nur er weiß, was und wie viel er an dem Tag schon gegessen hat. Und deshalb kann auch nur er beurteilen, ob die Pizza noch erlaubt ist oder nicht.
Gesunde Ernährung lässt sich nicht anhand eines einzelnen Lebensmittels beurteilen. Es kommt auf die Gesamtschau an. Wer die Angaben auf den Verpackungen nicht versteht, würde die widersprüchlichen Signale der Ampel erst recht nicht verstehen.
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(SZ vom 15.01.2010/dog/bre)
Endgültiger DFB-Kader für EM
Vielen Dank für diesen scheinbar von der Lebensmittelindustrie gesponserten Artikel. Wenn die Ampel komplett unbrauchbar ist, frage ich mich, warum sie hier in Großbritannien so gut funktioniert. Ich lebe damit - und zwar sehr gut!
Sie kritisieren die Vereinfachung, die eine Ampel darstellen würde. Genau darum geht es doch! Zahlenkolonnen will niemand lesen und nur wenige verstehen sie. Zudem wird ja zusätzlich der Tagesbedarf zB an Fett angegeben und wieviel des Tagesbedarfs das Produkt jeweils abdeckt.
Die Ampel belegt einmal mehr, dass die Politik zunehmend Richtlinien entwickelt, die der Industrie nützen, nicht aber dem Bürger. Hoffen wir, dass die Industrie die CSU dann auch bei den nächsten Wahlen wählt. Ich werde das sicher nicht tun.
Dass der Staat dem Bürger bald auch noch per kindgerechter Ampel erklären soll, was er zu essen hat und von was er lieber die Finger lassen sollte, ist ein weiterer, großer und wichtiger Schritt auf dem Wege in eine Super-Nanny Gesellschaft.
Der Staatsbürger auf dem Wege zum unmündigen Staatsmündel.
Beachtenswert auf den kleinen, grünen Kärtchen der Verbraucherzentrale (oben Bild) der erhobene rote Zeigefinger. Wie unmündig und kindhaft sind wir eigentlich schon geworden?
So lange man essen darf, was einem schmeckt, können Gesundheits-, Langlebigkeits- oder Körperschönheitsfanatiker machen was sie wollen. Ich rauche jetzt erstmal eine Zigarette, trinke Cola und mache mir dann eine Pizza mit extra viel Käse.
Da schreibt wohl die Anti-Ampel-Lobby.
Was die Autorin da am Ende verlangt, ist das jeder über seinen Tageskonsum Buch führt, denn anders kann man nicht beurteilen, ob man Mittags noch bestimmte Tagesprozentwerte genießen kann oder nicht.
Das scheitert aber spätestens dann, wenn man (wie viele Arbeitnehmer) seine Mahlzeiten nicht alle selbst zubereitet.
Außerdem, es heißt Menschen haben dann eine Essstörung, wenn sie zuviel übers Essen nachdenken (egal ob zur Kalorienvermeidung oder Genusssteigerung). Wenn ich buchführen muss, denke ich zuviel übers Essen nach.
Endergebnis: ein Volk von Essgestörten. Dann bitte lieber die Ampel. Auf den Lebensmitteln und an der Regierung.
Ah - der Artikel ist vom Anzeigenkunden wohl einfach durchgereicht worden, was?
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