So viele Ein-Personen-Haushalte wie nie Alleinleben als Lebenseinstellung

Für deutsche Männer scheint das Alleinleben mehr als für Frauen Lebenseinstellung zu sein. Dieser Eindruck wird durch ein weiteres Ergebnis der Studie untermauert: Gerade in jungen Jahren, zwischen 18 und 34, entscheiden sich deutlich mehr Männer (27 Prozent) als Frauen (20 Prozent) für das Wohnmodell Ein-Personen-Haushalt. Im Alter kehren sich die Zahlen um: 45 Prozent der über 65-jährigen Frauen, aber nur 19 Prozent der Männer der gleichen Altersgruppe leben allein. Eine Erklärung hierfür könnte die höhere Lebenserwartung von Frauen sein: Wenn der Mann stirbt, bleiben die Partnerinnen mutmaßlich unfreiwillig alleine zurück.

Gleiches passiert Männern, wenn ihre Ehe oder Partnerschaft auseinandergeht: Die Alleinlebendenquote der Männer ist vor allem im mittleren Alter deutlich gestiegen. Während 1991 nur zwölf Prozent der 40- bis 44-Jährigen allein lebten, waren es 2011 bereits 25 Prozent. Diese Zahlen stehen in engem Zusammenhang mit der in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegenen Scheidungsrate. Zum hohen Anteil alleinlebender Männer mittleren Alters passt, dass der Großteil der Alleinerziehenden - diese zählen nicht als alleinlebend - noch immer weiblich ist: Kinder verbleiben bei einer Trennung oder Scheidung ihrer Eltern zumeist bei der Mutter.

Alleinlebende Frauen sind beruflich erfolgreicher

Die Daten des Mikrozensus bestätigen einmal mehr, dass Beruf und Familie für Frauen auch im Jahr 2011 schwer vereinbar sind. So sind alleinlebende Frauen häufiger in Führungspositionen anzutreffen als ihre nicht alleinlebenden Geschlechtsgenossinnen: Der Anteil liegt hier bei 17 zu 13 Prozent. Männer hingegen scheinen besonders mit einem familiären Hintergrund erfolgreich zu sein: So hatten 26 Prozent der Männer mittleren Alters in einem Mehr-Personen-Haushalt eine Führungsposition inne. Bei den Alleinlebenden lag die Quote um fünf Prozent niedriger.

Dazu passt, dass die Quote der Erwerbstätigen unter den alleinlebenden Männern deutlich unter der ihrer Geschlechtsgenossen in Mehr-Personen-Haushalten liegt. Während 2011 85 Prozent der 35- bis 64-Jährigen, die mit einer Partnerin/einem Partner und/oder Kindern zusammenleben, einer Beschäftigung nachgingen, waren es im gleichen Alterssegment der Alleinlebenden nur 74 Prozent. Bei Frauen zeigt sich hier kein Unterschied: In beiden Gruppen lag der Anteil der Erwerbstätigen bei 71 Prozent.

Ein erwartbares Ergebnis der Studie betrifft die Verteilung der Ein-Personen-Haushalte auf Stadt und Land: In Städten mit mindestens 500.000 Einwohner lebten 2011 etwa 29 Prozent der Bevölkerung allein. In kleinen Gemeinden (weniger als 5000 Einwohner) waren es hingegen nur 14 Prozent. Berlin liegt mit einer Alleinlebendenquote von 31 Prozent im Vergleich deutscher Großstädte auf Platz zwei - noch übertroffen von Hannover (33 Prozent).

Erhöhtes Armutsrisiko

Mit dem Luxusleben einer Carrie Bradshaw hat das Single-Dasein deutscher Großstädter jedoch wenig zu tun. Die meisten Alleinlebenden sind nicht Eigentümer, sondern leben zur Miete. Wobei ihre Mietbelastung deutlich höher ist als die von Mehr-Personen-Haushalten: Bei Alleinlebenden verschlingen die Wohnungskosten 26 Prozent des Einkommens, bei Haushalten ab zwei Personen liegt der Anteil bei 20 Prozent und weniger.

Alleinlebende sind zudem deutlich gefährdeter, in Armut abzurutschen, als Menschen, die mit dem Partner oder der Familie zusammenwohnen. Ihre Armutsgefährdungsquote liegt mit 30 Prozent fast doppelt so hoch wie die Quote für den Bundesdurchschnitt. Einzig Alleinerziehende sind noch gefährdeter (43 Prozent).

Eines haben Alleinlebende hierzulande jedoch mit der Serienfigur Bradshaw gemeinsam: Für sie wie auch für viele Deutsche ist das "Single-Dasein" eine Altersfrage. Bis 27 Jahre steigt der Anteil der Alleinlebenden: Einen eigenen Haushalt zu führen, gehört zum Abnabelungsprozess vom Elternhaus. Doch mit zunehmendem Alter scheinen Unabhängigkeit und Freiheit ihren Reiz zu verlieren: Die Zahl Alleinlebender sinkt, dafür steigt der Anteil an Mehr-Personen-Haushalte.

Ein bisschen Carrie steckt eben in vielen von uns. Die stellt ihr Appartement am Ende ihrer Freundin Charlotte zur Verfügung - und lebt selbst lieber mit Mr. Big unter einem Dach.